„Unsere Lesung beginnen wir mit den Bands, die quasi die Dreifaltigkeit des Ruhrgebiet-Punkrocks bilden: Eisenpimmel, Lokalmatadore und Kassierer“, versprach Dennis Rebmann zu Beginn der Lesung. Gemeinsam mit Philip Stratmann ist er Autor des 2013 veröffentlichten Buchs „Mit Schmackes! Punk im Ruhrgebiet“, aus dem sie im Bochumer Neuland einige Texte vorlasen. Dabei wurden die Bands anhand von Interviewausschnitten portraitiert, vorangestellt wurde jeweils ein Songtext der Musikgruppen mit Bezug zum Ruhrgebiet.
„Die Bands machen typischen Ruhr-Proll-Punk“, las Dennis Rebmann über die Lokalmatadore. „Da scheiden sich die Geister: Die einen finden das platt, die anderen ziemlich ironisch“. Genau da knüpfen die Texte der beiden Autoren an. Mit Anekdoten aus der Bandgeschichte und der Frage, ob die Musikgruppen nicht doch irgendwie politisch seien, lasen sie unterhaltsame Texte und benannten dabei auch Kritik an den jeweiligen Bands, wie beispielsweise Sexismus-Vorwürfe.
Schnell konnte der Eindruck entstehen, dass das Ruhrgebiet fast nur Prollpunk vorzuzeigen hätte. Dass dem nicht so ist, demonstrierten die beiden Autoren mit ihrem Portrait der Richies aus Duisburg, die sich Ende der 1980er Jahre gründeten und vom Stil her den Ramones sehr ähnlich sind.
Ein Höhepunkt der Lesung war der Text über das Musiklabel und den Plattenladen „Dirty Faces“, der 1996 von Volker Jaedicke in Bochum eröffnet wurde. Ein Raunen ging bei einem Foto mit vielen Punks vor dem Laden durch den Raum – erkannten die meisten BesucherInnen der Lesung doch irgendjemanden. „Das Dirty Faces war ein beliebter Szene-Treffpunkt, ob vor oder im Laden“, hielt Dennis Rebmann fest.
Begleitet wurde die Lesung über Punk im Ruhrgebiet von Stefan Matthäus. Der Macher des „Punkrockers Radio“, einem Radiosender, der rund um die Uhr online aufrufbar ist, hat die Ausstellung „Ramoetry“ konzipiert. Dafür hat er während seiner Interviews mit Punkrock-Bands Songtexte der Ramones lesen lassen. „Ich wollte nicht immer die selben Fragen stellen, sondern mal etwas anderes machen. Von den Ramones gibt es viele Songtexte, sie sind bekannt und beliebt. Deshalb bat ich die Bands die Texte zu lesen“, berichtete Stefan Matthäus.
„Am Anfang gab es gar keinen Plan für eine Ausstellung.“ Doch mittlerweile hat er rund 40 Aufnahmen von Texten, die von Musikern wie Chris2 von Anti-Flag oder Laura Jane Grace von Against Me! gelesen wurden. Besonders stolz ist Stefan Matthäus darauf, dass auch C.J. Ramone, der letzte Bassist der Ramones, einen Text seiner ehemaligen Band eingesprochen hat. „Er hat auch den Begriff Poetry ins Spiel gebracht. So ist dann der Ausstellungsname entstanden“, erklärte Matthäus.
Eine Auswahl der Aufnahmen ist noch bis zum 13.5. in der mit Herzblut gestalteten Ausstellung im Bochumer Neuland zu hören. Ob CD-Player oder Kassettenrekorder – die vielen verschiedenen Stationen laden die BesucherInnen ein, sich die Tondokumente anzuhören. Auf Plakaten an den jeweiligen Stationen sind die Songtexte zu finden, meist von den Lesenden signiert.
Weitere Informationen gibt es auf www.ramoetry.net
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