Als der iranische Automechaniker Vahid meint, seinen einstigen Folterer wiederzuerkennen, entführt er ihn. Getrieben von Rache sucht er weitere ehemalige Häftlinge auf, in der Hoffnung, den Gefangenen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen zu können. Die Erlebnisse anderer Mithäftlinge während seiner zweiten Haftzeit inspirierten Jafar Panahi („Taxi Teheran“) zu dem Drama „Ein einfacher Unfall“, in dem er die Frage stellt: Was würde passieren, wenn jemand, zurück in Freiheit, seinem Folterer wiederbegegnet? Das Drehbuch wirkt dabei zum einen seltsam hölzern und konstruiert. Zugleich findet Panahi intensive Plansequenzen, über die sein Drama relevante Konflikte diskutiert, wenn es Rachsucht und Humanismus kollidieren lässt oder Schuld und Gerechtigkeit verhandelt. In Cannes erhielt der Film die Goldene Palme.
Das Leben des Kleinkriminellen Jos ist ein Trauerspiel: Sein Bruder ist heroinsüchtig, sein Vater dement und sein verpeilter Schwiegersohn Özgür bereitet ihm Kopfschmerzen. Als ihn dann noch eine Zecke beißt (die auch als Erzähler des Films fungiert), ist sich Jos sicher: Das Versagen liegt ihm im Blut. Warum muss das Schicksal ihn und seine Familie bestrafen? Gemeinsam mit dem treuen Özgür sucht er nach Antworten, bekommt aber nur noch mehr absonderliche Geschichten. In seiner tiefschwarzen Krimikomödie „Fabula“ verwandelt Michiel ten Horn die Grenzregion Limburg in eine düstere Märchenlandschaft voller grotesker Geheimnisse. Zwar ist die Handlung bisweilen recht verwirrend, dafür wartet der Film mit einer Palette an urigen Charakteren, absurden Dialogen und kreativen Einfällen auf.
Außerdem neu in den Ruhr-Kinos: die Tragikomödie „Rental Family“ von Mitsuyo Miyazaki, das Familien- und Täterdrama „Schwesterherz“ von Sarah Miro Fischer, der End-Endzeithriller „Greenland 2“ von Ric Roman Waugh, das Musiker-Drama „Song Sung Blue“ von Craig Brewer und das Bildungsabenteuer „Checker Tobi 3: Die heimliche Herrscherin der Erde“ von Antonia Simm.
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