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Möchten sich auf journalistische Stärken rückbesinnen: Wolfram Kiwit, Ralf Geisenhanslüke, Yannick Dillinger und Benjamin Piel; rechts: Moderatorin Nicole Lange.
Foto: Jörg Laumann

Kleine Orte, große News

05. September 2018

Diskussion über die Zukunft des Lokaljournalismus beim Campfire Festival – Spezial 09/18

Lokalzeitungen kämpfen mit sinkenden Auflagen und wachsender Konkurrenz durch soziale Netzwerke und andere nicht-journalistische Formate. Beim Düsseldorfer Campfire Festival gaben sich am 1.9. Vertreter führender Medienhäuser zuversichtlich: Mit tiefergehenden Inhalten und mehr Nähe zur Leserschaft wollen sie den Lokaljournalismus fit machen für die Zukunft.

Dabei, so schilderte es unter anderem Yannick Dillinger, stellvertretender Chefredakteur und Leiter Digitales bei der Schwäbischen Zeitung, spiele die Auswertung von Daten eine zentrale Rolle. Über die Devise „Miss es oder vergiss es“ habe er sich in seiner Anfangszeit geärgert, mittlerweile aber den Wert genauer Nutzungsdaten erkannt. Auch Wolfram Kiwit, Chefredakteur der Ruhr Nachrichten, berichtet davon, dass in seinem Haus ein Digitaldienst aufgebaut werde, der auf Datenanalyse basiere. In diesem Zusammenhang fände ein „Kulturwandel“ in den Redaktionen statt, den man begleiten und strukturieren müsse. „Das ist mitunter ein mühsamer Prozess.“

Die Medienmacher auf dem Panel machten deutlich, dass ihre neuen Strategien für den Lokaljournalismus auch eine Abkehr von dem jahrelang praktizierten Streben nach möglichst vielen Clicks und auch von für den Leser kostenlosen Online-Angeboten darstellen. Im Fokus stehe nun eine möglichst intensive Bindung der Nutzer. „Wir wollen, dass die Menschen länger bei uns bleiben“, erklärte Ralf Geisenhanslüke, Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung. Es gehe auch im digitalen Segment darum, neue Leser zu finden, die zumindest langfristig bereit seien für Inhalte zu bezahlen. Bei der Nutzung seien auch vergleichsweise kleine Click-Zahlen im fünfstelligen Bereich als Erfolg zu werten. „Wenn wir als Vergleich die Auflagenzahlen lokaler Printtitel betrachten, bewegen diese sich ja auch zwischen 6000 und 30.000“, gab Geisenhanslüke zu bedenken.

„Ich bin sehr froh, dass man vom Clickbaiting wegkommt“, kommentierte Benjamin Piel, Chefredakteur des Mindener Tageblatts, „das hat für mich ohnehin wenig mit Journalismus zu tun.“ Die Macher lokaler Medien müssten sich darauf einstellen, dass sich ihre Inhalte weiter verändern. In Anspielung auf den Panel-Titel „Lokaljournalismus reloaded: Brauchen wir noch Schützenfeste?“ nahm Piel die Schützenvereine als Beispiel. Diese und andere würden immer stärker Facebook-Gruppen und ähnliche Plattformen für die Berichterstattung über sich selbst nutzen. „Ich habe den Eindruck, dass viele Lokaljournalisten Angst davor haben, diesen Teil der Berichterstattung zu verlieren“, so Piel. Diese Entwicklung müsse man aber eher als Chance betrachten. „Wir haben dann mehr Raum für das, was wichtiger ist.“

Bei der Gestaltung dieser wichtigen Inhalte für den Lokaljournalismus der Zukunft auf den unterschiedlichsten Plattformen darf es nach Ansicht der Expertenrunde auch eine Rückbesinnung auf früher schon einmal Bewährtes geben. Moderatorin Nicole Lange stellte das Konzept des neuen Düsseldorf-Lokalteils der Rheinischen Post vor, das neben Elementen wie Facebook und Podcast auch die Stärkung klassischer Elemente wie Stadtteilseiten beinhaltet. „Wir besinnen uns darauf zurück, was wir mal gelernt haben“, betonte auch Kiwit. Der Lokaljournalismus stehe bei den Ruhr Nachrichten nun eindeutig im Vordergrund. Neu sei dabei der Ansatz, mit den Inhalten viel mehr in die Tiefe zu gehen. Damit gehe auch eine Trendwende in der personellen Ausstattung einher. „Wir müssen mehr Aufwand betreiben, wir brauchen mehr Kollegen in größeren Lokalredaktionen“, sagte der Chefredakteur und erntete dafür dezenten Szenenapplaus. Insgesamt zeigte er sich bemüht, eine positive Grundstimmung zu vermitteln. In der jüngeren Vergangenheit sei über den Lokaljournalismus gerade auf Kongressen eher in Molltönen gesprochen worden. „Es könnte wieder mehr Dur sein“, befand Kiwit, „die Zeiten sind danach.“

Jörg Laumann

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