Mit einem großen Bürgerfest startet das Musikforum in eine klangvolle Zukunft. Das gesamte Eröffnungswochenende über ist das Musikzentrum bis zur Belastungsgrenze gefüllt. Bei manchen Veranstaltungen wie dem Konzert der Bochumer Rock-Legende Pamela Falcon warten die Besucher in Schlangen vor der Tür, um den Platz eines anderen Zuhörers zu ergattern.
Es ist stickig, der Raum ist übervoll. Im kleinen Saal lösen sich gummiartige Töne wabbelig von den dicken Saiten des E-Basses. Eine Tuba drängt sich knurrend unter ein quirliges Gitarrensolo. Ein Wah-Wah-Effekt auf der Posaune verwandelt die Klänge in das melodiöse Quaken einer metallenen Ente. Mit gefälligen Smooth Jazz- und Funk-Adaptionen von Herbie Hancock und der Average White Band groovend, sorgen tub_a für eines der besten Konzerte der Eröffnung.
Im Foyer schweben derweil Tangotänzer zu Streichermusik über die weißen Bodenfliesen. Vor ihnen spielt Stefan Casalino Evergreens und Jazz-Klassiker auf seiner singenden Säge. Er klemmt das zweckentfremdete Instrument zwischen die Knie und streicht den Geigenbogen elegant über das Metall als würde er mit den groben Zacken tanzen.
Aus aller Welt strömen die Musiker in das Musikforum, um dort einen gelungenen Einstand zu geben. Der BoSy-Tubist Ansgar Mayer-Rothmund strahlt über das ganze Gesicht. Auch die Musiker sind im Musikforum endlich angekommen, endlich haben die Bochumer Symphoniker einen festen Sitz. Wenn man ihr Gründungsjahr (1919) zum Maßstab nimmt, warten sie darauf seit 97 Jahren. Dafür haben sich ihre Fans und Klassik-Liebhaber aus dem ganzen Land mit viel Engagement und Spenden eingesetzt und damit ein Drittel der knapp 40 Millionen Euro an Baukosten finanziert. Im großen und im kleinen Saal sowie im Foyer können die Besucher nun Musik genießen.
Nach 15 Jahren Arbeit, Fundraising und zahlreichen Diskussionen mit Stadt und Geldgebern ertönt nun endgültig wieder Musik in der alten Kirche und dem Neubau. Ähnlich unüberhörbar ist in der Vergangenheit auch der Protest aus der Bevölkerung. Viele Bochumer Bürger geben zu bedenken, dass ein Prestigebau ein fatales Loch in die ohnehin schon geleerte Kasse der Stadt reißen könne. Die zeitweise mangelnde Begeisterung mancher Bochumer rührte auch von der musikalischen Ausrichtung her: Das Musikforum steht für klassische Musik und damit die sogenannte Hochkultur, mit der sich nicht jeder identifizieren mag.
Bei der Eröffnung überzeugen auch die Breakdance-Rebellen von Urbanatix, das Varieté et Cetera und eine Punkrock-Band die Zweifler von der breiten Aufstellung des Programms. „Die, die schon länger hier sind merken: Das hier ist ein etwas anderes Programm“, sagt Elisa Schauf, die Sängerin der Punkrock-Kombo Bombachew und sorgt mit ihrer warmen Stimme für einen sanften Widerspruch zwischen den griffigen Gitarrenriffs ihres Bandkollegen. Mit DJ „Der Gärtner der Lüste“, unterstützt von Solo-Improvisationen der Symphoniker feiern die ersten Musikforum-Besucher bis in die frühen Morgenstunden.
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