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Volker Emmig und seine Vorführtechnik
Foto: Betty Schiel

Kino auf der Hebebühne

29. Juni 2012

Volker Emmig über sein Werkstatt-Kino – Kino.Ruhr. 07/12

Kfz-Meister Volker Emmig macht seit einigen Monaten sein Werkstatt-Kino, weil ihm das Kinoprogramm im Umfeld nicht vielseitig genug ist. Freitags und samstags zeigt er in der Moltkestraße in Duisburg Filme, die ihm gefallen. Ausgelegt ist das Werkstatt-Kino für maximal 25 Zuschauer.

trailer: Herr Emmig, was sind Sie von Beruf?
Volker Emmig:
Ich bin Autoschrauber und führe seit 30 Jahren im schönen Stadtteil Duissern in Duisburg eine kleine Hinterhof-Kfz-Werkstatt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in der Werkstatt Filme vorzuführen?
Ich selbst habe seit vielen Jahren keinen Fernseher. Ich schaue mir trotzdem sehr gerne Filme im Kino an. Ich weiß über eine Filmzeitschrift, welche Filme jeden Monat anlaufen und bin immer wieder enttäuscht, dass in den Programmkinos im näheren Umkreis überall dieselben Filme laufen und einige kleine Filme eben nicht. Also habe ich mich entschlossen, das selber in die Hand zu nehmen und habe einen kleinen Verein gegründet.

Wie heißt der Verein?
Werkstatt-Kino e.V. Leute, die hier einen Film schauen möchten, werden Mitglied. Zufälligerweise läuft dann gerade ein Film. Die Mitglieder entrichten ihren Beitrag in Höhe von vier Euro und unterschreiben, dass sie wieder aus dem Verein austreten, wenn sie das Werkstatt-Kino verlassen.

Der Verein hat also nicht viele Mitglieder?
Es gibt sieben Gründungsmitglieder, davon ist allerdings nur ein Mitglied stimmberechtigt, und das bin ich.

Dann gestalten Sie als einziges stimmberechtigtes Mitglied wohl auch die Programmauswahl?
Genau. Ich versuche im 14-tägigen Wechsel einen neueren Film und einen Klassiker zu zeigen. Ich bin kein Cineast. Ich kenne mich nicht mit Regisseuren und Schauspielern aus. Ich zeige hier Filme, die ich gerne sehe. Ich lasse mich auch anregen von Besuchern, entscheide aber selbst, was ich zeige.

Wie oft kann man in der Werkstatt Filme sehen?
Das Werkstatt-Kino ist freitags und samstags geöffnet ab 20 Uhr. Letztes Wochenende war ich mit dem Motorrad in den Pyrenäen unterwegs. Aber wenn ich da bin, machen wir Programm.

Kommt man einfach vorbei und schaut, was läuft?
Momentan gibt es leider nur zwei Informationsquellen: Man kann anrufen und fragen, was kommt, oder man muss vorbeifahren und draußen ist ein Aushang. Die Internetseite wird noch gebastelt. Da wird man hoffentlich bald auf einfacherem Weg über das Programm informiert werden.

Wer kommt denn?
Es sind erstaunlicherweise viele jüngere Leute. Ich bin 53, also gehört nicht viel dazu, wenn ich von jüngeren Leuten spreche. Ich bin sehr überrascht, dass ich drei Viertel der Leute nicht kenne. Einige kommen, weil sie die Leuchtreklame gesehen haben, die schon seit zwei Jahren draußen hängt. Die war sehr schnell angebracht, aber das Werkstattkino läuft erst seit drei Monaten. Meine erste Vorstellung war am 30. März.

Wie wird die Werkstatt umgestaltet, wenn sie zum Kino wird?
Wenn Leute abends ins Kino kommen und die Werkstatt nicht kennen, können sie sich das erst mal gar nicht vorstellen. Eine Autowerkstatt verbindet man ja schon mit Benzingeruch und Schmutz. Das findet man dann hier nicht vor, wenn man sich an das hält, was ich sage: nichts anfassen, was links und rechts an den Wänden hängt, sondern am besten hereinkommen, sich einen Drink mixen lassen, auf einen Armlehnen-Stuhl setzen und sich den Film anschauen. Man sitzt gemütlich. Es gibt einen Teppich, Nierentische, im Hintergrund einen offenen Kamin, wenn es kalt ist. Der Werkstatt-Charakter ist noch vorhanden, aber man muss keine Angst haben, dass man sich schmutzig macht.

Projiziert wird digital über einen Beamer. Sind Sie zufrieden mit der Qualität?
Mit dem Beamer bin ich sehr zufrieden. In anderen Kinos werden die Filme ja nicht wie bei mir über DVD oder Blu-Ray, sondern über Festplatte gezeigt. Das war mir allerdings doch zu aufwändig. Der Umbau war schon so kostspielig.

Was musste denn umgebaut werden?
Die elektrische Anlage musste komplett umgebaut werden, weil ich auch eine zusätzliche, dimmbare Beleuchtung zum Neonlicht der Werkstatt brauchte. Insgesamt zehn Lautsprecher mussten montiert und eingemessen werden, an der Decke gibt es eine elektrische Leinwand. Die Decke habe ich auch abgehängt. Ein Vorhang wurde installiert und eine Bühne komplett geblockt. Darauf ist ein Brett montiert und da steht die Hälfte der Stühle, darunter der Rest an Stühlen. Ich muss die Stühle während des Werkstattbetriebs wegschaffen und sichern. Beim Arbeiten fällt doch einiges an Schmutz an.

Wie viele Leute kommen?
Das Kino ist ausgelegt für maximal 25 Zuschauer. Bisher bin ich meist am ersten Tag ausgebucht. Am zweiten Tag kommen 10-15 Leute. Ich hatte auch schon mal 35 Leute, da habe ich noch ein paar Stühle aus dem Büro dazugestellt, weil ich auch keinen wegschicken wollte. Die Grundidee mit den 25 Stühlen war folgende: In Duisburg gibt es 500.000 Einwohner. Ein Promille ist vielleicht ähnlich drauf wie ich, also 500. Wenn ich davon 10 % Stammkundschaft habe, also 50, und es kommt ungefähr die Hälfte, sind das 25. So hatte ich mir das ungefähr gedacht und das kam auch hin. Ich freue mich über jeden, der sich wie ich an den Filmen erfreut. Da ich die Filme auch noch nicht gesehen habe, kann auch immer mal einer dabei sein, der nicht unbedingt die Erwartungen erfüllt. Aber es wird auch immer die Möglichkeit genutzt, sich anschließend über den Film im kleinen Kreis vor dem Kaminofen zu unterhalten. Wenn sich zwei Leute über denselben Film unterhalten, meint man oft, es ginge um zwei verschiedene Filme.

weitere Infos bald unter: www.werkstatt-kino.de

Betty Schiel

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