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Spur Hagen, Pigmentdruck auf Alu-Dibond
© Klaudia Dietewich

Spuren für den Frieden

18. September 2019

Klaudia Dietewich in Hagen – Ruhrkunst 09/19

„Wenn ich durch eine Stadt gehe, schaue ich meist nur nach unten“, sagt Klaudia Dietewich. Die Stuttgarter Fotografin findet ihre Motive auf der Straße. Farbflecken, abstrakte Zeichen und grafische Muster im Straßenasphalt lichtet sie ab und druckt sie, leicht vergrößert, auf quadratische Alu-Dibond-Platten. Die flüchtigen Hinterlassenschaften von Witterung, Abrieb und Markierungsresten im Asphalt erinnern kurz an gelebtes Leben und sind oft selbst schnell wieder verschwunden. 50 dieser kleinen Alltags-Ready-Mades aus aller Welt hängen nun fotografisch fixiert und exponiert in Dietewichs Wanderausstellung „50 Städte – 50 Spuren“, die zwischen 2018 und 2020 über den gesamten Globus tourt und zurzeit in Hagen Station macht.

Initiator ist die internationale Vereinigung „Mayors for Peace“. Bürgermeister aus 50 Mitgliedsstädten wollten mit einem Kunstprojekt rund ums Verschwinden und Erinnern an die Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags vor 50 Jahren erinnern. Klaudia Dietewich gewann die Ausschreibung mit ihrem „Wegstücke“-Projekt. Seit 2015 läuft sie nun mit Kamera und gesenktem Blick durch Hiroshima, Ljubljana, Luxor, Auschwitz, Wien, Tiflis, Boston, Dresden, und ja, auch Hagen.

Die „Spur Hagen“, eine rostbraune aufstrebende Form auf grau-weißem Grund, dokumentiert, was heute, Monate nach der Aufnahme auf einer Brücke über die Volme, nicht mehr auffindbar ist. Die Platte hängt im Souterrain des einst im Bombenkrieg teilzerstörten Museumsaltbaus neben der „Spur Hiroshima“, direkt am Eingang. Ein schwieriger Ausstellungsraum ist die stilvoll restaurierte Jugendstilhalle mit rotem Boden, rot-weißen Wandzonen und weißen Säulen auf floraler Basis. Die 50 Bildplatten, nach ästhetischen Kriterien in Dreier- oder Vierer-Formationen gruppiert, können sich jedoch mit ihren Form- und Farbakzenten überraschend gut in diesem pompösen Umfeld behaupten. Sechs Gemälde mit Motiven des kriegszerstörten Hagen aus der Museumssammlung ergänzen dezent die Präsentation, dazu ein Büchertisch mit aktuellen Graphic Novels rund um Krieg und Frieden, sowie ein kleiner Textmonitor mit Friedensbotschaften der „Mayors for Peace“.

Eigentlich eine runde Sache, die – explizit im Bereich „Junges Museum“ angesiedelt – ein jugendliches Publikum mal ganz ohne mahnend erhobenen Zeigefinger an das Thema nukleare Abrüstung heranführen könnte. Zumal vor den Bildern spielerisch drauflos assoziiert werden darf. Kreuz, Baum, Schnee, Landschaft, Golfschläger, wofür stehen die gefundenen Formen, sind es Symbole, Piktogramme, warum wählte die Künstlerin wohl diesen bestimmten Ausschnitt? Die pfiffigsten Besucherstatements werden zum Projektabschluss 2020 in New York in einem Katalog versammelt. Um den Anteil der Hagener Ausstellung darf man sich am Eröffnungsabend allerdings ernsthaft sorgen, denn im „Jungen Museum“ mangelte es entschieden an der Wunschzielgruppe.

50 Städte – 50 Spuren | bis 27.10. | Osthaus Museum Hagen |  02331 207 31 38

Claudia Heinrich

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