Die Installation, welche die Düsseldorfer Künstlerin Nicola Schrudde im Souterrain des LehmbruckMuseums eingerichtet hat, gebietet Abstand, gerade weil sie Zeit und schließlich das Gefühl für Raum vergessen lässt. Eine Linie auf dem Boden signalisiert: Hier ist die Grenze, die nicht übertreten werden darf. Damit werden wir zu Betrachtern, vor deren Augen sich im Dunklen ein nur bedingt zu begreifendes Geschehen entfaltet. Auf dem Boden ruhen kniehohe, amorphe schwarze Körper aus Keramik, die, zerklüftet, unregelmäßig geformt, an überwachsene Gesteinsbrocken denken lassen oder sogar primäre Tierarten sein könnten; Licht reflektiert in ihnen. Zugleich werden flackernde Videos auf die Wand oder auf Glasscheiben, die im Raum stehen, projiziert. Die Loops zeigen in schwarz-weißer, farbig nuancierter Anmutung in schneller Abfolge Ansichten von Blattwerk, verstärken also den Eindruck von Natur weiter. An einem Kabel hängt eine Beamer-Lampe, die eine der Keramikgruppen schwach erleuchtet und Assoziationen zwischen Mondlandschaft und Grotte, einem geheimen und gefährlichen, aber auch wunderschönen Terrain weckt.
Nicola Schrudde, die 1962 in Bensberg geboren wurde und an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Klaus Rinke studiert hat, wurde bekannt mit amorphen Körpern aus ungebranntem Ton, die sie mit den Händen geformt und auf die sie dann Gouache aufgetragen hat. Zu Gruppen im Raum oder auf einer Auflagefläche liegend, entfalten sie eine feine Farbwirkung im Tageslicht. Daneben sind Malereien, Fotoarbeiten und Videos entstanden, welche als Installation präsentiert sind. Die Fotoarbeiten und Videoloops zeigen aus wechselnder Perspektive Aufnahmen von Blättern und handeln vor allem mit Silber- und Grüntönen, aus denen die Farbigkeit gezogen ist. Auch da geht es um Malerei und um Licht, erfahren an den Farben und Formen, welche die Natur bereithält. Nicola Schrudde liefert Gedankenbilder, reich an Assoziationen. Sie befragt und erweitert die Vorstellungskraft des Betrachters, indem sie an die Grenzen des Wahrnehmbaren vordringt, so nun auch, gänzlich im Dunklen, in Duisburg.
„Nicola Schrudde: [Glanz der Nacht / INSTALLATION]“ I bis 20. Mai I LehmbruckMuseum, Duisburg I www.lehmbruckmuseum.de
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