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Elle

Elle
Frankreich, Deutschland 2016, Laufzeit: 126 Min., FSK 16
Regie: Paul Verhoeven
Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Charles Berling, Virginie Efira, Christian Berkel
>> elle.mfa-film.de

Meine Meinung zu diesem Film

etwas zwiespältig ...
msteets (35), 28.02.2017

Ich kann nicht ganz in die guten Bewertungen meiner Vorredner einstimmen. Vielleicht hatte ich nach den Kritiken im Vorfeld mehr erwartet, aber wie so oft bei Paul Verhoeven bin ich mir nicht sicher, wie ich den Film tatsächlich deuten soll.
Gewiss, Isabelle Huppert spielt wie immer sehr intensiv, aber die Handlung des Films ist für meine Begriffe mit dermaßen vielen Sujets überfrachtet, dass sich bei mir die Spannung nicht so recht einstellen wollte. Gab es überhaupt ein Thema, das der Regisseur ausgelassen hat? Eher nicht.
Und so schwanke ich hier zwischen zynischer Gesellschaftssatire einerseits und etwas, was ich mal "Kolportage" nennen möchte. Von allem etwas und jede Perversion wird bedient und jeder Wendung folgt einer weitere.

Gewiss, das ist eine typische Eigenschaft vieler Verhoeven-Filme und macht bisweilen auch ihren Reiz aus.
Aber bis auf wenige Momente vermochte mich dieser Film diesmal nicht besonders zu fesseln. Ich kam letzten Endes aus dem Kino und dachte "so what?" Und so wäre weniger mehr gewesen.

Um meinen alten prof zu zitieren: "Deuten Sie's einfach, wie Sie wollen"

Femme Fatale
Nick (40), 26.02.2017

Ähnlich wie in Basic Instinct präsentiert Verhoeven uns eine selbstbewusste, geheimnisvolle, sexuell selbst bestimmte Frau, die sich nimmt, was sie braucht, selbst wenn es der Mann der besten Freundin oder der Nachbar ist.
Sie ist Produzentin von sexistisch - brutalen Computerspielen, in der sie die Erniedrigung von Frauen perfekt inszeniert, und nicht von ungefähr pflegt sie auch in ihrem Sexleben einen Hang zum Masochismus. Bei ihrer traumatisierten Kindheit alles andere als überraschend.
Kein Wunder, dass auch ihr Umgang mit der brutalen Vergewaltigung und der Suche nach dem Täter anders abläuft, als man es kennt und erwartet. Immer etwas problematisch, wenn der Eindruck entsteht, dass eine Vergewaltigung nicht immer rundweg schlecht ist, finde ich. Aber der Regisseur wollte halt auch mal wieder etwas schockieren.
Alles in allem aber ein kurzweiliger Film mit ein paar Überraschungen, einem guten Drehbuch und interessanten (Neben-)Figuren.

Blaupause der Gesellschaft
woelffchen (570), 20.02.2017

Hinter diesem Thriller, der in über 2 Stdn. viel Spannung und Abwechselung mit einer überaus engagierten Isabelle Huppert incl. Team bringt, verbirgt sich eine m.E. sehr wohl angebrachte und berechtigte massive Kritik der heutigen Gesellschaft. Der Bogen reicht - im Rahmen von Egozentrik und Hedonismus - von sexuell motivierter Gewaltkriminalität, über Gewalt in der Ehe, Rebellion gegen Eltern bzw. Schwiegereltern, zaghaftes Lesbengehabe, pervertierter Sexualpraktik im hohen Alter incl. maskuliner Prostitution, einem Ausspähdelikt im Computernetz, Ehebruch, Verleumdung und Lüge, Anleitung zu Gewalt- und Sexualindikationen im Bereich der Computer- und Spielkonsolenwelt bis hin zur rein gefühlsorientierten Verherrlichung des Katholizismus mit ihren kitschigen Heiligenstatuen und ihrem fernsehgerechten Personenkult und Medienrummel um den jeweils amtierenden und herrschenden Papst, der sich als "Stellvertreter Christi" auf Erden ausgibt. Es fehlte eigentlich nur noch der Mißbrauch von harten Drogen und weiteren Perversionen im Sado-Maso-Bereich. Alles in allem also ein nicht nur gelungener Thriller, sondern ein ernstzunehmende Hinweis auf eine sich im freien Fall befindliche dekadente Gesellschaft. Gleichwohl oder gerade deshalb: Sehr sehenswert.

You gotta say yes to another excess
Matt513 (226), 19.02.2017

Michele wurde vergewaltigt, nach weniger als 1 Minute Spielzeit ist dies klar. Keine 2 Minuten und die Spuren des Verbrechens sind beseitigt, nochmal 10 Minuten und man hat Michele äußerst rational mit dem Geschehenen umgehen sehen; der Gang zum Arzt, ins Waffengeschäft, die nüchterne Bekanntgabe an den engsten Freundeskreis. Die anfängliche Vermutung, der Film thematisiere ein aus der Bahn geworfenes Leben, bleibt unbestätigt. Schwäche zu zeigen konnte sich die Managerin vorher schon nicht leisten.

Fortan prägen Verdachtsmomente ihre Wahrnehmung. Ein unbekanntes Auto vor der Tür, ein Fremder im Gebüsch, die Aggression eines Mitarbeiters, der manisch Photos von Nacktmodellen anfertigt. Man folgt all diesem auf Zehenspitzen, ständig darauf vorbereitet, vom Film wie von einem Tier angesprungen zu werden. In bester Hitchcock-Manier hält er den Spannungsbogen hoch. Es gibt hier nichts auszusetzen. Quecksilbrige Dialoge (schade, daß das bißchen Schulfranzösisch für den Originalton nicht ausgereicht hätte), gut ausgewählte Darsteller, dabei Huppert mit Körper und Seele gefordert, eine Kameraführung, die die Beklemmung für den Zuschauer einfängt.

Indem er in mehrfacher Weise weibliche Wesen als unrespektierte Lustobjekte darstellt, thematisiert Verhoevens Film auf subtile Weise die Frauenfeindlichkeit in unserer zivilisierten Gesellschaft sowie ferner, wie sie das Leben der Betroffenen pervertiert. Anzüglichkeiten bis zum gewalttätigen Übergriff gehen als Kavaliersdelikt durch. Bemerkenswert, dabei nicht unbedingt typisch die Reaktion des Opfers darauf, denn Michele geht nicht zur Polizei und ihrem Peiniger ist sie nicht zum letzten Mal begegnet. Viele Spiele werden gespielt. Die Rollenverteilung, wer beherrscht, wer abhängig ist, wer Täter mit welchem Motiv, kurzum wer das Spiel kontrolliert und wer bloß Figur darin, verläuft nicht in klaren Linien. Sie ist insbesondere nicht geschlechterabhängig. Michele etwa ist nicht nur Opfer, sondern aufgrund eines Familienverbrechens als vermeintliche Mittäterin verfemt. Unversehens findet sich manch einer auf der anderen Seite wieder. Es ist diese Komplexität, wodurch der Film gefällt.

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