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Kerstin Grether las aus ihren neuen und alten Texten in der Goldkante.
Foto: Lisa-Marie Davies

Feminismus und Popkultur

08. Februar 2016

Kerstin Grether am 6.2. in der Goldkante – Literatur 02/16

Aus dem Pop-Feminismus ist Kerstin Grether nicht mehr wegzudenken. Ob als Kolumnistin in der Musikzeitschrift SPEX, für die sie seit den 1990er Jahren schreibt, oder als Buchautorin: Kerstin Grether schafft es, die Gesellschaft aus einem weiblichen Blickwinkel zu betrachten. Während ihrer Lesung in der Goldkante stellte die Autorin alte und neue Texte vor und überzeugte das Publikum mit ihrer humorvollen und gleichzeitig berührenden Art zu schreiben – Gesellschaftskritik inklusive.

 

Zu Beginn las Kerstin Grether einen Text, der sie selbst vorstellte. ,,Der Vogel muss aus dem Ei” ist im vergangenen Jahr erschienen und in Anlehnung an Hermann Hesse entstanden. In einer Kleinstadt aufgewachsen habe sie die SPEX eines Tages am Bahnhof entdeckt. ,,Sie spiegelte die schöne, kaputte Welt wider und alles um sie herum, wirkte wie eine Geheimgesellschaft”, las Kerstin Grether. Schließlich sei sie selbst irgendwann nach Köln gekommen und Teil der Musikzeitschrift geworden.

 

Kerstin Grether, selbst Sängerin und Songschreiberin der Band ,,Doctorella”, stellte in einer Kolumne die Frage danach, warum es heute das Prinzip Band kaum noch gebe. ,,Die neoliberalen Berufsmusiker ziehen Gehaltsvorstellungen Drogen und Rock'n'Roll vor. Das passt nicht zu einer Indie-Rock-Band”, lautete ihr Fazit.

 

Leicht melancholisch und emotional berührend wirkte die Kurzgeschichte ,,Die grüne Fee”, in der die Protagonistin sich nach einiger Zeit der Abgrenzung wieder mit ihrer Mutter vereint.

 

Darauf folgte ein Auszug aus dem Roman ,,Zuckerbabys”, in dem es um Magersucht geht. Eindrucksvoll bekam das Publikum einen Einblick in das Gefühlsleben der Protagonistin: Gedanken, die sich um das Essen, Abnehmen und Starksein drehen. Kerstin Grether leitete den Text ein mit den Worten: ,,In Zeiten von Germanys next Topmodel ist er wieder aktuell.” Auch bewies sie viel Feingefühl, als sie darauf hinwies, dass der Text einige Menschen im Publikum triggern, also an etwas unangenehmes erinnern könnte.

 

Der letzte Text, den Kerstin Grether vorlas, war ein Auszug aus ihrem 2014 erschienen Roman ,,An einem Tag für rote Schuhe”. In dem Abschnitt protestiert die Protagonistin gegen Rape Culture, also gegen eine Gesellschaft, in der sexualisierte Gewalt normal ist – diese hatte sie zuvor selbst erlebt. ,,Wenn man etwas schlimmes erlebt, sollte man etwas gutes daraus machen – demonstrieren”, las die Autorin. Und verband das Ganze mit dem Song der Rockband ,,Die Ärzte”, denn Frauen hätten nicht ,,Haue, sondern Aufstand gern”. Die Protagonistin lernt verschiedene andere Akteurinnen der feministischen Szene kennen und bekommt einen Einblick in deren Demonstrationskultur. Vorgelesen wurden auch in Songform geschriebene Reden der Demos – klare, feministische Forderungen.

 

Kerstin Grether, die 1975 geboren wurde, lebt heute in Berlin. Zuvor machte sie Halt in Köln und Hamburg. ,,Mir ist es wichtig, Erfahrungen, die ich mache oder die in der Gesellschaft verankert sind, aufzugreifen. Denn viele Leute kennen diese”, sagt Grether. ,,Ich kann mir nicht vorstellen, die Realität nicht feministisch zu betrachten.” Dies zeigt sich auch in ihren Texten, die alle eine weibliche Sicht schildern. ,,Auch wenn sich da zum Glück viel tut, ist es immer noch schwer, damit bei großen Verlagen unterzukommen”, berichtete die Autorin. Sensibilisiert für feministische Themen wurde Kerstin Grether mit der Riot-Grrrl-Bewegung, die in den 1990er Jahren in den USA aufkam. ,,Schreiben ist sehr existenziell und eine Art zu überleben”, erklärt die Autorin. Und so schreibt sie jeden Tag ihre Gedanken und Gefühle auf, in Tagebüchern, die sie seit über 15 Jahren führt.

Lisa-Marie Davies

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