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Julian Scholten
Foto: privat

Das Kino gibt es noch

28. Oktober 2020

Zeit für etwas Corona-Eskapismus – Vorspann 11/20

Achtung, dieser Artikel entstand vor Aufsrufung des Lockdowns, Novembertermine entfallen. - Red.

Novemberzeit ist Kinozeit. Doch in diesem Jahr ist auch das leider anders. Die Lichtspielhäuser sind zwar wieder geöffnet, aber so recht ins Kino trauen sich dann doch nur die Wenigsten. Warum eigentlich? Bei den strengen Hygienevorschriften und einer derzeitigen Auslastung von höchstens 20 Prozent, geht das Infektionsrisiko im Kinosaal gegen null. Da birgt der Gang in den Supermarkt tendenziell ein höheres Risiko. Erst kürzlich hat die TU Berlin in einer Studie festgestellt, dass der Kinobesuch mit Blick auf die Aerosolkonzentration ungefährlicher ist als die Arbeit im Großraumbüro. Eigentlich logisch, da im Kino normalerweise nicht gesprochen wird. So scheint Kino tatsächlich relativ sicher zu sein. Man könnte sich also trauen und sich wieder in andere Welten flüchten. Für eine Zeit voller Corona-Eskapismus bietet Kino im November in jedem Fall eine Menge Anreize und ganz vorne mit dabei sind die ersten Filmfestivals, die sich wieder mit Abstand und etwas Umstand auch physisch erleben lassen.

Den Anfang macht die Duisburger Filmwoche, die mit ihrer 44. Ausgabe schon lange eine Institution für den deutschsprachigen Dokumentarfilm geworden ist und dabei den Diskurs zum Film in Anwesenheit der Filmemacher genauso in den Fokus stellt, wie die eher abseitigen experimentellen Mischformen des Dokumentarischen. Es sind politische Arbeiten, die Perspektiven einfangen, die dem Zuschauer weh tun und reflektieren lassen, wie beispielsweise die von Mustapha, der das Essen mit Plastikbesteck bei Abschiebeflügen vorbereitet („first in first out“) oder aber die kindlichen Gesichter und Insassen eines Gefängnisses auf Madagaskar, die sich selbst filmen, inszenieren und dokumentieren, ob ihre Verbrechen oder ihren Alltag im Gefängnis („Fonja“).

Zwischen dem 2. und dem 8. November tritt inmitten der Duisburger Filmwoche auch wieder das „doxs!“ mit Dokumentarischem für Kinder und Jugendliche auf den Plan, während zur fast selben Zeit das Filmfest in Lünen stattfindet, das vom 4. bis zum 7. November 13 aktuelle deutschsprachige Lang- und 6 Kurzfilme mit Filmgesprächen der anwesenden Filmemacher im Programm hat. Darunter bringt Lünen auch kontrovers-problematische Themen auf die Leinwand, wie die Charakterstudie über einen pädophilen jungen Mann in „Kopfplatzen“ oder die Todessehnsucht und Depression der 16-Jährige Maya in „Nothing More Perfect“.

Bunt und vielfältig geht es dann ab dem 18. November weiter, wenn das Endstation Kino zum diesjährigen Blicke Filmfestival lädt, bei dem Filme aller Couleur mit lokalem Bezug zum Ruhrgebiet im Fokus stehen. Und ansonsten? Wer eher krachende Katastrophen-Action als 007-Substitut sucht, dem sei beispielsweise „Greenland“ ans Herz gelegt, in dem die Erde in einen apokalyptischen Kometenhagel gerät. Genug Popcorn-Potential bieten aber auch die kommenden Horrorfilmstarts um das Blumhouse-Reboot von „Der Hexenclub“, die Horrorkomödie „Freaky“ oder aber die Wiederaufführung von George A. Romeros Endzeitzombiehorror „Dawn of the Dead“, der in aufwendiger 4k-Restauration ungeschnitten in die Kinos kommt. Die Anreize für einen Moment der Corona-Flucht im tristen Novembergrau sind also definitiv zur Hand. Nur der Weg ins Kino muss noch selbst bestritten werden.

Julian Scholten

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