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Politik und Gesellschaft könnten viel mehr tun, um das zu verhindern
Foto: sdecoret/Adobe Stock

Die Gefahr im eigenen Zuhause

26. Februar 2026

Teil 1: Leitartikel – Gewalt gegen Frauen nimmt zu und betrifft die ganze Gesellschaft

Die Epstein-Files sorgen für Schlagzeilen. Erst im Februar wurden weitere drei Millionen Dokumente freigegeben, die mit einem der größten Missbrauchsskandale zusammenhängen. Die Akte zeigt, wie mächtige Männer aus Wirtschaft, Politik und Unterhaltung über Jahre hinweg junge Mädchen und Frauen missbraucht und vergewaltigt haben. Präsidenten, Prinzen, Promis. Wer beteiligt war und wer was wusste, wird hoffentlich noch vor Gericht geklärt, auch wenn Donald Trump und seine Handlanger alles daransetzen, dies zu verhindern.

Promis und Normalos

Doch nicht nur Reiche und Prominente üben Gewalt gegen Frauen aus. Allein in Deutschland wird alle drei Minuten eine Frau Opfer von männlicher Gewalt, Tendenz steigend, wie das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigt. 2024 veröffentlichte das BKA erstmals ein Bundeslagebild zu Straftaten gegen Frauen, basierend auf den Zahlen für 2023. Es zeigte sich, dass einer der gefährlichsten Orte für Frauen das eigene Zuhause ist. „Häusliche Gewalt liegt vor, wenn die Gewalt zwischen Personen stattfindet, die in einer familiären oder partnerschaftlichen Beziehung zusammenwohnen“, lautet die BKA-Definition und verzeichnete 2023 über 180.000 weibliche Opfer. Für 2024 meldete das BKA: „Opferzahlen auf neuem Höchststand“ und stellt einen Anstieg von fast 2 Prozent fest.

Fast jeden Tag

Frauen erleben nicht nur körperliche oder sexuelle Gewalt, sie werden auch gestalkt, drangsaliert, psychisch misshandelt, finanziell unterdrückt und riskieren sogar den Tod. Fast täglich wird eine Frau in Deutschland von einem Mann, meistens ihrem Partner oder Ex-Partner, getötet – weil sie eine Frau ist. Für diese Morde gibt es einen Namen: Femizid. Auch diese Zahlen steigen. Nach UNO-Schätzungen wird weltweit alle 10 Minuten ein Mädchen oder eine Frau von einem Partner oder männlichen Familienmitglied ermordet – insgesamt über 83.000 Opfer in 2024. In Deutschland starben in diesem Zeitraum laut Bundesinnenministerium 308 Frauen und Mädchen durch Femizide.

Macht und Tradition

Woher kommt diese Gewalt gegen Frauen? Tradierte Geschlechterrollen, die Frauen als untergeordnet oder als Dienerin des Mannes ansehen, wie das heute wieder von Trad Wives in den sozialen Medien propagiert wird, legitimieren patriarchale Denkmuster. So betrachten Männer Frauen oft als Freiwild oder als Eigentum. Aus E-Mails aus den Epstein-Akten wird deutlich, wie mächtige Männer Mädchen und Frauen als Gegenstände sahen, mit denen sie umgehen konnten, wie sie wollten. Männer haben traditionell mehr Macht und Privilegien als Frauen und diese Machtungleichheit schafft ein Umfeld, in dem Gewalt als Mittel zur Kontrolle oder Unterdrückung von Frauen eingesetzt wird – in allen Gesellschaftsschichten. Die Zahlen von BKA und UNO sind auch nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Straftaten gegen Frauen werden gar nicht erst angezeigt, aus Angst vor den Tätern oder aus Scham, weil diese Straftaten oft als Privatangelegenheit betrachtet werden.

Immerhin ein Anfang

Im aktuellen Film „Fassaden“ erzählt Sandra Hüller die Geschichte einer Frau, die aus einer gewalttätigen Beziehung ausbricht. Die Doku zeigt, wie patriarchale Strukturen in unserer Gesellschaft immer noch so verankert sind, dass Mitwissende oftmals lieber wegschauen. Der Film zeigt, welche Machtstrukturen hinter den Fassaden stecken und wie der Staat Frauen unzureichend schützt. Im Jahr 2024 zeigten fast 38.500 Frauen ihre Partner oder Ex-Partner wegen Bedrohungen, Stalking oder Nötigung an. Das ist immerhin ein Anfang. Doch es müssen noch mehr Frauen ihre Peiniger anzeigen, damit klar wird, dass Gewalt gegen Frauen kein Kavaliersdelikt ist.

Tina Adomako

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