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Das Europaparlament als Bühne: Martin Sonneborn
Foto: Tom Produkt

Mit Spaß-Agitation in den Wahlkampf

08. Januar 2019

„Krawall und Satire“ mit Martin Sonneborn am 6.1. im Schauspielhaus Bochum – Spezial 01/19

Die Gerüchte konnte Martin Sonneborn nur bestätigen, nach dem er die Fragerunde eröffnet hat: Weggefährten von einst engagieren sich heute in der SPD? Das sprach eine Besucherin aus dem Publikum an. Ja, so ist es. Gemeint war Wolfgang „Wölfi“ Wendland. Und der Frontmann der Spaßpunkband „Die Kassierer“ war sogar anwesend an diesem Abend. Erst stand er hinter dem SPD-Wahlkampftisch im Schauspielhausfoyer, später nahm er im Saal Platz, um diesen Mix aus Kabarett und Wahlkampfauftakt zu verfolgen. Als die Rede auf ihn fiel, meldete sich der einstige Kanzlerkandidat der anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands und heutige Sozialdemokrat: „Hier bin ich.“

Sonneborn nahm das routiniert zur Kenntnis, um sich für Wendlands Kandidatur 2017 in der PARTEI zu bedanken. Denn mit ihm habe die Satire-Strömung in NRW einen Prozent erreicht, wie sich Sonneborn erinnerte: „Er ist dann in die SPD gewechselt, um sie auch auf einen Prozent zu bringen.“ Das saß und sorgte natürlich für lautes Lachen im ausverkauften Schauspielhaus.

Hier trat der ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins Titanic an diesem Sonntag im Rahmen seiner „Krawall und Satire“-Tournee auf. Da durften Seitenhiebe gegen die Parteien des Establishments wie SPD, CDU oder AfD natürlich nicht fehlen. Denn vor allem die Sozialdemokraten hängen eng mit der Geschichte der Partei zusammen, deren Vorsitzender Martin Sonneborn ist. „Sturz des Schröder-Regimes“, das war 2004 die Hauptmotivation von Titanic-RedakteurInnen, diese Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative ins Leben zu rufen. Seitdem kämpfen Sonneborn und seine MitstreiterInnen auf der tagespolitischen Bühne mit den Waffen, die sie jahrelang in der Redaktion erlernt haben: Satire. Provokant bis respektlos, egal ob mit Wahlplakaten oder Happenings.

Auf die Highlights dieser „schleichenden Machtergreifung“ blickte Sonneborn in seiner Multimediashow zurück. In dieser Zeit musste seine Partei vor allem juristische Hürden meistern, angefangen bei der Nähe zur Zeitschrift Titanic, die der einstige Wahlleiter als problematisch ansah. Sonneborn hielt natürlich dagegen und verwies, das ein Klüngel zu Meinungsmedien auch bei den etablierten Parteien bestünde: „Vorwärts bei der SPD, der Bayernkurier bei der CSU, Fix und Foxi bei der FDP.“

Rechtsstreitigkeiten zogen aber auch die Wahlplakataktionen der Partei nach sich. Als die NPD ein Wahlplakat ihres Spitzenkandidaten Udo Voigt mit dem Slogan „Gas geben!“ in unmittelbarer Nähe des Jüdischen Museums aufhing, konterte die Satire-Partei mit einer neuen Version. Die Worte blieben. Jedoch zierte nun ein Porträt des damaligen FPÖ-Spitzenkandidaten Jörg Haider neben seinem zerschellten Sportwagen das Plakat. Die NPD witterte Menschenfeindlichkeit und klagte. Die Staatsanwaltschaft bot Sonneborn schließlich an, die Klage fallen zu lassen, sofern er einer Initiative seiner Wahl 300 Euro spende. Im Telefonat äußerte er seinen Wunsch: der Mossad sollte es sein. Das ging natürlich nicht, der Kompromiss war schließlich der jüdische Nationalfond. Und der Staatsanwalt freute sich, das der NPD mitteilen zu dürfen.

Diese Guerilla-Satire praktiziert Sonneborn mittlerweile im Ausschuss für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments, in dem er seit 2014 Mitglied ist. Seitenhiebe gab es auch in dieser Amtszeit. Gegen Günther Oettinger („Können Sie meine Frage auf Englisch beantworten?“) oder Frankreichs Präsident Macron. Aktuell bläst die Partei um Sonneborn zum diesjährigen Europawahlkampf. Hauptthema: die „Remilitarisierung“, die der Spitzenkandidat in der Planung einer EU-Armee sieht. Und warum sei das nun wieder so problematisch, wollte wer aus dem Publikum wissen.„Deutschlands Chefsatiriker“ (Süddeutsche Zeitung) antwortete mal unsatirisch: „Warum gibt es keinen Sozialetat, der auf zwei Prozent hochgeschraubt wird? Warum tut man nichts gegen Armut?“

Benjamin Trilling

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