
Junges Licht
Deutschland 2016, Laufzeit: 122 Min., FSK 12
Regie: Adolf Winkelmann
Darsteller: Charly Hübner, Oscar Brose, Peter Lohmeyer
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Coming-of-Age-Heimat-Drama
Ein Sommer im Ruhrgebiet
„Junges Licht“ von Adolf Winkelmann
Interview mit Darsteller Peter Lohmeyer
Der 12-jährige Julian (Oscar Brose) wächst neben einer Zeche im Ruhrgebiet auf, in der sein Vater (Charly Hübner) als Bergmann arbeitet. Während seine Mutter (Lina Beckmann) aufgrund eines Nervenzusammenbruchs mit der kleinen Schwester in die Sommerferien fährt, muss Julian den Haushalt schmeißen. Er sucht Anschluss bei einer Jungs-Gang, die Tiere quält und sich den Tag mit Bier und Zigaretten vertreibt. Doch die wollen nichts mit dem sensiblen Jungen zu tun haben. Schließlich bringt die frühreife Nachbarin Marusha (Greta Sophie Schmidt) neuen Schwung in Julians Leben.
„Junges Licht“ beruht auf dem gleichnamigen Roman von Ralf Rothmann aus dem Jahr 2004 und wurde an Originalschauplätzen im Ruhrgebiet verfilmt. Regisseur Adolf Winkelmann und Kameramann David Slama gelingt es, die ruhige Poesie des Buches in ausdrucksstarke Bilder zu verwandeln: Weiße Wäsche inmitten von dunklen Rußwolken und schwarz-verschmierte Schwitzegesichter, die Milch trinken – stimmungsvoller kann man die Zeit der Kohleindustrie kaum darstellen. Das gilt auch für die Geschichte, die aus der Sicht des Arbeitersohns Julian erzählt wird. Er erlebt eine raue Welt, in der Lehrer noch auf Finger schlagen und seine derbe Pott-Mutti ihn mit dem Kochlöffel verprügelt. Statt Unbeschwertheit lernt er in den Sommerferien die harten Seiten des Lebens kennen und wird mit dem Tod, Sex und Gewalt konfrontiert. Doch Julian wächst an den Erlebnissen und lernt Verantwortung zu übernehmen.
Winkelmann gelingt es trotz der Tristesse, in der die Familie lebt, eine gewisse Leichtigkeit in den Film zu bringen. Nicht ganz klar ist, was sich der Regisseur beim stetigen Wechsel zwischen 16:9 und 4:3, sowie zwischen Farb- und Schwarzweißfilm gedacht hat. Ein System dahinter ist nicht zu erkennen, aber es sieht gut aus. Obwohl Wortwitz und der unendliche Charme des Ruhrpott-Slangs für knackige Dialoge sorgen, wird das Wesentliche durch leise Zwischentöne erzählt. So lässt sich vieles im Gesicht des talentierten Hauptdarstellers Oscar Brose ablesen und im Zusammenspiel mit Filmvater Charly Hübner. Es sind die Schauspieler und das ruhige Erzähltempo, die dem Film seine Tiefe und Melancholie verleihen, unterstrichen durch einen stimmungsvollen Soundtrack von Ruhrpottmusiker Tommy Finke.
„Junges Licht“ ist Winkelmanns vierter Ruhrgebiets-Film. Jenseits von Kitsch und heiler Welt gelingt es dem Regisseur ein Lebensgefühl rüberzubringen und dem Begriff Heimatfilm ein Stück seiner Miefigkeit zu nehmen. Man fragt sich, wie es damals wohl gewesen sein mag, im Ruhrgebiet der 60er-Jahre, als man noch für die Eltern Kippen kaufte, nur eine lange Hose besaß und sich sonntags langweilte. Ein interessantes Stück erzählter Geschichte, an das man sich spätestens erinnert, wenn man Omas Cocktailsessel ins Hipster-Appartement verfrachtet.
(Nina Heinrichs)

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