Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29

12.324 Beiträge zu
3.650 Filmen im Forum

Pfoten
Foto: © Matthias Schamp/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Tier und wir

26. Juni 2019

„Das Haustierprojekt“ im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 07/19

Das Verhältnis von Tierfreund und Haustier ist geprägt von großer Zuneigung, aber auch von eklatanten Missverständnissen, auf beiden Seiten. Dieser sehr speziellen Verflechtung zwischen so unterschiedlichen Lebewesen widmet sich das „Haustierprojekt“ im Kunstmuseum in Kooperation mit der Ev. Hochschule RWL Bochum.

Eine bunte multimediale Mischung aus Bild, Skulptur, Zeitungsartikeln, Masken, Video-, Audio- und Taststationen füllt die gesamte Galerieetage. Ein Plüschtierknäuel hockt neben einem Fotowand-Tableau mit hunderten Tiermotiven aus Privatwohnungen und Aufnahmen stolzer Tiertattoo-Träger. Die Haushund-Auswilderungsinitiative „Fiffy go wild“ begegnet einem Rudel ausgestopfter Tiere, dem Fellmuff der Tante und einem echten Fiffi, der seinen Gassigang filmt. In einem Aquarium huscht ein nervöser Guppy-Schwarm durch ein getöpfertes Medusenhaupt mit schmerzverzerrtem Antlitz.

Wer putzige Katzenbilder erwartet hatte, ist sicher irritiert. Niedlich geht anders, vermenschlicht wird hier nicht. Der präparierte Löwenkopf, die Spinnenreliefs und das „Wildschweinfell aus dem Haushalt eines starken Rauchers“ sind vielleicht nicht jedermanns Sache. Eine Tiernamen-Servicestation beballert den geneigten Zuhörer verbal von „dummer Kuh“ bis zum „lieben Mäuschen“ und beim Griff in die drei Tastboxen ist leichtes Schaudern vorprogrammiert. Provozierend-Voyeuristisches aus der Fetischszene steht neben anrührenden Erinnerungen an das erste Stofftier oder Fremdschäm-Monologen an den Vierbeiner („Gib Pfötchen. Feiiiiin machst du das!“), einem „inversen“ Modellzoo mit Menschenfigürchen in Käfigen oder dem aus Plastikstrandgut modellierten Fisch.

Nicht alles ist hehre Kunst – was gar nicht ging, bevölkert die „Aua-Ecke“, die von Besuchern gern zusätzlich bestückt werden darf. Die Exponate wurden als Ergebnisse von ästhetischer Forschung – sozialen Recherchen und naturkundlichen Beobachtungen – von den Studenten in fünf von Künstlern geleiteten Seminaren geschaffen. Dass die Ausstellung auch für ein Kunstmuseum eine echte Bereicherung ist, hat der Bochumer Künstler und Lehrbeauftragte Matthias Schamp zu verantworten, der die Werke unter Hinzufügung von Zeitungsartikeln und anderen Fundstücken zu einem rhythmisch stimmigen und abwechslungsreichen Environment arrangierte. Ein künstlerischer Transformationsprozess! Alle Sinne und alle Emotionen werden bestens bedient; der Mensch/Tier-Parcours macht Spaß und bietet jede Menge Kommunikationsanlässe.

„Pfötchen für alle!“ – Das Haustierprojekt | bis 25.8. | Kunstmuseum Bochum | 0234 910 42 30 | www.kunstmuseumbochum.de | Eintritt frei

Claudia Heinrich

Neue Kinofilme

Downton Abbey

Lesen Sie dazu auch:

Neue Ausstellung: Mensch und Tier im Revier
E: Ruhr Museum | ab Mo 8.7. 10-18 Uhr

„Eine ganz selbstverständliche Kommunikation mit der Welt“
Die „Sommer“-Ausstellung im Düsseldorfer Kunst im Tunnel – Sammlung 07/19

Das weite Spektrum Malerei
Monika Baer in Bonn – Kunst in NRW 06/19

Kontemplative Zeitreise
10 Jahre Museum DKM in Duisburg – Kunst 05/19

Zeichen für die Schöpfung
In der Fülle eine Sensation: Klaus Rinke in Duisburg – kunst & gut 05/19

Neu gesammelt
Neuerwerbungen im Campusmuseum – Ruhrkunst 05/19

Leben am Fluss
Brohm und Soth in Düsseldorf – Kunst in NRW 05/19

RuhrKunst.