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Die öffentliche Debatte wird Arbeitslosen nicht gerecht, erklärt Moritz Rosenthal
Foto: GESA

Der ganze Mensch

30. April 2026

Teil 3: Lokale Initiativen – Die GESA Gruppe in Wuppertal hilft bei der Rückkehr ins Arbeitsleben

 

Erwerbsarbeit bedeutet nicht nur Einkommen. Sie strukturiert den Tag, stiftet Sinn und schafft soziale Kontakte. Ein Verlust des Arbeitsplatzes geht deshalb häufig mit einem verminderten Wohlbefinden einher: 34 Prozent der Arbeitslosen berichten laut der Hans-Böckler-Stiftung von psychischen Problemen. Menschen in dieser schwierigen Lebenssituation möchte die GESA unterstützen. Das ursprüngliche Ziel des 1985 gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft war die Integration von Straffälligen in die Gesellschaft, seit den 90er Jahren setzt sich die GESA verstärkt für Langzeitarbeitslose ein.

„Die Wiedereingliederung von langzeitarbeitslosen Menschen gelingt vor allem dann, wenn sie individuell gestaltet und langfristig begleitet wird“, erklärt Moritz Rosenthal, GESA-Pressesprecher. Basis bildet eine Analyse der sogenannten Vermittlungshemmnisse, also derjenigen Faktoren, die eine Integration in den Arbeitsmarkt erschweren. Diese Faktoren können vielfältig sein: gesundheitliche Probleme, Kinderbetreuung, Pflege, Suchterkrankungen, Schulden. „Entscheidend ist, die Menschen als Ganzes zu sehen – mit ihren Herausforderungen, aber auch mit ihren Potenzialen“, so Rosenthal.

Ökologisch und sozial

An diversen Standorten in Wuppertal können Arbeitslose praktische Erfahrungen sammeln, beispielsweise auf dem GESA-Recyclinghof, einem der ältesten Projekte. Jährlich werden hier rund 60.000 Leuchtstoffröhren und jeweils 11.000 Kühlschränke und Bildschirme verarbeitet. Für Kreislaufwirtschaft steht auch das im Mai 2025 eröffnete Second-Hand-Outlet. Hier sortieren Langzeitarbeitslose gesammelte Kleidungsstücke und reinigen sie in reparierten Waschmaschinen. „So greifen ökologische und soziale Nachhaltigkeit unmittelbar ineinander“, sagt Rosenthal.

Unter Migrant:innen ist die Arbeitslosenquote überdurchschnittlich hoch. Fehlende Deutschkenntnisse erschweren den Berufseinstieg. An dieser Hemmschwelle setzen die Sprachkurse der GESA an. Ziel der Kurse ist der Erwerb eines telc-Zertifikats, das oft von Betrieben gefordert wird. Auch der Besuch regionaler Jobcenter wird trainiert. Einige Informationsveranstaltungen richten sich auch an Betriebe und Jobcenter.

Eingeschränkte öffentliche Debatte

So wird ein gegenseitiger Respekt gefördert, der sich im politischen Diskurs selten zeigt. Immer wieder lenkte die schwarz-rote Bundesregierung den Fokus zuletzt auf die sogenannten Totalverweigerer – ein Framing, das Rosenthal kritisch sieht: „Die öffentliche Debatte bildet die Realität der meisten Betroffenen nur sehr eingeschränkt ab.“ Der Anteil an Arbeitslosen, die wiederholt zumutbare Jobs oder Fortbildungen ablehnen, sei äußerst gering. Zwar sei ein gewisses Maß an Druck durchaus förderlich für Betroffene, nicht jedoch die Infragestellung jeglicher Hilfen. „Unterstützung muss einen Schutzraum bieten, damit nachhaltige Integration gelingen kann“, so Rosenthal.

Technische Innovationen wie KI-Systeme sind einerseits ein Hoffnungsschimmer für den Arbeitsmarkt, sorgen jedoch auch für große Verunsicherung bei Arbeitssuchenden. Zahlreiche Jobs werden automatisiert und die digitalen Fähigkeiten von gestern sind heute schon veraltet. Das Projekt „Viral“ wendet sich mit vier- bis sechsstündigen Workshops an junge Menschen, bei denen sie unter der Leitung von Experten Virtual-Reality-Anwendungen ausprobieren können. Über die VR-Brillen erhalten sie dabei Einblicke in Berufsfelder und eignen sich niederschwellig digitale Kompetenzen an. „Unser Ziel ist es, jungen Menschen Orientierung zu geben und sie sicher im Umgang mit den Veränderungen des Arbeitsmarktes zu machen“, so Rosenthal.

Tim Weber

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