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Die Vorstellung des A-Cinema-Projektes.
Foto: Lisa Mertens

Gefangen in Digitalisierung und Kommerzialisierung

16. Dezember 2012

8. Bundeskongress der Kommunalen Kinos im Dortmunder U - Filmwirtschaft 12/12

Dortmund, 08.12. - Der zweite Tag der Bundeskonferenz der Kommunalen Kinos legte die Möglichkeiten sowie die Probleme der Kinos offen. Wie meistens liegen die Probleme bei den Finanzen, die Möglichkeiten in Kreativität und Eigeninitiative. Doch manchmal scheinen jegliche Möglichkeiten an den Finanzen zu scheitern. Unter den Kommunalen Kinos befinden sich etliche, die die Digitalisierung noch immer nicht vollzogen haben. Wer zu klein ist, zu wenig Besucher verzeichnet und zu wenig Umsatz macht, fällt nicht unter die Kriterien, die die FFA für die finanzielle Unterstützung fordert. Die Umrüstung auf digitale Technik scheint jedoch unausweichlich zu sein, einige aktuelle Filme sind bereits nicht mehr auf den altehrwürdigen 35mm erhältlich.

Heiko Sparenberg vom Frauenhofer Institut Erlangen beschäftigt sich seit Jahren mit Kinotechnik. Im Kinosaal Dortmunder U stellte er das System der „DCI - Digital Cinema Initiatives“ vor, die sieben Hollywood-Majors zum Standard für digitales Kino zu etablieren suchten und sich damit auch mittlerweile durchgesetzt haben. „DCI“ selbst meint daher kein Datenformat, wie oft fälschlicherweise angenommen wird, soll aber einen Formatdschungel und Kompatibiltätsprobleme verhindern. Sparenberg erklärte, wie digitale Filme an die Kinobetreiber übermittelt werden, wie sie kodiert und dekodiert werden, um der Piraterie entgegenzuwirken. Für die Kommunalen Kinos stellte sich aber vielmehr das Problem, dass die Anschaffung eines Projektors, der dem DCI-Standard entspricht, sich auf Kosten von über 60.000€ belaufen. Eine mögliche Lösung dafür scheint sich anzubahnen: Stephan Wein, Veit Geldner und Sven Wörner von der Kinemathek Leipzig stellten das A-Cinema-System vor. Es handelt sich dabei um einen leistungsstarken Rechner, der mit einer von Stephan Wein in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut entwickelten neuen Software ausgestattet ist und in der Lage ist, verschlüsselte digitale Filme zu dekodieren und mittels eines Beamers auf eine Leinwand zu produzieren. Im Test zeigte sich im Vergleich zu einem gewöhnlichen Digitalprojektor, dass das Bild leichtes Rauschen aufweist. Heiko Sparenberg und Stephan Wein verwiesen jedoch darauf, dass dies an der Verbindung läge und mit einem HDMI-Kabel diese Probleme nicht aufträten. Das neue System stieß bei den Kommunalen Kinos auf Interesse. Sie lobten die Entwickler, dass sie ihre freie Zeit so engagiert und kreativ für die Kinos einsetzen würden. Trotz allem blieb immer noch die Frage nach der Finanzierung. Auch wenn es sich um einen deutlich geringeren Betrag handeln würde, wäre er für die meisten Kinos nicht zu leisten. Hier müsste die FFA auf die Kinos zugehen.

Als nächstes stellte Hans Hauptstock vom WDR die Archive des Fernsehsenders vor. Festzustellen war, dass die Archivierung des Filmmaterials ein langer, komplizierter Prozess ist und dass die Archive voller interessanter Materialen für Filmreihen sind. Von USIS-Filmen der 50er Jahre, Filme einer amerikanischen Behörde, die für die Vermittlung des "richtigen" Demokratieverständnis zuständig war, bis hin zu Filmen über die Brauereikultur im Ruhrgebiet - das WDR-Archiv ist eine Schatzgrube. Doch war gerade das Interesse geweckt, wurde es zugleich zerstört: Die Lizenz für ein einziges Medium reicht von 250€ bis über 1000€. Für eine Filmreihe oder einen Themenabend wäre dies eine unglaublich hohe Summe. Zum Vergleich: Ein gewöhnlicher Film bei einem gewöhnlichem Filmverleih liegt die Mindestgarantie bei 100€ bis 130€ plus etwaige Filmmiete von ca. 40% der Einnahmen, falls die Mindestgarantie überschritten wird. Pro Spielwoche. Warum also sollten Kommunale Kinos, die doch auch öffentliche Aufgaben übernehmen, diese wegen einer Kommerzialisierung des Filmguts nicht wahrnehmen könnten, war der Vorwurf. Hans Hauptstock, der sichtlich bemüht war, auf die Kinos einzugehen, versprach, dies an die Verantwortlichen beim WDR weiterzugeben.

LISA MERTENS

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