Vasily Barkhatov hat sich seit seinem Debüt vor 20 Jahren als einer der einfallsreichsten Opernregisseure in Europa einen Namen gemacht. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch fantasievolle Konzepte aus, die aber nicht auf einen Stoff aufgesetzt werden oder das Stück assoziativ benutzen. Sie sind aus einer genauen Lektüre von Musik und Libretto entwickelt und entdecken verblüffend aktuelle oder bisher kaum beachtete Aspekte. Am Theater Bonn inszeniert der gebürtige Moskauer nun mit „Awakening“ des in Indien geborenen Param Vir eine Uraufführung.
Barkhatov hat in Bonn bereits Umberto Giordanos „Siberia“ und einen wunderbar sensiblen „Eugen Onegin“ auf die Bühne gebracht. Im Dezember feierte er mit Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ an der Mailänder Scala einen Triumph. In Bayreuth ist er 2028 als Regisseur eines neuen „Ring des Nibelungen“ vorgesehen. Param Vir, in seiner Kindheit geprägt von klassischer indischer Musik, tauchte schon als 14-Jähriger in die Komposition zeitgenössischer europäischer Musik ein. Er studierte u. a. bei Peter Maxwell Davies und Oliver Knussen. Mit seinen Einaktern „Broken Strings“ und „Snatched by the Gods“ erreichte er 1992 seinen Opern-Durchbruch bei der Münchner Biennale. Ein Jahr später erhielt er den renommierten Ernst von Siemens Kompositionspreis.
„Awakening“ basiert auf einem Libretto, das der Film- und Theaterautor David Rudkin seit 30 Jahren zusammen mit Vir entwickelt. In der Parabel über den Lebensweg Siddharta Gautamas und seine Transformation zum Buddha verbinden sich „westliche und östliche Klangästhetiken zu einer dramatischen Erzählung über Hingabe, Angst und Glauben“, so das Theater Bonn. Es geht um Theater und Realität, um das Finden des eigenen Selbst, um Krieg und Tod – und letztlich um einen Weg aus dem Leid.
Für das personenreiche, groß angelegte Musiktheater gestaltet Zinovy Margolin das Bühnenbild. Mit ihm hat Barkhatov oft zusammengearbeitet, so für „Eugen Onegin“ in Bonn und die Mailänder „Lady Macbeth“. Am Pult des Beethoven Orchesters Bonn steht der Erste Kapellmeister Daniel Johannes Mayr, der zuletzt mit Peter Ronnefelds musikalischer Groteske „Die Ameise“ seine vielseitige musikalische Expertise bewiesen hat.
Awakening | 1. (P), 7., 29.3., 17., 19.4., 2.5. | Oper Bonn | 0228 77 80 08
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