Zu den angesagten Themen im zeitgenössischen Ausstellungsgeschehen gehört die vergleichende Dokumentation städtischen Lebens. In einer angenehmen Leichtigkeit gilt das auch für die Ausstellung der Photographischen Sammlung im Kölner Medienpark. „Lebensräume“ zeigt je einer Werkgruppe – Porträts, Interieurs und Exterieurs, Alltagsszenen, Naturschilderungen – von 14 Künstler:innen mit Fotografie und Video seit den 1900er-Jahren bis heute. Aufgeworfen werden Fragen der Identität und Zugehörigkeit, des Migrantischen und der Alterspyramide, der städtebaulichen Veränderung im Laufe der Zeit, zu Traditionen und Lebenseinstellungen, parallel zur Veränderung der Gesellschaft.
Die Beschränkung auf Menschen und auf Orte in Nordrhein-Westfalen steigert die Vertrautheit und ermöglicht eine Vergleichbarkeit untereinander. So ist Claudia Fährenkemper mit ihren Schwarzweiß-Aufnahmen der riesigen Schaufelradbagger im Braunkohletagebau vertreten, während Gregor Schneider die riesige Grube im Tagebau Hambach filmt, als Aufzeichnung einer „postapokalyptischen Realität“ (G. Schneider). Emine Ercihan zeigt frühe Gastarbeiter:innen-Generationen in ihren Wohnungen und Katharina Kemme porträtiert die unterschiedlichen Bewohner des Simon-Blocks in Essen-Holsterhausen.
Almourad Aldeeb hat den morgendlichen Aufbau eines Marktes in Köln filmisch begleitet. Und während Frank Dömer über zwei Jahrzehnte Gebäude von Köln im städtebaulichen Kontext erfasst, schweift der Blick in den Fotografien von Paul Avis durch die aufgelassenen Hallen der Aurora-Mühle, in denen die Arbeiter noch spürbar sind. Philip Zietmann wiederum wendet sich in Schwarzweiß -Aufnahmen öffentlichen Parkanlagen mit ihren Besuchern zu. Kathrin Esser unternimmt Spurensuchen im Hürtgenwald, der im Zweiten Weltkrieg Kriegsschauplatz war, und arbeitet die Dimensionen von Geschichte und Gegenwart heraus, als Gedenk- und als Rückzugsort. Unser Lebensraum ist komplex und vielschichtig – auch das verdeutlicht diese Ausstellung eindrucksvoll.
Lebensräume – Zeitgenössische Perspektiven aus NRW | bis 12.7. | Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur | 0221 88 89 53 00
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