
Nicht mein Tag
D 2014, Laufzeit: 115 Min., FSK 12
Regie: Peter Thorwarth
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Axel Stein, Jasmin Gerat
>> www.nichtmeintag.de/site/
Kurzweilige Action-Komödie
Ruhrpott Ritchie-Reloaded
„Nicht mein Tag“ von Peter Thorwarth
Das waren noch Zeiten für die deutsche Komödie. Als Peter Thorwarth sein Debüt „Bang Boom Bang“, den Auftakt seiner „Unna-Trilogie“ präsentierte: Da gab es diesen irrwitzig-verstörenden Sträfling Kalle Grabowski, mit einem Dresscode, als würde er allen Modekatalogen den Kampf ansagen. Ein Film, der die verruchte Atmosphäre eines Guy-Ritchie oder Tarantino ins Ruhrgebiet importierte: schmierige Kleinunternehmer, dauerbekiffte Harlekins und skurrile Kleinganoven. Schräg und lässig war das. Auch Thorwaths spätere Filme („Was nicht passt, wird passend gemacht“ und „Goldene Zeiten“) spielten in diesem Kosmos von Ruhrpott-Proleten und Gangstern.
Nach acht Jahren präsentiert der Regisseur nun seinen vierten Film. In der Zwischenzeit hatten die Schweigers und Schweighöfers das Ruder in der deutschen Komödie übernommen. Das heißt seichte romantic comedy, meist mit Schweiger in der Regie, mit Schweighöfer als Darsteller oder umgekehrt, oder beides. Alles angereichert mit infantilem Humor.
Thorwaths neuer Film weckte da zumindest Hoffnung. Kann er alten wie neuen Wind in die Schweigerisierung der deutschen Komödie bringen? Für „Nicht mein Tag“ griff er auf den gleichnamigen Roman von Ralf Husmann (als Drehbuchautor von „Stromberg“ bekannt) zurück. Till (Axel Stein) ist ein kleinbürgerlicher Bankangestellter. Seine Arbeit langweilt ihn ebenso wie das biedere Vorstadtleben, die Familienroutine und seine frustrierende Ehe. Bis der Gelegenheitsgangster Nippo (Moritz Bleibtreu) Tills Bank ausraubt und ihn als Geisel nimmt. Für den Spießer beginnt nun ein rasantes Abenteuer.
Was Thorwarth präsentiert, ist ein bewährter Mix aus Road-Movie und Buddy-Komödie, das vorhersehbare Skript angereichert mit derben Proleten-Sprüchen. Für den Machogangster ist Moritz Bleibtreu zuständig. Axel Stein gibt dagegen die Mutation des biederen Bankangestellten zum Ganoven wider Willen Till „Tiger“. Bis hin zum Showdown, in dem er als Ein-Mann-Party-Guerilla durch Amsterdam wütet. Immerhin gibt es einen Cameo-Auftritt von Ruhrpott-Kauz Ralf Richter. Als schrulliger Gebrauchswagenhändler mit dem Kampfnamen „Langen“ lässt er den Kult-Kosmos der Unna-Trilogie kurz aufscheinen. Immerhin für einen Moment.
Ansonsten kaschiert Thorwarth seine Einfallslosigkeit mit platten Zoten, rasanten Actionszenen und einem krachenden Rock'n-Roll-Soundtrack. Die Hegemonie der Schweigers und Schweighöfers bleibt vorerst ungebrochen.

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