
Heldin
Deutschland, Schweiz 2025, Laufzeit: 92 Min., FSK 6
Regie: Petra Biondina Volpe
Darsteller: Leonie Benesch, Sonja Riesen, Selma Adin
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Authentische Schilderung eines Arbeitsalltags
Arbeiten am Limit
„Heldin“ von Petra Volpe
Ins Krankenhaus geht mit Sicherheit niemand gerne. Als Patient weiß man nicht, ob einem geholfen werden kann und man als gesunder Mensch wieder entlassen wird. Als Angehöriger ist man oftmals ebenso hilflos, leidet mit dem Patienten oder leistet ihm Beistand. Und auch für die in einem Krankenhaus Beschäftigten gibt es sicherlich immer mal wieder Momente, in denen sie sich wünschen würden, einen anderen Beruf ergriffen zu haben. In den letzten Jahren hat sich die Situation nicht nur in Deutschland, sondern nahezu auf dem ganzen Globus extrem verschärft. Immer mehr Ärzte und Pflegepersonal werden benötigt, aber die Arbeitsumstände sind so kräftezehrend und dabei so schlecht bezahlt, dass viele schon nach wenigen Jahren die Reißleine ziehen. Während der Corona-Pandemie rückte die übermenschliche Arbeit, die in Krankenhäusern regelmäßig geleistet wird, mal ein wenig ins öffentliche Bewusstsein. Man zollte den „Helden“ in den weißen Kitteln Respekt und verneigte sich vor ihrem Engagement. Eine solche „Heldin“ ist auch Floria Lind, die in Petra Volpes gleichnamigem Film in einnehmender Präsenz von Leonie Benesch („Das Lehrerzimmer“) verkörpert wird.
Die dynamische Kamera von Ausnahmebildgestalterin Judith Kaufmann folgt der Protagonistin im Film Schritt auf Schritt und begleitet sie so durch eine exemplarische Spätschicht in einem Schweizer Krankenhaus. Lediglich zwei Pflegende sowie eine Schülerin sind für die Station anwesend, weswegen die jungen Frauen aus dem Stress gar nicht herauskommen. Medikamente müssen verabreicht, Patienten in den OP-Saal gebracht und dort wieder abgeholt werden. Dazwischen ist noch die ganz normale Visite, bei der die Vitalwerte erfasst und auf die individuellen Bedürfnisse der Kranken eingegangen werden sollte. Privatpatienten haben noch ganz andere Ansprüche, die mit der Unterbesetzung auf der Station nur schwerlich befriedigt werden können. Obwohl Floria Lind ständig hochkonzentriert arbeiten, sich auch um das pausenlos klingelnde Handy kümmern und sich mit ihren Kolleginnen abstimmen muss, hat sie trotzdem ein offenes Ohr für die Patienten, begegnet diesen auf einer persönlichen Ebene, nimmt sich Zeit für sie, die ihr dann wieder an anderer Stelle fehlt. Vielleicht ist die Protagonistin in „Heldin“ allzu musterbildlich angelegt, vielleicht lässt sie sich mit allzu viel Empathie auf ihre Schutzbefohlenen ein. Aber auf diese Weise gelingt es Petra Volpe, eine größere Fallhöhe zu schaffen, wenn der perfektionistischen Krankenschwester im letzten Filmdrittel die Zügel aus der Hand gleiten und sie nicht mehr wie ein Uhrwerk funktioniert. Kaum ein anderer Spielfilm hat es bislang mit dermaßen großem Authentizitätsgehalt und gleichzeitig so vielen Emotionen geschafft, in den beschwerlichen alltäglichen Wahnsinn eines Krankenhauses einzutauchen. Wer diesen Film gesehen hat, muss nicht mehr davon überzeugt werden, dass das Gesundheitssystem reformiert werden muss!
(Frank Brenner)

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