
A Long Way Down
Großbritannien, Deutschland 2013, Laufzeit: 96 Min., FSK 6
Regie: Pascal Chaumeil
Darsteller: Pierce Brosnan, Toni Colette, Imogen Poots, Aaron Paul
>> www.alongwaydown.de/
Gelungene Tragikomödie
Freunde fürs Leben
„A Long Way Down“ von Pascal Chaumeil
Es ist Silvesterabend, und Martin Sharp (Pierce Brosnan) beschließt, vom hohen Dach eines Bürohauses in London zu springen. Er entzündet gerade seine Abschiedszigarre, da lauert eine Frau namens Maureen (Toni Collette) hinter ihm und fragt: „Brauchen Sie noch lang?“ Wenig später stehen mit der achtzehnjährigen Jess (Imogen Poots) und dem Pizza-Lieferanten JJ (Aaron Paul) insgesamt vier Selbstmordkandidaten beisammen und vereiteln einander den Sprung in den Tod. Vorerst. Eine Ausgangslage, aus der man eine Tragödie spinnen könnte oder eine überdrehte Klamotte. Es ist der literarischen Vorlage von Nick Hornby („High Fidelity“) zu verdanken, dass dieser Film den gesunden Mittelweg findet. So tauschen sich die vier Freitodgeweihten über ihre Beweggründe aus und schließen einen Pakt: Zum Valentinstag in sechs Wochen wollen sie sich zum kollektiven Suizid wieder auf dem Dach treffen, bis dahin aber legt jeder seine Selbstmordpläne zur Seite. Als die Medien von dem Vertrag Wind bekommen und die Sache ausschlachten, schweißt das die Schicksalsgefährten noch mehr zusammen. Und bietet ihnen Raum, den Motor ihrer Todessehnsucht genauer nachzuvollziehen. Während Martin nach einer Affäre mit einer Minderjährigen seine Fernsehkarriere und die Ehe in den Sand gesetzt hat, ist es bei Maureen Hilflosigkeit und das Gefühl, das Leben zu versäumen. Jess hatte Liebeskummer, JJ hat einen Gehirntumor. Doch all das ist noch nicht alles.
Der französische Regisseur Pascal Chaumeil überzeugte zuletzt mit der inspirierten Slapstick-Komödie „Der Nächste, Bitte“. Auch mit „A Long Way Down“ gelingt die Verknüpfung von Leichtigkeit und Tiefgang. Nur weniger albern. Chaumeil sucht unangestrengt die Gratwanderung hin zur Tragikomödie, was uns Tränen in die Augen treibt und ein Lächeln ins Gesicht. Das mag auf Kosten des Tiefgangs gehen, die ein Werk über vier Selbstmordkandidaten einfordern darf, und ja, dieser Film ist kein Drama, das Psychogramme liefert. Wohl aber einen Film, der seine Charaktere ernst nimmt und mit deren Schicksal und mit jener besonderen Bindung zu berühren vermag.
Die tragische Komödie wird nicht zuletzt getragen von ihren vier Hauptdarstellern. Während Toni Colette noch solide die Mutter spielt, die das Leben verpasst, entlockt Pierce Brosnan seinem gedemütigten Charakter-Ego geradezu hysterisch Trotz ab, dass es mitunter an die Farce gereicht und eine Freude ist. Vor allem aber sind es die beiden Nachwuchsdarsteller, die in diesem Drama haften bleiben. Imogen Poots als kluge, trotzig zynische Achtzehnjährige, die eine tiefe Traurigkeit in sich birgt. Und Aaron Paul, dessen Figur seinen wahren Schmerz erst gar nicht zu definieren imstande ist und sich dabei zusehends verliert. Sowohl Poots als auch Paul spielten gerade gemeinsam in „Need for Speed“, in dem sie angesichts dieses Dramas sichtlich unterfordert agierten. All das birgt Hoffnung.
(Hartmut Ernst)

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