
Mauern aus Sand
Kroatien, Serbien, Litauen, Slowenien, Mazedonien 2025, Laufzeit: 88 Min.
Regie: Čejen Černić
Darsteller: Lav Novosel, Andrija Žunac, Leon Grgić
>> salzgeber.de/mauernaussand
Authentisches Gesellschaftsporträt
Unausgesprochenes
„Mauern aus Sand“ von Čejen Černić Čanak
Bei der Weltpremiere ihres zweiten Spielfilms „Mauern aus Sand“ erzählte Regisseurin Čejen Černić Čanak auf der Berlinale, dass die Entwicklung des Filmes mehr als zwölf Jahre gedauert habe, sie selbst sei in den letzten sechs Jahren in das Projekt involviert gewesen. Dass die Finanzierung so lange auf wackeligen Beinen gestanden habe, sei der Tatsache geschuldet, dass in Kroatien nach wie vor weite Teile der Gesellschaft homophob seien und die meisten keine Notwendigkeit für einen Film wie diesen sehen würden. Čanak lebt in Zagreb, das in dieser Hinsicht, wie viele andere große Städte weltweit, eine Ausnahme bildet. Hier gibt es eine queere Szene, und wenn man sich innerhalb der eigenen schwul-lesbischen Bubble bewegt, scheinen die Probleme, die in weniger dicht besiedelten Regionen des Landes nach wie vor bestehen, unendlich weit weg zu sein. Man kann es Čanak und dem Filmteam gar nicht hoch genug anrechnen, dass sie den Stoff doch noch umgesetzt haben, denn „Mauern aus Sand“ ist auch innerhalb der zahlreichen queeren Filme, die wir hier in Deutschland aus den unterschiedlichsten Ländern zu sehen bekommen, ein Highlight, das man gesehen haben sollte.
Slaven (Andrija Žunac) ist nach drei Jahren zum ersten Mal wieder in sein kleines kroatisches Heimatdorf zurückgekehrt, nachdem sein Vater plötzlich gestorben ist. Seine Mutter nimmt ihn wenig herzlich wieder bei sich auf. Neben der anstehenden Beerdigung wappnet sich das Dorf gerade auch hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden Hochwassers, die Menschen sichern ihre Häuser durch Dämme aus Sandsäcken. Da kommt es zu ersten Begegnungen mit Marko (Lav Novosel), dem einstmals besten Freund Slavens, den er nach seiner überhasteten Flucht nach Berlin auch nicht mehr gesehen hat. Zwischen den beiden gibt es etliches Unausgesprochenes, denn das, was sich vor drei Jahren zwischen den beiden abgespielt hat, war auch die Ursache, warum Slaven von zu Hause wegmusste und sich in Berlin ein neues Leben aufbaute. „Mauern aus Sand“ ist sehr langsam und unaufgeregt entwickelt
Auf überaus authentische Weise führt uns Čejen Černić Čanak in eine provinzielle kroatische Gemeinschaft ein, in der Eltern ihre Kinder noch verprügeln oder verstoßen, wenn sie erfahren, dass diese nicht den hetero-normativen Idealen entsprechen. Dass die Herzen des Publikums insbesondere Marko innerhalb kürzester Zeit zufliegen werden, liegt nicht nur an Lav Novosels Schwiegermutter-Charme und seiner verschmitzten Sexyness, sondern auch an der von ihm gespielten Figur, die sich rührend um seinen jüngeren Bruder mit Down-Syndrom (Leon Grgić) kümmert, zumal er von diesem völlig vorurteilsfrei und herzlich so angenommen wird, wie er ist. In Ländern wie Kroatien ist es wichtig, dass Filme wie „Mauern aus Sand“ realisiert werden, um vielleicht doch den ein oder anderen zu einem Umdenken zu bewegen. Und für ein hiesiges Publikum ist es eine unglaubliche Bereicherung, in eine solche Geschichte eintauchen zu können.

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