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The Banshees of Inisherin

The Banshees of Inisherin
Irland, USA 2022, Laufzeit: 114 Min., FSK 16
Regie: Martin McDonagh
Darsteller: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Kerry Condon
>> www.banshees-film.de/

Düstere Tragikomik über einen eskalierenden Konflikt

Fatales Unverständnis
„The Banshees of Inisherin“
von Martin McDonagh

Inisherin ist eine kleine Insel vor der Westküste Irlands. Es ist das Jahr 1923. Vom Festland sind hin und wieder Kanonenschüsse zu hören. Der anschwellende irische Bürgerkrieg weht akustisch zu der kleinen Insel hinüber. Besonderen Eindruck macht das bei den Inselbewohnern allerdings nicht. Mal ist ein schneller Blick über das Meer die Reaktion, mal ein kurzes, schulterzuckendes Innehalten im Gespräch. Mit den Menschen auf Inisherin scheint das alles aber nichts zu tun zu haben. Dabei spielt sich zeitgleich auch eine Art Bürgerkrieg auf Inisherin ab – ein sehr kleiner Bürgerkrieg zwischen nur zwei Bürgern: Padraic (Colin Farrell) und Colm (Brendan Gleeson). Sie sind schon lange befreundet, wahrscheinlich seit Jahrzehnten. Täglich haben sie sich am Nachmittag im Pub getroffen, um gemeinsam ihr Bier zu trinken und über dies und das zu plaudern. Bis zu dem Tag, als Padraic, wie üblich, von seinem kleinen Steinhaus über den Weg oberhalb der Küste zu Colms Hütte am Meer spaziert, um seinen mit Hund alleine lebenden Freund für das gemeinsame Bier abzuholen und Colm nicht mitkommen will. Nicht jetzt, nicht später und auch nicht morgen oder übermorgen. Nie wieder. „Und warum?“, fragt Padraic, verständlicherweise irritiert. Weil Colm ihn nicht mehr mag und seine Zeit nicht mehr mit ihm und den langweiligen, nichtssagenden Gesprächen im Pub vergeuden will. Stattdessen möchte er mehr Fiddle spielen und Lieder komponieren.

Was nun folgt, ist ein nicht untypisches Szenario für einen Film von Martin McDonagh. Nachdem der irische Theaterautor 2006 gleich für sein Filmdebüt „Six Shooter“ den Oscar für den besten Kurzfilm – schon hier ist Brendan Gleeson in der Hauptrolle zu sehen – erhielt, landete er zwei Jahre darauf mit „Brügge sehen … und sterben?“ einen Hit, der seitdem als schwarzhumoriger  Kultfilm verehrt wird. Hier stehen sich Colin Farrell und Brendan Gleeson erstmals als befreundete Feinde gegenüber. „7 Psychos“ hatte im Jahr 2012 als überfrachtete Genreparodie wesentlich weniger Erfolg und kam weder bei Kritik noch beim Publikum sonderlich gut an. Während McDonaghs Bruder John Michael McDonagh, ebenfalls Drehbuchautor und Regisseur, in den schwarzen Komödien „The Guard“ (2011) und „Am Sonntag bist Du tot“ (2014) mit dem gemeinsamen Lieblingsdarsteller Brendan Glesson dreht, kommt Martin McDonaghs erst 2017 in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (wie „7 Psychos“ auch in den USA realisierte) ohne Gleeson und Farrell aus. Sowohl die lange Entstehungszeit als auch die neuen Darsteller – in der Hauptrolle ist Frances McDormand zu sehen – haben McDonaghs neuem Film gut getan. Das schwarzhumorige Racheepos in einer amerikanischen Kleinstadt wurde ein Publikums-Hit und erhielt unter anderem zwei Oscars. Die Konzentration auf einen Konflikt zwischen zwei Menschen, bei dem keiner nachgeben will, bis die Situation vollkommen eskaliert, verweist bereits auf seinen neuen Film.

Abermals fünf Jahre sind vergangen, bis nun McDonaghs neuer Film „The Banshees of Inisherin“, wie alle seine Filme auch von ihm geschrieben, in die Kinos kommt. Das komplexe Figurenarsenal aus „Three Billboards …“ weicht zwei Haupt- und wenigen, dafür sehr spannenden, großartig besetzen Nebenfiguren (allen voran Kerry Condon als Padraics Schwester Siobhan und Barry Keoghan als Sohn des örtlichen Polizisten), die in einem noch viel kleineren Ort als Ebbing in Missouri leben. Hier gibt es einen beschaulichen Hafen, einen Laden und ein paar Häuser. Padraic und Colm leben außerhalb, und auch der Pub liegt einsam oberhalb der Klippen. Gelegenheit für ruhige, beeindruckende Aufnahmen der weiten Landschaft und der langen Wege der Protagonisten, die in dieser Gegend so winzig und wirkungslos aussehen, wie sie sich fühlen. Der eine vertreibt die Verlorenheit mit Gerede, der andere will neuerdings Großes erschaffen. Und beide verheddern sich zwischen den Erwartungen des Anderen und den eigenen Bedürfnissen. Wie in Zeitlupe und zugleich unter einem Mikroskop erleben wir Schritt für Schritt, wie ein Konflikt entsteht. Die Frage nach Schuld ist dabei irrelevant, die Unausweichlichkeit absurd, aber nur selten zum Lachen im Angesicht der großen Konflikte.

(Christian Meyer-Pröpstl)

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