Für Fred (Alexandra Lamy) läuft es gerade nicht so prächtig. Ihr Mann ist ausgezogen und will die Scheidung, ihre Tochter begegnet ihr mit offener Ablehnung und vom Schuldienst ist sie suspendiert worden, weil sie eine Schülerin geohrfeigt hat. Auf der Suche nach einer neuen Perspektive landet die angeschlagene Lehrerin bei einem Verein, der straffällig gewordene Jugendliche auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft begleitet. Eine der Maßnahmen besteht darin, die Jugendlichen unter strengen Auflagen auf eine Pilgerreise nach Santiago de Compostella zu schicken. Hierfür sucht der Verein Betreuer:innen. So kommt es, dass Fred und der bereits mehrfach straffällige Jugendliche Adam (Julien Le Berre) in die Wanderstiefel steigen, ihre Rucksäcke schultern und zusammen den Jakobsweg gehen – ohne jede Wandererfahrung, aber mit viel emotionalem Ballast. Alexandra Lamy und Julien Le Berre tragen Yann Samuells „Die Camino Therapie – Finde Deinen Weg“ hervorragend. Die wachsende Verbundenheit zwischen dem ungleichen Wanderduo wirkt glaubwürdig, weil sie auf gemeinsamen Anstrengungen beruht, vor allem aber auf dem Gemeinschaftsgefühl, das durch das Erleben entscheidender Momente in ihrem Leben entsteht. Das Wandern wird zu einem Mittel der Erkenntnis und der Verwandlung. Auch visuell ist der Film ein Genuss. Das liegt u.a. an der Drohnenkamera des Filmemachers, der die Landschaften hervorragend in Szene setzt. Gedreht wurde in der Region Haute-Loire, insbesondere in Le Puy-en-Velay, dem Ausgangspunkt des Jakobswegs.
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