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Lion – Der lange Weg nach Hause

Lion – Der lange Weg nach Hause
USA, Australien, Großbritannien 2016, Laufzeit: 119 Min., FSK 12
Regie: Garth Davis
Darsteller: Dev Patel, Rooney Mara, David Wenham, Nicole Kidman
>> www.lion-film.de

Meine Meinung zu diesem Film

Last train home
Matt513 (236), 04.03.2017

Abseits aller Best-Marigold-Farbenschwelgerei erzählt dieser Film eine wahre, kaum zu glaubende Geschichte, beginnend im Indien der 80er Jahre. Vielleicht haben mir gerade deshalb diese Landschaftsaufnahmen, darin die Spuren des zurückgewichenen Empires, so gut gefallen. Ich möchte fast sagen, besonders jene von Kalkutta. Nicht weil es da schön ist, sondern weil diese Aufnahmen im kalten Neonlicht der Bahnhöfe, die Ansichten rottender Eisenbahnhöfe, -stränge und –brücken so authentisch waren. Indien kann bunt sein (und wird häufig genau so stilisiert), ja, aber auch sehr, sehr trist und deprimierend, nicht zuletzt wegen seines u.a. im Kastenwesen implementierten Rassismus, welches gesellschaftlichen Aufstieg so gut wie unmöglich macht, und das in der größten Demokratie der Erde.

In dieser harschen Armut vegetierend, geht der kleine Saroo verloren und landet am anderen Ende der Welt, wohlbehütet im Schoß einer bis dato kinderlosen Familie. Sorgt diese Geschichte während der Vorstellung für Wohlbehagen in den Herzen des Publikums, konterkariert dies der Abspann. Demnach gehen nicht weniger als 80.000 Kinder pro Jahr in Indien verloren. Die wenigsten dürften so enden wie der eine Saroo, von dem es nun einen Film gibt. Einige mehr dürften es nichtmals als Glück empfinden, in den gefängnisartigen Kinderheimen Indiens Obdach (immerhin) zu finden; immer noch besser, als auf einem Stück Pappe in der Bahnunterführung zu schlafen, um letztlich Beute der Kinderschlepperringe zu werden. Danke, daß der Film dies zeigt.

Saroo wird der leuchtende Stern seiner neuen Eltern. Mit seinem ebenso aus Indien stammenden Adoptivbruder haben sie weniger, ich nenn’s mal Glück. Denn dieser ist offenbar schwer traumatisiert, schlägt wild um sich und wird einen anderen Lebensweg als der besonnene Saroo nehmen. War in den Gesichtern der Eltern neben Verstörung nicht auch Unverständnis zu lesen? Mir schien es so. Ich nehme dies für einen sehr wichtigen Aspekt bei der Migration. Im westlichen Kulturkreis begeht der einen Fehler, der glaubt, daß ein Fremder sein bisheriges Leben abschütteln würde, sobald er nur die Landesgrenze überschreitet und die materiellen Segnungen des Abendlandes empfängt. In Bill Wattersons großartigem Cartoon sagt Hobbes zu Calvin: Du kannst den Tiger aus dem Dschungel holen, aber nie den Dschungel aus dem Tiger.

Ein paar Schnitte und Saroo beschäftigt sich als junger Erwachsener mit dem Geheimnis seines Lebens: Wo liegt mein wahres Zuhause? Dessen Name, den er als Kleinkind glaubte zu kennen, ist nirgends bekannt. Verzweiflung und aufkeimende Hoffnung widerstreiten und führen zu Konflikten im Umfeld. Schließlich macht er sich auf die Reise. Wenn Saroos innere Konflikte darüber schon dargestellt werden, dann fehlte mir in diesem zweiten Teil trotz Patels sehr gutem Spiel die emotionale Adhäsionskraft im Film. Da fühlte ich mich innerlich zu wenig mitgenommen. Ich weiß auch nicht, wie man das hätte besser machen können; eventuell die Dialoge mit seiner Freundin weglassen sollen, um mehr auf seine Person zu fokussieren? Keine Ahnung. Dem folgt übergroßes Sentiment, der beschriebene Abspann und ja, die Auflösung, woher denn der Film seinen Titel bezieht. Er lohnt sich auf jeden Fall; indes daß er in L.A. bei dem übrigen Kandidatenfeld allenfalls Außenseiterchancen haben würde, so eine Ahnung hatte ich bereits bei Verlassen des Kinos. Tatsächlich blieb es bei 6 Nominierungen.

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