Aus der CDU kommt die zynische Forderung, doch die „Lifestyle-Teilzeit“ gefälligst einzuschränken – und als sei das nicht genug, sollen Versicherte demnächst den Zahnarztbesuch selbst bezahlen. In Zeiten, in denen immer weniger etwas zu beißen haben, klingt das konsequent. Die Propaganda der marktradikalen Konservativen verfängt: Laut einer Forsa-Umfrage glauben zwei Drittel der Deutschen, dass der Sozialstaat zu teuer sei, dabei stagnieren die Sozialausgaben des Staates bei immer mehr Bedürftigen. Vor 30 Jahren wurde zudem die Vermögenssteuer abgeschafft – die Einnahmen fehlen.
Der Klassenkampf von oben verschärft sich. Gleichzeitig schlägt der Landesverband „Tafel Nordrhein-Westfalen e.V.“ Alarm. Die ehrenamtlichen Helfer der rund 170 Tafeln kommen an ihre körperlichen Grenzen. 12.000 sind dort neben 700 Festangestellten tätig, ihr Durchschnittsalter: 63 Jahre. Landesweit versorgen sie bis zu 400.000 Menschen, darunter etwa 100.000 Kinder und ebenso viele Senioren – Tendenz steigend. In vielen Städten ist die Lebensmittelausgabe an Bürgergeld, Wohngeld oder Grundsicherung geknüpft. In der Stadt Essen betrifft das etwa 108.000 Menschen, versorgt werden kann nicht einmal jeder Zehnte. Rund 1.000 Bedürftige stehen zudem auf der Warteliste.
Allein dieser Zustand zeigt, wie pervers die geführten Debatten in Zeiten des sozialen Kahlschlags sind. Wie wäre es eigentlich, wenn die Markt-Ideologen ein Jahr lang selber von der Tafel leben oder dort einfach täglich ihren Lifestyle-Feierabend verbringen müssten?
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