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Geht ins Kino, statt sich zuhause über die Oscarverleihung zu ärgern: Maxi Braun
Foto: Marc Krauß

Da geht noch was

29. Januar 2020

Frauen und Film – Bilanz und Ausblick – Vorspann 02/20

2019 war kommerziell betrachtet kein schlechtes Jahr für Filmemacherinnen. Laut einer Studie der „Annenberg Inclusion Initiative“ – ein Think Tank der University of Southern California zur Untersuchung von Diversität – war der Anteil von Regisseurinnen an den 100 kommerziell erfolgreichsten Filmen mit 10,6 Prozent so hoch wie noch nie (2018 waren es 4,6 Prozent). Aber 12 Regisseurinnen standen hier immerhin noch 101 Regisseuren gegenüber (Regieduos inbegriffen). Es geht voran, wenn auch mit sehr kleinen Schritten.

Bleiben wir in L.A. Wie die US-Filmbranche das Jahr 2019 beurteilt, birgt keine positiven Überraschungen. Wenn am 9. Februar die Oscars verliehen werden, können sich mit „Joker“, „Once Upon a Time in Hollywood“, „The Irishman“ und „1917“ zwar gute Filme über die meisten Nominierungen freuen. Aber Frauen kommen hier vor oder hinter der Kamera so gut wie gar nicht vor. In der Kategorie „Beste Regie“ ist keine einzige Regisseurin nominiert, von Diversität über das Geschlecht hinaus ganz zu schweigen. Während in New York ein gebrochener Harvey Weinstein mit Gehhilfe ins Gericht humpelt, liest sich die Liste der nominierten Filme, als hätte es #MeToo, #oscarssomale oder #oscarssowhite nie gegeben.

Wenig paritätisch gaben sich 2019 auch die europäischen Festivals in Cannes oder Venedig. Allein die letzte Berlinale unter Leitung von Dieter Kosslick machte mit der Unterzeichnung des „50:50 by 2020“-Pledge Mut. Das aktuelle Programm der kommenden Berlinale 2020 (20.2.-1.3.) stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Aber die neue Doppelspitze aus Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek hat eine Chance verdient, auch wenn die Wahl von Jeremy Irons zum Jury-Präsidenten unglücklich scheint. Der fiel in der Vergangenheit mit kruden Aussagen über die Ehe für alle, Abtreibung und sexuelle Belästigung auf, für die er sich mittlerweile entschuldigt hat. Das macht ihn auch nicht zum Pariah – aber muss ihm wirklich die Macht einer Jury-Präsidentschaft gegeben werden? Wir dürfen gespannt bleiben, was uns der Sommer in Cannes und Venedig in Sachen Frauen und Film bescheren wird. Gute Nachrichten gibt es aber jetzt schon aus dem Norden: Im isländischen Reykjavik ging im Januar ein neues feministisches Filmfestival an den Start und mit dem Göteborg Filmfestival zog Ende des Monats das erste A-Festival ein Programm mit 50 Prozent Regisseurinnen-Anteil durch.

Filme von und über starke Frauen sind im Februar aber auch in den Kinos präsent. Darunter zum Beispiel die mit Saoirse Ronan, Emma Watson und Meryl Streep hochkarätig besetzte Literaturadaption „Little Women“ von Greta Gerwig (immerhin auch sechsfach oscarnominiert). Wer es rabiater mag, schaut sich „Birds of Prey: The Emanzipation of Harley Quinn“ von Cathy Yan an und Jokers Ex-Freundin bei der Wandlung von einer irren Kriminellen hin zu einer nicht minder irren Wohltäterin zu. Noch härter ist nur „In Search“, in dem die Kölner KHM-Absolventin Beryl Magoko das Trauma ihrer eigenen Genitalverstümmelung aufarbeitet. Oder Sie schwelgen mit „Varda par Agnès“ in Erinnerung an die 2019 verstorbene „Grand-mère de la Nouvelle Vague“ und daran, dass Filmgeschichte schon lange prägende Künstlerinnen zu bieten hat. Spannender als die Oscar-Verleihung im Fernsehen zu glotzen ist das bestimmt.

Maxi Braun

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