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Wer Jugendlichen in Krisen helfen will, darf nicht auf Strafen setzen, betont Michael Erz
Foto: Roman Bodnarchuk/Adobe Stock

Helfen statt strafen

26. März 2026

Teil 1: Lokale Initiativen – Die Evangelische Jugendhilfe Bochum

Beim Todesfall des 14-jährigen Yosefs aus Dormagen steht ein 12-Jähriger unter Tatverdacht. Der erschütternde Fall, bei dem mutmaßlich ein sehr junger Mensch einen anderen erstochen hat, gibt der politischen Debatte um eine Senkung des Strafmündigkeitsalters von 14 auf 12 Jahren weiteren Auftrieb. Befürworter:innen einer Senkung sehen darin ein Mittel, um einer Zunahme von Gewaltdelikten unter Minderjährigen etwas entgegenzusetzen. Eng damit verbunden ist der Befund einer zunehmenden Verrohung der Jugend – er kann plausibel scheinen, angesichts von aufsehenerregenden Meldungen über Jugendkriminalität, besonders über Jugendgewalt.

Harmlose Delikte

Michael Erz, Geschäftsführer der Evangelischen Jugendhilfe Bochum, kann diesem Befund keineswegs zustimmen. Seit 35 Jahren arbeitet Michael Erz in der Jugendhilfe, die Hälfte der Zeit als Pädagoge für Kinder, Familien und Eltern. „Wir betreuen 250 Kinder und Jugendliche in Bochum, Witten und Herne und 150 Familien in Bochum und Herne“, erläutert er. Die Jugendhilfe bietet Kindern und Jugendlichen im Alter von 14-21 Jahren sowie ihren Eltern und Familien Hilfe an, will neue Perspektiven und Chancen öffnen. Von Kindern oder Jugendlichen verübte Gewalt sei allerdings kaum je ein Thema, so Erz. Zwar gebe es in der Einrichtung auch Jugendliche, die während ihres Aufenthalts straffällig würden, allerdings handele es sich dabei in der Regel um vergleichsweise harmlose Delikte wie Diebstahl oder Schwarzfahren.

Mediale Eindrücke

Laut der Datenbank Statista ist die Straffälligkeit von Kindern und Jugendlichen seit 2024 insgesamt rückläufig. Allerdings verzeichnet sie ab 2021 eine Zunahme im Teilbereich der Gewaltdelikte. Ähnlich wie Michael Erz betonen zahlreiche Experten, dass straffällige Kinder und Jugendliche mehrheitlich eher leichte Delikte begehen, die prominente Berichterstattung über besonders schwere Gewaltfälle allerdings zu einem gegenteiligen Eindruck beiträgt. Um gerade den schweren Fällen entgegenzuwirken, sei es entscheidend, sich den Problemen zuzuwenden, die die jungen Täter:innen in Alltag und Entwicklung außergewöhnlich belasteten.

Was Kinder und Jugendliche prägt

So geraten die gesellschaftlichen Verhältnisse in den Blick, die zum Verhalten der Kinder und Jugendlichen maßgeblich beitragen. „Jugendliche sind nicht gefährlicher als vor 20 Jahren, sie sind ein Produkt ihrer Sozialisation, ihres Elternhauses, ihrer Peergroup und politisch vorgelebter Ideale“, erklärt Michael Erz. Zu einer hohen Straffälligkeit in jungen Jahren trügen maßgeblich etwa ungleiche Bildungschancen bei, frühe Gewalterfahrungen, Diskriminierung, gewaltverharmlosende Inhalte auf Social Media. ,,Daran verändert sich durch die Senkung des Strafmündigkeitsalters nichts“, fährt Erz fort.

Hilflose Gesetze

Präventivmaßnahmen scheinen allerdings nicht im Vordergrund der politischen Debatte zu stehen. Bekannt sollte außerdem sein, dass härtere Gesetze keineswegs ein bewährtes Mittel sind, um vom Begehen von Straftaten abzuschrecken. Das gilt mehr noch als für Erwachsene eben für Kinder und Jugendliche, deren körperliche und mentale Entwicklung in vollem Gange ist und bei denen gerade die Impulskontrolle, die Selbstbeherrschung unter Stress, Frust oder Druck noch längst nicht ausgereift ist.

Darum, betont Michael Erz, sei es entscheidend, gesellschaftliche Missstände abzubauen, die straffälliges Verhalten begünstigen, statt nach gesetzlichen Verschärfungen zu rufen. ,,Das ist der einzig richtige Weg, der ist mühselig und geschieht nicht von heute auf morgen.“

Rina Fetahaj

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