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Kostümiert auf dem Rad
Foto: Marek Firlej

Die Zeit der Autostädte ist vorbei

30. August 2020

Demo des Bündnisses Radwende Bochum: „Bochum steigt auf’s Rad“ – Spezial 09/20

>Das Fahrrad soll ein Verkehrsmittel für alle werden. Für dieses Ziel rollte am 29. August eine Fahrraddemo durch Bochum. Nach Angaben der Organisatoren des Aktionsbündnisses Radwende Bochum nahmen knapp 300 Radfahrer teil, waren bei der kurzen Eröffnungskundgebung am Rathaus zugegen, radelten in einem mindesten 600 Meter langem Zug rund um die Innenstadt und fanden sich schließlich zu einer weiteren lockeren Kundgebung am Schauspielhaus ein.

Bochum ist eine Stadt im Klimanotstand. Zumindest hat der Rat der Stadt diesen bereits im Juni 2019 ausgerufen. Geschehen ist seither wenig. Allerdings nicht nichts. Die Fahrraddemo begann mit optimistischen Worten. Denn Dominik Balde von der Initiative Radwende Bochum eröffnete mit der Feststellung, dass Radwege in der Stadt durchaus gebaut würden. Aber es müsse noch viel mehr geschehen. Die Stadt will den Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege auf 25 Prozent erhöhen. Aber dann, so Balde, müsse auch „drei Mal so viel Geld für den Radverkehr her“.

Davor aber scheuen sich viele Lokalpolitiker Bochums immer noch. „Es gibt Leute im Rat, die Angst haben, dass die Wirtschaft zusammenbricht“, wenn man den Radverkehr fördere, so Gerlinde Ginzel vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Die autogerechte Stadt sei eine Dystopie, sagt sie und erntet Applaus in Form von Fahrradklingeln. Doch es gehe bei einer Mobilitätswende nicht darum, Autos komplett zu verdrängen. Die Zukunft sei ein respektvolles und sicheres Miteinander, denn wer aufs Rad um- bzw. aufsteige, schaffe schließlich mehr Platz für diejenigen, die das Auto wählen. Außerdem sei „seit den 80er Jahren“ aus anderen Städten belegt, dass mehr Radverkehr mehr Umsatz im Einzelhandel bedeute. Wer mit dem Fahrrad zum Einkaufen kommt, kauft zwar weniger ein pro Besuch, komme aber öfter.

Jürgen Eichel vom VCD (Verkehrsclub Deutschland e. V.) bereitete auf die Kommunalwahl vor, indem er ein Ratespiel mit den Anwesenden veranstaltete. Er verlas verkehrspolitische Wahlversprechen und die Leute durften raten, welche Partei dahintersteckte. Er ermunterte, sich insbesondere diese Punkte in den Wahlprogrammen durchzulesen und dann entsprechend sein Kreuzchen am 13. September zu machen, bevor er die Demo als „machtvolles, kreatives Zeichen“ auf ihren Zug entließ.

Denn unter den etwa 300 Teilnehmern bildete sich eine bunte Vielfalt ab: junge und alte Menschen, Männer und Frauen, Kinder und Senioren; Klappräder, Mountainbikes, Hollandräder, Pedelecs und Lastenräder fuhren einmal rings um die Innenstadt. Einige Demonstrationsteilnehmer waren verkleidet: Preise winkten für die besten Kostüme.


Meinungsaustausch vor dem Schauspielhaus, Foto: Marek Firlej

Am Platz vor dem Schauspielhaus fand schließlich bei aufgeklartem Himmel die „Podiumsdiskussion“ statt. Kontroverse Meinungen gab es dabei keine, es erzählten etwa Vertreter der Radentscheide Marl (Ludger Vortmann) und Essen (Claudia Harfst), wie sie mittels Unterschriftensammlungen den Bürgerwunsch nach einer nachhaltigeren Mobilitätspolitik aufs Tapet der Bürgermeister brachten. „Yes we can“ riefen die noch anwesenden Radfahrer. Ja, auch in Bochum ginge das. Und so scheint die Radwende Bochum, ein Bündnis von 15 Initiativen, fest entschlossen, ebenfalls einen Radentscheid in Bochum durchzuführen. Anne Koltermann von der Radwende benannte konkrete Forderungen, die in Bochum dafür umgesetzt werden könnten: Tempo 30 in großen Teilen des Stadtgebietes, da dies das Unfallrisiko nachweislich senke, sei eine Maßnahme; am Ring und den Magistralen sichere, breitere Fahrradwege zu bauen sei eine weitere. Die Mehrheit der Anwesenden hat der Fahrradsituation in Bochum die Note Fünf gegeben, gefolgt von einigen Vieren, selbst für die Note Sechs, „Fahrradhölle“, gab es Zustimmung. Vereinzelt hoben sich die Hände aber auch bei Gut und Befriedigend.

Da am selben Tag eine umstrittene Corona-Demo in Berlin stattfand, sei hier auch noch ein Wort zu den hygienischen Zuständen verloren: In Bochum trugen die meisten Teilnehmer Masken. Abstände wurden problemlos eingehalten. Nicht mehr als 10 Menschen in einem, auf dem Boden eingezeichneten, Viereck. Radfahren ist gut für die Gesundheit.

Marek Firlej

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