Einer der Mitgründer des bereits 1996 initiierten Literaturhauses Köln war am 2. Mai im frisch ins Leben gerufenen Literaturhaus Hernezu Gast: Reinhold Neven Du Mont, der von 1969 bis 2001 den Verlag Kiepenheuer & Witsch leitete, wo er neben dem Bestsellerautoren Günter Wallraff mit Heinrich Böll und Gabriel García Márquez zwei Literaturnobelpreisträger verlegte. Nach Beendigung dieser spannenden Tätigkeit widmet sich Neven Du Mont selbst verstärkt dem Schreiben und liefert in seinem nunmehr vierten Buch unter dem Titel „Mit Büchern und Autoren – Mein Leben als Verleger“ (2016) spannende biografische Einblicke. So berichtet er etwa von einer obskuren Begegnung mit dem damaligen Verteidigungsminister Helmut Schmidt, der 1972 eines Abends plötzlich im Vorgarten auftaucht – just nach der Publikation des politisch gewagten „Schwarzbuchs“ über die Machenschaften des früheren Amtskollegen Franz Josef Strauß.Das Ganze erweist sich als Verwechslung – eigentlich ist Schmidt an jenem Abend bei Reinholds Bruder, dem Kölner Zeitungsverleger Alfred Neven Du Mont, eingeladen…
Eine Signierstunde der besonderen Art stand am 8. Mai in der Filiale der Mayerschen Buchhandlung in Dortmund-Hombruch an, denn der Ruhrkrimi-Autor Thomas Schweres hat nachgelegt: Im 1989 in Dortmund gegründeten Grafit-Verlag, insbesondere bekannt für Krimis mit regionalem Bezug, hat der gebürtige Essener nach „Die Abtaucher“ (2014) und „Die Abräumer“ (2015) mit „Die Abdreher“ (2016) nun seinen dritten Band publiziert. Dieser wirft mit seinem gewagten Plot, der einen kriminellen Mix aus extremistischen Täterkreisen vom IS bis hin zu Neonazis skizziert, eine Reihe Fragen auf. Der hauptberuflich als Fernsehjournalist tätige Autor wagt in „Die Abdreher“ durch den Anspruch größtmöglicher Annäherung der Fiktion an von ihm journalistisch wahrgenommene aktuelle Entwicklungstendenzen einen riskanten kriminalistischen Wurf. Die wenig differenzierte Nebeneinanderstellung extremistischer Täterkreise kann hierbei jedoch als durchaus problematisch wahrgenommen werden.
Kann man im Rückgriff auf das Dunkel der Historie tatsächlich Licht in die Gegenwart bringen? Dies ist eine zentrale Frage, die sich bei der Lektüre des jüngsten Romans des in Wien lebenden Autors und Musikers Alfred Goubran stellt. Mit einem stimmungsvollen Unplugged-Gitarrenkonzert begeisterte er am 12. Mai in Bochum zunächst das Publikum im RottStr5-Theater und legte gleich am nächsten Abend mit einer Lesung in der Goldkante nach. Literarisch hält der Wahl-Wiener in seinem Roman „Das letzte Journal“ (2016) der mitteleuropäischen Gegenwartsgesellschaft den historischen Spiegel einer teils unbewältigten Vergangenheit vor, die vom Mittelalter über die Gräuel des Zweiten Weltkriegs bis hin zur aktuellen politischen Konstellation in Österreich reicht. Was der Roman in seiner Komplexität nur stellenweise emotional erfahrbar machen kann, gelingt Goubran als Musiker exzellent: den Ort und die Jahreszeit etwa im Song „Frühling in Wien“ in seiner subjektiv wahrgenommenen Melancholie zu schildern. Das geht unter die Haut. Musik funktioniert eben anders als Literatur – dies hat die Doppelveranstaltung mit Alfred Goubran eindrucksvoll gezeigt.
Infos zum Literaturhaus Herne: www.literaturhaus-herne-ruhr.de
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