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Da waren die meisten Gäste schon drin: 90 Jahre Filmstudio Glückauf
Foto: Lisa Mertens

90 Jahre Kino und mehr

03. März 2014

Essener Filmstudio Glückauf feierte 90jähriges Bestehen – Kino.Ruhr 03/14

„Schaffse?“ Ein gequäles „Ja!“ zur Antwort und vier Männer schleppen ächzend die Inneneinrichtung des Filmstudios Glückauf nach draußen. Eine Szene aus Erwin Wiemers Kurzfilm, der 2009 den Abriss und den Wiederaufbau des Filmstudios dokumentierte. Damit das in die Jahre gekommene Essener Traditionskino wieder in altem Glanz erstrahlen konnte, mussten Interieur und Bausubstanz von Grund auf restauriert und saniert werden. Dass dieses kostspielige Unterfangen gelang, ist der Grund, weshalb am 1. März 2014 das Filmstudio auf eine 90jährige Geschichte zurückblicken durfte. Freunde und Unterstützer des Kinos waren geladen, um die schwierigen, aber auch die guten Jahre zu feiern.

Marianne Menze, Geschäftsführerin der Essener Filmkunsttheater GmbH, hieß die Gäste willkommen, die trotz der Konkurrenzveranstaltungen Karneval und RWE-Derby zahlreich erschienen waren und versprach ein kurzweiliges Geburtstagsprogramm. Der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Reinhard Paß, übernahm die Begrüßungsrede und fand lobende Worte für die engagierten Kinofreunde in Essen. Er selbst, gab er zu, war anfangs kritisch, ob die notwendigen Sanierungsarbeiten am Filmstudio gestemmt werden könnten. Doch der Einsatz der Bürger für die Essener Kinokultur habe überzeugt und das Filmstudio wieder zum Leben erweckt. Man ziehe in Essen an einem Strang und habe so ein Stück Heimat geschaffen. Dass dieses kleine Kino nun erfolgreich großes Kino mache, beweisen die jährlichen Auszeichnungen der Filmstiftung NRW. Reinhard Paß schloss passenderweise mit dem Filmzitat „Es ist mehr als nur ein Haus, es ist eine ganze Welt, die nur schön und anmutig sein muss“ aus dem Klassiker „Vom Winde verweht“, der im Anschluss an die Feierlichkeiten gezeigt wurde und wünschte dem Filmstudio Glückauf ein herzliches „Glück auf!“.

Auch Marianne Menze bedachte die Essener Bürger mit Lob, die die dritte Eröffnung des Kinos überhaupt erst ermöglicht hatten. Am 28. April 1953 fand die erste Wiedereröffnung des durch eine Fliegerbombe zerstörten Kinos statt, die zweite Wiederöffnung drohte zu scheitern. In kürzester Zeit mussten 1,8 Millionen Euro für den Wiederaufbau aufgebracht wurden. Doch dank der Initiative „Rettet das Filmstudio“ konnte diese Summe durch große Unterstützer wie Stauder aber auch durch viele Privatspender, die aufzuzählen Marianne Menze aufgrund der Vielzahl nur im Ansatz vermochte, bereitgestellt werden. Ebenfalls fand sich schnell die benötigte Anzahl an Bürgen, denen Marianne Menze gut gelaunt eine Rückzahlung samt Zinsen versprach. Sie freute sich, dass das Filmstudio in die Stadt Essen eingebunden sei, was sich besonders auch an den zahlreichen Kooperationen zeige. Kleinere Kulturinitiativen gehörten ebenso dazu wie das Kulturwissenschaftliche Institut, das Folkwang Museum und die Philharmonie. Auch für Lesungen werde das Kino wegen seiner Bühne hinter der Kinoleinwand nun genutzt, wie das Rahmenprogramm anlässlich des Jubiläums zeigte.

Die vierköpfige Formation Werther-Boys, die mit dem Stück „Die Leiden des jungen Werthers“ in der Casa gegenüber des Grillo-Theaters Erfolg feierten und zugleich die Vernetzung der Essener Kulturszene belegten, sorgten für den ersten musikalischen Act und machten Appetit auf das Stück. Oben genannter Film und eine Dia-Show über den Wiederaufbau zeigten den Lohn für all die Mühen der engagierten Kinoliebhaber. Image-Trailer der AG Kino bewiesen zudem, warum dieses Engagement so wichtig ist: gut gemachte Filme. Der gern und häufig gesehene Gast der Essener Filmkunsttheater Rafael Cortés rundete zusammen mit seinem Sohn die Jubiläumsfeier mit seinem virtuosem Gitarrenspiel ab. Zu Sekt und kleinen Häppchen einladend, leitete Marianne Menze über zum Kinoabend mit dem Klassiker „Vom Winde verweht“, der in den 50ern ein Kassenschlager im Filmstudio war. Auf weitere 90 Jahre bleibt da nur zu sagen, für ein Kino, das nicht nur Filme zeigt, sondern auch ein Ort der Kultur für die ganze Stadt ist.

Lisa Mertens

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