
Provokante Live-Performances mit bunten Verkleidungen, Trauermärsche für bereits ausgestorbene Tiere, Straßenblockaden und Festnahmen – kaum eine Umweltschutzgruppe polarisiert so stark wie Extinction Rebellion, gegründet im Jahr 2018 in Großbritannien. Seit August 2019 ist die Organisation auch in Wuppertal und Umgebung vertreten.
Angesichts einer unzureichenden Klimapolitik greift Extinction Rebellion auf Formen zivilen Ungehorsams zurück. Wolfram Joerges, Mitglied der Wuppertaler Ortsgruppe, nennt beispielsweise die Blockade der Zufahrt zum Steinkohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen im April 2024. Aktivist:innen setzten sich auf Schienen und erschwerten den Zugang zum Kraftwerk mit der Forderung, die Kohleverbrennung zu beenden.
Die Opfer des Klimawandels
Die rebellische Form des Klimaprotests fand gerade in den Anfängen der Ortsgruppe Anklang bei vielen Aktivist:innen, die bereits in anderen Initiativen der Klimabewegung aktiv waren, beispielsweise bei Parents for Future oder Scientists for Future.
Anlässlich der diesjährigen Weltklimakonferenz COP30 in Belém veranstaltete die Ortgruppe im Oktober einen Solidaritätszug mit von Leichentüchern bedeckten Teilnehmern, die symbolisch die Opfer des Klimawandels präsentieren sollten.
Durch die Provokation soll der Gesellschaft vor Augen geführt werden, wie dramatisch die Situation ist. Hinter den Aktionen stehen drei zentrale Forderungen für die nahe Zukunft: Die Regierung soll die Dringlichkeit des Klimawandels offen kommunizieren. Sie solle umgehend handeln. Sie soll Bürger:innenräte einberufen, um die Bevölkerung direkt in den Klimaschutz einzubinden.
Keine Gewalt!
Extinction Rebellion verpflichtet sich selbst zu gewaltfreien Aktionen. Der Verzicht auf Gewalt sowie der respektvoller Umgang miteinander ohne Schuldzuweisungen sind zwei der zehn Prinzipien, nach denen die Bewegung handelt. Wer dagegen verstößt, wird freundlich, aber nachdrücklich auf die Grundsätze hingewiesen.
Trotz der klaren Zielsetzungen sieht sich Extinction Rebellion immer wieder mit Kritik von außen konfrontiert. Insbesondere Protestaktionen wie Straßenblockaden, die den Alltag der Menschen durcheinanderbringen, sind umstritten.Auch Wolfram Joerges betont diese Herausforderungen. Den Bürger:innen sollte verständlich gemacht werden, dass eine vorübergehende Verzögerung ihrer Alltagsroutinen weniger gravierend sei als nichts gegen den Klimawandel zu unternehmen.
Hausfriedensbruch?
Doch ziviler Ungehorsam führt fast zwangsläufig auch zu juristischen Konsequenzen, so kam es zu Klagen gegen die Aktivist:innen. In einem Fall führte Hausfriedensbruch sogar zu einer Verurteilung zu mehreren Monaten Gefängnis. Und das, obwohl es sich dabei um fortgesetzten zivilen Ungehorsam handelte. Um Konsequenzen wie diese zu vermeiden will die Bewegung verstärkt auf andere Protestformen setzen, die in der Öffentlichkeit mehr Anklang finden. Dazu zählen Theateraufführungen mit oft provokantem Unterton wie der Aktionstag am 12. Dezember zum 10-jährigen Jubiläum des Pariser Klimaabkommens. Mit Verkleidungen als Mutter Erde und Eisbär machten die Aktivist:innen auf politische Untätigkeit aufmerksam.
Für Wolfram Joerges steht fest: Es ist sofortiges Handeln ist nötig. Von der Regierung und von der Bevölkerung.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Perfektes Versagen
Intro – Systemstörung
Welt statt Wahl
Teil 1: Leitartikel – Klimaschutz geht vom Volke aus
„Nicht versuchen, die Industrie des 19. Jahrhunderts zu retten“
Teil 1: Interview – Meteorologe Karsten Schwanke über Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen
Klimaschutz braucht (dein) Engagement
Teil 1: Lokale Initiativen – Die Bochumer Initiative BoKlima
Drehtür in den Klimakollaps
Teil 2: Leitartikel – Hinter mächtigen Industrieinteressen wird die Klimakrise zum Hintergrundrauschen
„Kernziel der Klimaleugner: weltweite Zusammenarbeit zerstören“
Teil 2: Interview – Politologe Dieter Plehwe über die Anti-Klimaschutz-Bewegung
Dem Klima verpflichtet
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Initative Klimawende Köln
Die Hoffnung schwindet
Teil 3: Leitartikel – Die Politik bekämpft nicht den Klimawandel, sondern Klimaschützer:innen
„Weit von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit entfernt“
Teil 3: Interview – Die Rechtswissenschaftlerin Lisa Kadel über die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen
Klimaschutz als Bürgerrecht
Norwegen stärkt Engagement für Klimaschutz – Europa-Vorbild: Norwegen
Durch uns die Sintflut
Der nächste Weltuntergang wird kein Mythos sein – Glosse
Im Krieg der Memes
Teil 1: Lokale Initiativen – Saegge klärt in Bochum über Populismus auf
Über Grenzen hinweg entscheiden
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Experimentallabor Decision Lab Cologne
Weil es oft anders kommt
Teil 3: Lokale Initiativen – Gut aufgestellt in Wuppertal: Pro Familia berät zu Schwangerschaft, Identität und Lebensplanung
Klassenkampf im Quartier
Teil 1: Lokale Initiativen – Bochums Stadtteilgewerkschaft Solidarisch in Stahlhausen
Gegen die Vermüllung der Stadt
Teil 2: Lokale Initiativen – Umweltschutz-Initiative drängt auf Umsetzung der Einweg-Verpackungssteuer
Der Kitt einer Gesellschaft
Teil 3: Lokale Initiativen – Der Landesverband des Paritätischen in Wuppertal
Widerstand ohne Waffen
Teil 1: Lokale Initiativen – Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen und ihr Landesverband NRW
Politische Körper
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Kölner Friedensbildungswerk setzt auf Ganzheitlichkeit
Platz für mehrere Wirklichkeiten
Teil 3: Lokale Initiativen – Kamera und Konflikt: Friedensarbeit im Medienprojekt Wuppertal
Zwischen Bar und Bühne
Teil 1: Lokale Initiativen – Das Neuland als kulturelles Experiment im Bochumer Westend
Kultur am Kipppunkt
Teil 2: Lokale Initiativen – Bruno Wenn vom Kölner Kulturrat über die Lage der städtischen Kulturhäuser
Querschnitt der Gesellschaft
Teil 3: Lokale Initiativen – Das Kulturbüro Wuppertal als Partner der freien Szene