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Marianna Simnett, Installationsansicht Crowns, 2022-2024; Blue Moon, 2022, © Künstlerin, courtesy Société, Berlin
Foto: Henning Krause

Surreale Realitäten

09. März 2026

Marianna Simnett im Max Ernst Museum in Brühl – Kunst in NRW 03/26

Was für ein Auftakt! Schon im Foyer steht eine der lebensgroßen aufreizenden und verstörenden Skulpturen von Marianna Simnett. „Hyena and Swan in the Midst of Sexual Congress“ denkt den antiken Mythos von Leda mit dem Schwan auf drastische Weise um, mithin zum sexuellen Rollenspiel, das nach Dominanz fragt und Safe Spaces einfordert. Provozieren wolle sie nicht, sagt Simnett. Sie hält der Gesellschaft den Spiegel vor und formuliert Kritik an Geschlechterrollen und Geschlechterhierarchien, aus feministischer Perspektive. Zentrales Mittel in ihren Medien ist die Montage als Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart und von Horror oder Klischee mit Noblesse und Feierlichkeit, immer wieder überraschend, irritierend.

Der Parcours in Brühl ist in eine Atmosphäre des Halbwachen getaucht; in einigen Kabinetten zeigt Simnett ihre Kunstfilme, die oft von sexueller Gewalt handeln und bei denen Tiere und Kinder Akteure sind. Die Fantasien kommen aus den Gelehrtenstuben der Mythenforschung in die Märchenwelten der Kinderzimmer und schlagen als Gleichnis in unsere Gegenwart um. Dass Marianna Simnett aber im Max Ernst Museum vorgestellt wird, macht Sinn. Mit ihrem Werk schließt die 1986 in London geborene, in Berlin und New York lebende Künstlerin an den großen Dada-Künstler und Surrealisten an. Sie zeigt, wie Surrealismus heute aussieht, wie das Unterbewusste ins Öffentliche vordringt und wie kaputt die Welt draußen ist.

Spätestens seit ihrer Teilnahme an der Ausstellung „The Milk of Dreams“ 2022 auf der Biennale in Venedig ist sie als Spezialistin für die Destabilisierung in drastischen Bildern etabliert. Das beginnt bei ihren filigranen Kronen („Crowns“) aus Bronze, denen Nippes-Figuren aus Plastik zugrunde liegen. In der brodelnden Masse stellen sie dämonische, zornige Göttinnen mit schlechten Eigenschaften dar. Ganz neu sind die Malereien, bei denen, als Referenz an den Collageroman „La Femme 100 têtes“ (1929) von Max Ernst, immer der Kopf vom Rumpf gelöst ist. Ob die kopflose, an der Welt verzweifelnde Frau nicht ein Alter Ego von ihr selbst ist?Marianna Simnett lacht: „Perfect!“

Marianna Simnett - Headless | bis 5.7. | Max Ernst Museum Brühl des LVR | 02234 992 15 55

Thomas Hirsch

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