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Anton Henning, Großes 3-teiliges Stillleben No. 1, 2014, 140x120 cm
© A. Henning, Kunsthalle Recklinghausen

Malen wie der Teufel

30. März 2017

Anton Henning in Recklinghausen – Ruhrkunst 04/17

Was für ein Plädoyer für die Malerei, für ihre unverbrauchte Frische, für ihre Treue zur Tradition und ihre freche Bilderstürmerei! Anton Henning, geboren 1964, der als Maler und Installationskünstler seit langem schon für Aufsehen sorgt, liebt es theatralisch und feierlich. Die Bilder sind in ein tiefes Braun getaucht, teils umfasst von schweren Rahmen und zu sinnstiftenden Gruppen zusammengefasst. Die Säle in der Kunsthalle Recklinghausen sind verdunkelt, nur einzelne Strahler „erhellen“ sie mit Lichtkreisen, die an Heiligenscheine erinnern. Für zusätzliches Schimmern im Raum sorgen Lampenschirme und Leuchttische, auf denen Zeitungsseiten mit handschriftlichen Notizen liegen. Damit verleiht Henning der Ausstellung streckenweise den Charakter einer Studierstube im Verborgenen.

Solche Anspielungen auf Vergangenheit, Geschichte und Kunsthistorie, die plötzlich ins Doppelbödige, auch Humorvolle kippen, gehören überhaupt zum Repertoire von Henning. Dies gilt auch für die Anordnung zu Sequenzen und die Variation der Motive. In der Recklinghäuser Ausstellung betrifft dies vor allem die (so auch betitelten) Porträts, neben denen noch Stillleben zu sehen sind. Sie paraphrasieren oft die Kunstgeschichte, etwa die Altdeutsche Malerei, Matisse, Picabia oder Bacon. Eine verzwirbelte Ahnengalerie der Simpsons ist nahtlos integriert. High und low prallen kontrolliert aufeinander, ebenso wie das Edle, Krude und Abwegige zusammenwirken.

Das funktioniert über ornamentale Verschlingungen und Längungen hin zu Bandwürmern mit Knopfaugen oder Zersplitterungen der Form in die Bildtiefe hinein und doch immer den Aspekt der Augentäuschung betonend. Malerei ist Illusion, sie ereignet sich auf der Fläche und ist schließlich eine Frage des Glaubens, und das ist in dieser Ausstellung sowieso nicht so verkehrt. Schließlich bleibt der Blick auf dem Porträt von Martin Luther hängen, nach dem berühmten Gemälde von Lucas Cranach, dem großen Reformator mit seinen 95 Thesen. Von daher ergibt sich sehr plausibel der Titel der Ausstellung: „95 hypermanische Paraphrasen“: Exzellent!

„Anton Henning – 95 hypermanische Paraphrasen“ | bis 17.4. | Kunsthalle Recklinghausen | 02361 50 19 35

Thomas Hirsch

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