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„B.A.-Bitches“
Foto: Komplott Legal

„Wie reagiere ich auf politische Umstände?“

22. Dezember 2016

Komplott Legal spielt „B.A.-Bitches“ in Dortmund – Premiere 01/17

„Wir sind mutig, wir sind leistungsstark, wir scheuen kein Risiko, wir machen politisches Theater. Wen interessiert‘s?“ Und deshalb ein Interview mit Komplott Legal über ihr Stück „B.A.-Bitches“ im Dortmunder Depot.

trailer: In einer Welt, in der Fragen stellen nicht mehr goutiert wird, liefert ihr sie für ein Interview in eurem Programmtext selbst. Macht euch das nicht irgendwie nervös?
Komplott Legal: Nö. Warum?

In dem Text sind – ich schätze mal – wenigstens zwölf Fragen drin?
Hm.

Die ihr doch jetzt eigentlich alle beantworten müsstet, oder?

Komplott Legal
Lioba, Isabel und Theresa, Foto: Maxi Braun

Zur Person

Komplott Legal ist ein freies Theaterkollektiv aus Dortmund/Köln, das auf eine Produktion im Dortmunder U und auf gemeinsame Produktionen am Theater Dortmund zurückgeht. Wechselnde Besetzungen um Isabel Stahl (Regie, Produktion), Christine Köck (Regie, Dramaturgie, Video, Grafik), Theresa Mielich (Ausstattung) und Lioba Sombetzki (Dramaturgie, Schauspiel, Musik, Assistenz) greifen politische und gesellschaftliche Gegebenheiten auf.

Nein. Also alle Fragen kann man ja sowieso nicht beantworten. Und wir werfen lieber Fragen auf, als dass wir sie beantworten. Es geht ja auch um die Zwischenräume, zwischen den Antworten. Wir denken, wir würden sicher alle sehr unterschiedliche Antworten finden. Da geht es ja eher darum, Möglichkeiten zu zeigen, wie man antworten könnte – für eine wahre Antwort. Und wir versuchen, dafür Gespräche anzuregen. Also liefern wir Material, über das man danach eben reden kann und nicht schon vorher eine Lösung parat hat. Und wir setzen uns gemeinsam damit auseinander.

Und im Grunde genommen geht es – wie immer – um den Sinn des Lebens?
Grob gefasst: ja. Das kann man so sagen. Aber es geht auch private Fragen in einem gesellschaftlichen Kontext: Da sind zwei junge Damen auf dem Weg zum Bachelor und beleuchten deshalb ihr Leben im Umbruch vom Studium in den Beruf. Gleichzeitig suchen sie nach sinnvoller politischer Auseinandersetzung im Hier und Jetzt. Also das Private und das Politische zur gleichen Zeit auf der Bühne. Also bin ich als Privatmensch politisch? Muss ich das sein, will ich das sein, wie gehe ich damit um, wenn ich das sein will, was kann ich dann machen? Und so weiter. Natürlich auch: Wie reagiere ich auf gesellschaftliche oder politische Umstände in meinem Privaten und wie lasse ich mich davon nicht irritieren.

Monty Python haben auch mal den Sinn des Lebens gesucht?
(lachen) Wir haben nicht das Ziel von Monty Python, nein.

Ist „B.A.-Bitches“ nun als Struktur eine Performance oder mehr eine theatralische Aneinanderreihung von einzelnen Szenen?
Also wir sagen immer, das ist eine Stückcollage über den Weg ans Theater und die Frage, was eine Bitch im feministischen Sinne sein könnte. Und es hat auf jeden Fall performativen Charakter, ja.

Aber ist der politische Feminismus nicht wieder auf dem Rückzug?
Wir glauben nicht, dass der Feminismus auf dem Rückzug ist. Gut, vielleicht ist er das einerseits. Aber ich glaube, es gibt andererseits genug Bewegungen – also wir haben deshalb auch Texte von NadjaTolokonnikowa aus ihrem neuen Buch „Anleitung für eine Revolution“ einfließen lassen, und sie befasst sich aktuell ja sehr mit feministischen Ideen. Feministin ist sie, seit sie zehn Jahre alt ist, hat sie da geschrieben. Also diese Haltung als Frau wird es immer geben. Und gleichzeitig gibt es aktuell auch Tendenzen, wo man denkt, ok, das Erreichte ist jetzt wieder im Rückzug. Aber da halten wir jetzt gegen. In Amerika ist der Feminismus auch gerade wieder auf dem Vormarsch, aufgrund des Präsidentschafts-Wahlergebnisses regt sich da sehr viel. Dort war die Bewegung vorher schon sehr aktiv und jetzt werden sie das forcieren, angesichts der Person, die da gerade als Präsident gewählt wurde.

Ist es denn ein Vorteil, wenn man dann mit Nadja Tolokonnikowa auch Pussy Riot zitiert?
Für uns? Das wissen wir noch nicht.

Und für die Zuschauer?
Wir glauben schon, dass man da einiges mitnehmen kann. Das sind ja keine blöden Ideen. Man kennt von Pussy Riot oft nur die großen skandalösen Auftritte. Aber von den Inhalten, die sie eigentlich gedacht haben, weiß man oft nicht so viel. Viele denken immer, das sind doch diese russischen Mädchen in den bunten Klamotten und Masken, die da in der Kirche gegen Putin performt haben. Aber nicht, dass die sich ganz viele gesellschaftspolitische Gedanken gemacht haben und sehr großartige Dinge in einem Land fordern, in dem Frauen momentan unterdrückt werden und das beispielsweise auch extrem schwulenfeindlich ist. Dort ist Gleichberechtigung ein ganz großes Thema aller Menschen und nicht nur der Frauen. Da ist es schon von Vorteil, bei Pussy Riot zu sehen, dass sich da jemand radikal wehrt. Und sie können immer auch selbstironisch sein. Wir finden das auch sehr sympathisch, dass sie sich mit Selbstironie betrachten.

Geht es darum, Politisches im Theater zu machen? Oder muss das Theater selbst politisch sein?
Wir denken, dass Theater generell politisch ist. Und dass selbst in Komödien immer ganz viel Politik steckt. Zumindest in den allermeisten Fällen. Und wir finden schon, dass das Theater die Aufgabe hat, aktuelle Sachen aufzugreifen und politisch zu sein. Dass es nicht nur Unterhaltung ist. Nichts gegen Unterhaltung, aber wir denken, dass das Theater da einen gesellschaftlichen Auftrag hat und für den es auch subventioniert wird. Darüber wird ja auch im Hintergrund viel diskutiert. Dass man ein Stück macht, und was sagt es einem, wenn ich da eine Figur habe und die macht das und das und ist das überhaupt eine politische Aussage, die die gerade tätigt. Und alles passiert in einem öffentlichen Rahmen, weil öffentlich sind Theater ja noch. Das ist ja nicht privat.

Und die anderen Texte, wo stammen die her? Habt ihr auch selber geschrieben?
Die Texte haben wir selbst zusammengestellt. Wir zitieren aus dem genannten Buch von Nadja Tolokonnikowa und arbeiten mit vielen Aphorismen und Zitaten. Teile haben wir auch selbst geschrieben, weil die Grundlage ja diese zwei Frauen sind, die B.A.-Bitches, die gerade ein Theaterkollektiv gegründet haben, und dass die Aufführung ihre erste Performance ist. Das ist der dramaturgische Überbau.

Aber euer Ziel ist das Stadttheater?
Wir sind bereits am Stadttheater, und kommen alle aus dem Stadttheater. Von dort aus haben wir uns eher in die andere Richtung bewegt und uns entschieden, ein freies Theaterkollektiv zu gründen. Natürlich freut sich auch eine freie Gruppe immer, wenn sie vom Stadttheater unterstützt wird. Deshalb gibt es ja auch Programme wie den Doppelpass von der Kulturstiftung des Bundes. Früher gab es immer diese Trennung: Hier ist das Stadttheater und dort ist freies Theater. Ich finde, das existiert heute nicht mehr. Auch nicht unter der Prämisse, dass man sagt, nur die freie Szene macht politisches Theater und das Stadttheater eher nicht. Gerade in Dortmund ist das gar nicht so. Ich komme aus Jena und da gibt es das Theaterhaus Jena, das war schon immer sehr politisch und ist dort das Stadttheater als GmbH. Das sind halt andere Strukturen und die sind an jedem Haus mal besser und mal schlechter. Der größte Unterschied ist einfach die Finanzierung. Also das ist die größte und massive Lücke zwischen Stadttheater und freier Szene.

„B.A.-Bitches“ | R: Isabell Stahl | Fr 27.1.(P), Sa 28.1. 20 Uhr | Theater im Depot Dortmund | 0231 982 23 36

INTERVIEW: PETER ORTMANN

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