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Bernhard Fuchs, Ausstellungsansicht Haus Esters, Krefeld 2026, © Künstler / VG Bild-Kunst, Bonn
Foto: Dirk Rose

Konstruktionen der Natur

13. Juli 2026

Bernhard Fuchs in Haus Esters in Krefeld – Kunst in NRW 07/26

In Haus Esters in Krefeld sind die Fotografien von Bernhard Fuchs bestens aufgehoben. Abseits jeder städtischen Betriebsamkeit vermittelt sich hier erst recht ihre Stille und Konzentriertheit. Seit Mitte der 1990er Jahre unternimmt der in Düsseldorf ansässige Künstler (*1971) motivische Recherchen zum ländlichen Mühlviertel in Oberösterreich, aus dem er stammt. Seine analogen Farbaufnahmen sind unspektakulär, sachlich erfasst, genau ausbalanciert und höchst präzise in der Wiedergabe. So hat er einzelne Autos, die menschenleer am Straßenrand abgestellt waren, in ihrer Umgebung fotografiert und in anderen Aufnahmen den Waldrand und Wege durch die flache Landschaft erfasst oder im direkten Gegenüber die Einwohner der Ortschaften porträtiert. Seine Hinwendung ist ausschließlich, legt aber die Vielschichtigkeit und wiederkehrende Phänomene dieser Region – als Topoi auch für unser Leben – frei.

Zwischen 2018 und 2024 sind Fotografien von Heuschobern im Mühlviertel entstanden, die in Haus Esters erstmalig ausgestellt sind. Unter dem Titel „Heustock“ widmen sie sich diesen Nutzbauten, in denen das Heu getrocknet und gelagert wird, die als eigene Architekturform ein Kulturgut sind, mittlerweile aber von fortschrittlicheren Methoden der Lagerung abgelöst werden. Zu sehen ist ausschließlich der menschenleere Innenraum, teils oben auf dem Boden fotografiert. Das Sonnenlicht kommt durch einzelne Fenster und Ritzen zwischen den Holzbrettern. Das Heu ist teils zu organisch anmutenden Haufen aufgeworfen, mitunter nimmt es den ganzen Boden ein oder hängt von Balken, die selbst ein Gefühl der Konstruktion der Gebäude vermitteln. Diese unterscheiden sich, jede Annäherung durch Bernhard Fuchs erfolgt anders, wobei in den Aufnahmen jeder Halm zu erkennen ist und sich zwischen Gelb und hellem Braun ein großartiges Spektrum an Tönen ergibt. Meist wirken die Aufnahmen geheimnisvoll, verwunschen und als bewahrten sie hier Jahrhunderte alte Geschehnisse. Aber sie thematisieren auch ökologische Fragestellungen, das Funktionieren der Natur und die Vergänglichkeit von allem und unseren Umgang mit Traditionen – und das ausgesprochen diskret und gelassen: als große Kunst.

Bernd Fuchs: Heustock | bis 6.9. | Haus Esters Krefeld | 02151 97 55 82 22

Thomas Hirsch

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