trailer: Frau Reeves, wie unterscheidet sich Männer- von Frauenfußball?
Shary Reeves: Männer laufen zwar schneller, springen höher und weiter, sind in ihrem Muskelaufbau stabiler, können sich in Zweikampfsituationen im Fußball mehr mit dem Körper durchsetzen, Frauen gelingt dies eher mit fußballerischen Mitteln. Deshalb wird auch gesagt, dass Frauen im Fußball technisch versierter sind. Anders ist es bei einer Birgit Prinz oder einer Alexandra Popp, die auch durch ihre körperlichen Einsätze Zweikämpfe gewinnen, weil sie dahin gehen wo es weh tut. Rein sportlich betrachtet unterscheidet sich der Frauenfußball vom Männerfußball allerdings in keinster Weise.
Warum ist der Publikumsliebling nach wie vor der Männerfußball?
Es gibt die Macht der Medien. Natürlich ist die Spielqualität in den unteren Ligen nicht so hoch, das gebe ich zu. Es gibt diesen Schneeballeffekt: Je besser die Qualität des Spiels ist, umso mehr Zuschauer kommen. Je mehr Zuschauer kommen, umso mehr sind die Medien interessiert. Dafür muss aber auch das Leistungsniveau in den Ligen angepasst werden, genügend Spielerinnen gibt es ja, um dieses Vorhaben erfolgreich umzusetzen.
Haben die Medien hier einen erzieherischen Auftrag?
Ja, und den nehmen sie auch wahr. ARD und ZDF werden von der Weltmeisterschaft ausführlich berichten. Bei den Spitzenspielen wird es statt der üblichen drei, 18 Kameras geben. Wenn nur mit drei Kameras gearbeitet wird, wirkt das Spiel in der Wahrnehmung oftmals nicht schnell. Wenn zwischen 18 Kameras schnell geschnitten werden kann, kommt beim Zuschauer eine ganz andere Dynamik an.
Die WM im eigenen Land kann den Frauenfußball pushen?
Das muss sie. Wichtig ist, dass Nachhaltigkeit entsteht, dass mehr Mädchen und Frauen in die Vereine gehen. Der Vereinsfußball ist die Basis der Nationalmannschaft. Die Vereine der Liga müssen sich außerdem weiter professionalisieren. Wir brauchen mehr ausländische Spielerinnen in der Liga. Beim Männerfußball hat sich ja gezeigt, dass sich auch so das Spiel noch positiver verändert hat.
Ist der Reiz des Frauenfußballs nicht gerade, dass er kommerziell nicht so verdorben ist?
Der Reiz bleibt doch. Aber es ist wichtig, dass die Frauen Fußball spielen können ohne nebenher noch arbeiten gehen zu müssen und sich während ihrer aktiven Zeit etwas auf die Seite legen können, um später abgesichert zu sein. Das müssen wir in nächster Zeit schaffen und da kann die WM helfen.
Gilt beim Frauenfußball „Sex sells“?

Das gilt bei den Männern doch auch. Denken Sie an Ronaldo oder David Beckham. Beckham war nie einer der besten Fußballer der Welt, hat aber mit seinen verrückten Frisuren viele Mädels in die Stadien und vor die Fernseher gelockt. Warum soll das beim Frauenfußball anders sein? Nicht umsonst lautet das Motto: 2011 von seiner schönsten Seite.
Ist das nicht frauenfeindlich?
Nein. Es gibt inzwischen Trikots, die passen, die sind keine Säcke mehr. Ich habe früher selbst Fußball gespielt. Ich will auf dem Platz nicht aussehen wie ein Mann, sondern wie eine Frau.
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