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Lea Dietrich, Diana Determann und Pia Petermann von der der Frauenberatungsstelle Duisburg (v.l.n.r.)
Foto: Leon Tsiobanidis

Eine bessere Zukunft

26. Februar 2026

Teil 1: Lokale Initiativen – Die Frauenberatungsstelle Duisburg

Was tut man, wenn man sich im eigenen Zuhause nicht sicher fühlt, wenn hier Gewalt Alltag ist? Nicht immer finden sich Freunde oder Verwandte, die helfen können, nicht immer findet sich noch die Kraft, sich an nahestehende Menschen zu wenden.

Die Frauenberatungsstelle Duisburg hilft in Fällen, die mit dem psychischen und physischen Wohlergehen von Frauen zusammenhängen. Die Diplompädagoginnen und Traumafachberaterinnen bieten niederschwellige, kostenfreie und anonyme Beratung für jede Frau ab 16 Jahren an. Ganz egal ob man sich „nur“ bei jemandem Aussprechen möchte oder gleich mit seinem ganzen Hab und Gut kommt: Sobald man die Türschwelle des dunkelroten Backsteinhauses in der Heuserstraße 12 betritt, eröffnet sich die Chance, nach großem persönlichem Leid einen Weg in eine bessere Zukunft zu beschreiten.

Vor der Tür

Die unabhängige Frauenberatungsstelle wurde 1980 gegründet. Heute kommen in erster Linie Betroffene von häuslicher oder sexualisierter Gewalt sowie schwierigen Trennungssituationen, um eine Beratung wahrzunehmen. Darüber hinaus veranstaltet die Beratungsstelle ein wöchentliches Cafe, bietet Rat von Jurist:innen, führt Präventionsprogramme und Stärkungskurse durch und ist auch bei Aktionstagen dabei.

Einen typischen Alltag in der Beratungsstelle gäbe es nicht. „Wir arbeiten eigentlich nach Terminen, manchmal steht aber auch eine Frau vor der Tür und braucht in dem Moment Hilfe“, sagt Lea Dietrich. Und zwischen den an- und unangemeldeten Terminen, kümmere sich das Team um Verwaltung, Planung und IT.

Missstände im Sozialstaat

Dass jeder Tag anders aussieht, ist auch eine Folge der Notlage von Betroffenen. Die wird zu einem großen Teil durch die Missstände im Sozialstaat verursacht: Zu wenig Plätze in der Psychotherapie, fehlende Kitaplätze und ein überteuerter Wohnungsmarkt erschweren die Lebenslage vieler betroffener Frauen zusätzlich. Wegen dieser Umstände habe sich die Arbeit des Teams über die Jahre gewandelt. „Die Themen oder Anliegen sind komplexer geworden“, sagt Diana Determann.

Da der gesamte Sektor mit Hilfsangeboten für Frauen in Notlagen überlastet ist, käme es auch immer häufiger vor, dass Frauen die Einrichtung als eine Art Notlösung aufsuchen, da sie beispielsweise keinen Platz in den bundesweit überlasteten Frauenhäusern fänden. Diana Determann erzählt von einer Betroffenen, die kurz vor Feierabend, inklusive Gepäck und Kindern vor der Tür stand: „Mein Gedanke war: Never ever finde ich jetzt für Sie einen Platz im Frauenhaus.“ Doch „wie bei einem Sechser im Lotto”, habe sie dann doch einen sicheren Platz für die Frau und ihre Kinder gefunden.

Ungewisse Zukunft

Was bräuchte es, damit das Hilfssystem den Anforderungen und der Nachfrage gerecht werden kann? „Flächendeckende, ausreichende Finanzierung“, einigt sich das Team. Länder und Kommunen finanzieren Einrichtungen wie die Duisburger Frauenberatungsstelle zwar zum Teil, allerdings seien diese Förderungen meist zeitlich befristet und nicht ausreichend, um die Kosten vollständig zu decken. Alle vier Jahre muss das Team einen Antrag stellen. Je nach Regierung und geplanten Haushaltsausgaben kann es passieren, dass die Mittel gekürzt oder gar gestrichen werden. So ist die Zukunft zahlreicher Frauenhilfe-Einrichtungen in Deutschland stets ungewiss. Hilfe und Sicherheit für Frauen werden so zum Privileg. Obwohl sie selbstverständlich sein sollten.

Leon Tsiobanidis

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