
Black History Month im Februar, Internationaler Frauentag im März, ganz abgesehen von diesen LGBTQI+-Paraden und Tagen, diesen Pride Months und so fort. Also bitte, jetzt ist doch mal wirklich gut mit diesem Minderheitengedöns, was wollen die denn noch? Wann werden denn bitte wir, die alten weißen Männer mal gefeiert? Muss sich nur mal anschauen, was wir alles erreicht haben und wie wir diese Welt managen – eben, hochanständig!
Recht hat die sri-lankische Soziologin und Autorin Thisuri Wanniarachchi: „Die Leute sagen immer wieder, jemand solle das System reformieren, das System sei korrupt. Was sie nicht kapieren: Sie selbst sind das System.“
Da ist der Führer der freien Welt – übrigens, eher orange als weiß, was an sich schon super emanzipiert ist, weil … nun, aus Gründen – der würde es niemals wagen, Frauen einfach in den Schritt zu greifen oder sich gar mit einem Vergewaltiger von Kindern und Jugendlichen zu verbrüdern, um das hinterher zu leugnen. Überhaupt, dieser Epstein-Skandal: Ja, alles alte weiße Männer die die mit abscheulichsten nur vorstellbaren Taten begangen haben. Also mutmaßlich. Unschuldsvermutung! Selbst wenn, ein strukturelles Problem kann man daraus doch wirklich nicht ableiten. P. Diddy war schließlich nicht viel besser und der ist nicht weiß. Ein Mann, gut, aber was heißt das schon?
Nobody is perfect
Apropos P. Diddy: Als ehemaliger Buddy des US-Präsident übrigens ein eindeutiger Beweis, dass dieser alle gleichbehandelt. Wenn auf seinem Account Videos geteilt werden, in denen die Obamas als Affen dargestellt werden, also bitte, Zufälle sind das. Macht er ja nicht selbst, die Videos. Und überhaupt: Stammen wir nicht alle von Affen ab? Das ist doch nicht rassistisch! So redet und denkt man halt außerhalb der woken Bubbles! Der ist eben nah an seinem Wahlvieh, das kann man ihm wohl kaum verübeln. Dass ein signifikanter Teil von denen an die Evolution mittels der weißgezeichneten Adam und Eva glaubt: Nun, nobody is perfect.
Noch etwas strahlender ist da nur unser Blackrock-Bundeskanzler. Können Sie sich noch erinnern, als Klaus Wowereit seine Homsexualität öffentlich gemacht hat, was ja auch wirklich gut war. Wie wohlwollend und emanzipiert hat unser Merzen darauf reagiert! „Solange Wowereit sich mir nicht nähert, ist mir das egal!“ So empathisch, da wird einem ganz warm ums Herz. Das spricht doch für uns, dass wir den zum Kanzler wählen. Der hat nur mal mit der AfD paktiert, weil er weiß, die Alice, die ist homosexuell, die meint das alles gar nicht so.
Umso schlimmer für die Fakten
Frauen haben bei ihm sowieso einen gleichberechtigten Stand: Er hat damals nicht gegen das de facto Recht auf Vergewaltigung innerhalb der Ehe gestimmt aus steinzeitlichen Gründen, sondern weil er ganz emanzipativ auch Frauen das Recht lassen wollte, ihre Männer innerhalb der heiligen Ehe einfach mal … nun, Sie wissen schon. Ganz klar ein emanzipativer Akt! Wen interessiert da schon die Realität mit ihren Zahlen der Zunahme an Femiziden, der Sexualdelikte, die fast ausschließlich von Männern begangen werden. Oder wer für Kinderpornoringe verantwortlich ist – und wer’s konsumiert. In der Theorie ist’s emanzipativ, ehelicher Missbrauch für alle, und wenn die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, zuckt der verkappte Hegelianer Merz die Schultern: Umso schlimmer für die Fakten.
Dass seine Partei unter seiner Führungsherrschaft dem Diskurs der Rechten folgend Frauke Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin verhindert hat, ist ihm nicht anzulasten. Und mal ehrlich, wo kämen wir denn hin, wenn jetzt Menschen über ihren eigenen Körper bestimmen würden? Sollen die Frauen doch froh sein, wenn sie bis zur zwölften Woche abtreiben dürfen, das muss jawohl reichen – wer unverhütet Sex hat, ist halt selbst schuld. Die Konsequenzen muss nur sie tragen? Ja, was können wir denn für die Natur? Außerdem sind wir hier immer noch im christlichen Abendland. Flugs die Pontius-Pilatus-Handseife, Duft: Unschuldslamm, genutzt und weiter geht’s. Sie sehen doch, wo das sonst hinführt, das Selbstbestimmungsrecht, da sind auf einmal Männer Frauen und Frauen Männer und manche wollen sich gar nicht mehr in diese gottge... äh… patriar… nein, biologische, genau, in diese evolutionäre Ordnung der Dinge einschreiben, das wäre ja noch schöner, dass Evolution was mit Entwicklung zu tun hätte. Führt nur ins Chaos.
Alles ganz frei und repräsentativ gewählt
Demokratie ist die Herrschaft der Menschen. „Sie ist so gut wie die Menschen, oder so schlecht“, hat die britische Schriftstellerin Mary Renault gesagt, die mit ihrer Partnerin in die Apartheid nach Südafrika ausgewandert ist, weil sie dort als weiße Homosexuelle freier leben und schreiben konnte als im demokratischen England. Da sehen Sie, wo es mit geschützten Minderheiten hinführt, zu einer Diktatur der alten weißen Männer! Dann doch lieber die alten weißen Männer frei gewählt! Sie sind des Volkes Stimme und repräsentativ gewählt, also ganz repräsentativ weg mit diesem Minderheitengedöns. Recht hat die sri-lankische Soziologin und Autorin Thisuri Wanniarachchi: „Die Leute sagen immer wieder, jemand solle das System reformieren, das System sei korrupt. Was sie nicht kapieren: Sie selbst sind das System.“ Wir wählen es selbst, nicht nur alle vier Jahre, sondern jeden Tag aufs Neue.
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