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„Schicht“ von Alex Gerbaulet
Foto: pong Film GmbH

Mit Blick fürs Besondere

29. Oktober 2015

blicke. Filmfestival des Ruhrgebiets vom 25.-29.11. in Bochum – Festival 11/15

blicke steht für Gegenkultur, jenseits des Mainstreams, jenseits künstlerischer Dogmen, mit Mut zum Experiment. Und das schon von Anfang an: 1989 gründete sich der Verein Klack Zwo, der auch das blicke-Festival veranstaltet, mit dem Ziel, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen – und zwar über die „Aktuelle Monatsschau“, ein alternatives Videomagazin, das bis 1999 im Vorprogramm des Endstation Kino lief. Vor 23 Jahren rief die Truppe das Festival ins Leben – als Plattform für Film als Kunst, Film als Experiment, Film als visuelles Abenteuer.

Über 33 Werke sind vom 25. bis zum 29. November im Endstation Kino zu bestaunen. Und dass Film sehr viel mehr sein kann als ein hermetisch abgeschlossenes, fertiges Kunstwerk, soll sich schon bei der Eröffnung zeigen: In der Performance „Schnitte aus dem Ruhrgebiet“ wird eine Tänzerin mit den Bewegungen ihres Körpers Montage und Darstellungsweise eines Films steuern, der den Zuschauer durchs Revier führt.

Der rote Faden des diesjährigen Festivals sind Orte, und zwar von geheimnisvoll bis profan, von Salzgitter bis Syrien. Wobei: Gibt es überhaupt profane Orte, ohne Magie und Geheimnis – oder braucht es nur den richtigen Blick?

Orte müssen dabei nicht zwangsläufig im klassischen Sinne „echte“ Orte sein: Die Installation „Gefahr im virtuellen Raum“, arrangiert von Studenten der FH Dortmund und der Folkwang Uni Essen, lädt auf eine Abenteuerreise ins Grenzgebiet zwischen physischer Realität und digitaler Realität ein. In die Ausstellung sind Filme integriert, die der Besucher sehen kann, aber nicht muss. Über Spiegel und andere Projektionsflächen wird ein lineares Verstehen unmöglich gemacht, jeder Gang durch das obere Kinofoyer ermöglicht andere Geschichten, unterschiedliche Deutungen, Einblicke in verschiedene Welten. Ein Film ohne Leinwand, in dem der Zuschauer selbst zum Teil der filmischen Welt wird. Die Ausstellung ist während des gesamten Festivals zu sehen. Bei der Diskussion „Expanded Cinema“ am Samstag um 14 Uhr sprechen die Macher über ihr Projekt.

Um tatsächliche Orte, eindeutig zu verorten in Raum und Zeit, geht es beim Sonderprogramm am Donnerstagabend: Alex Gerbaulets Dokumentation „Schicht“ begibt sich auf einen Trip durch ihre Heimatstadt Salzgitter, „Das offenbare Geheimnis“ von Eva Könemann geht dem Phänomen der niederrheinischen Ortschaft Emmelsum auf den Grund – ein 300-Seelendorf, das von sich selber behauptet, keinerlei Besonderheiten zu haben.

Dokumentationen und experimentelle Filme dominieren Festivalprogramm, es sind aber auch fiktionale Stoffe zu sehen. Zu jeder dieser drei Kategorien vergibt das Festival einen Preis. Wie üblich vergibt trailer auch dieses Jahr den Querdenkerpreis und der Bahnhof Langendreer den Publikumspreis. Dieses Jahr neu ist der „action: gender“-Preis, gestiftet von der Gleichstellungsstelle der Stadt Bochum. Der geht an FilmemacherInnen, die ihren Blick auf die Konstruktion von Geschlechterverhältnissen legen – und sichtbar machen, was ansonsten kaum zu erkennende Ideologie bleibt.

blicke. Filmfestival des Ruhrgebiets | 25.-29.11. | Endstation Kino, Bochum | www.blicke.org

Dominik Lenze

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