Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

12.560 Beiträge zu
3.788 Filmen im Forum

Anne Milek erforscht, wann Handys Beziehungen stören
Foto: © Universität Witten/Herdecke

Dein Freund, das Handy

26. September 2023

Teil 1: Lokale Initiativen – Forschung zur Smartphone-Nutzung in Beziehungen an der Universität Witten/Herdecke

Der Gesprächspartner antwortet nicht, der Blick geht nur auf das Display. Eine Situation, die vermutlich jeder schon mal erlebt hat. „Phubbing“ wird so eine Handynutzung in der Wissenschaft genannt – eine Zusammensetzung aus der englischen Wörter „phone“ (Telefon) und „snubbing“, was so viel wie brüskieren bedeutet.

Was alltäglich klingt, kann negative Folgen für das Sozial- und Beziehungsleben haben, darauf deuten erste Studien hin.Mit Phubbing und dessen Auswirkungen beschäftigt sich auch Anne Milek, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Witten/Herdecke.„Mal ist das Smartphone störend, mal nicht, mal kann es auch Teil der Interaktion sein. Es geht nicht darum, den Teufel an die Wand zu malen“, so die Forscherin. Ab wann der Blick aufs Handy als unangemessen wahrgenommen wird, ist subjektiv sowie situationsabhängig.Phubbing bezieht sich jedoch auf den Ausschluss von Partnerin oder Partner durch das Handy, also auf das Handy als Störfaktor.

Mit dem Handy mithalten

Wer aufs Handy blickt, schließt seine Gegenüber aus. Das kann negative Emotionen hervorrufen, auch Wut oder Ärger. „Das Smartphone hat ein unglaublich hohes Ablenkungspotenzial“, sagt Milek, „da muss ein Gegenüber erstmal mithalten können“. Für eine Beziehung kann das Folgen haben. So könne das soziale Gefüge Schaden nehmen, für beide Seiten. Dabei lassen sich manche schneller ablenken als andere. Charaktereigenschaften wie Selbstkontrolle, eine Neigung zu Suchtverhalten oder etwa die Angst, etwas zu verpassen, spielen eine Rolle.

Auch langfristig kann Phubbing Paarbeziehungen verschlechtern. Allerdings ist die Forschung noch nicht weit fortgeschritten. Inwiefern sich Unzufriedenheit mit der Beziehung auf Phubbing zurückzuführen lässt, gilt es noch zu klären. „Viele Studien sind korrelativer Art“, so Milek. Sie stellen also nur einen Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit mit der Beziehung und Smartphone-Nutzung her. Geklärt ist damit noch nicht das „Henne-Ei-Problem“, also die Art und die Richtung des Zusammenhangs. Sind Paare etwa unzufriedener, weil sie öfters unangebracht das Handy nutzen? Oder schauen sie öfters auf das Handy, weil sie unzufrieden mit der Beziehung sind? Das gelte es noch zu klären, so die Professorin. Naheliegend sei die Annahme, dass es in beide Richtungen geht.

Entgiften

Jeder sollte sich selbstkritisch hinterfragen, wie er oder sie mit dem Handy umgehen möchte, um nicht die Botschaft zu senden, „das Handy ist mir wichtiger als Du“. Da kann es durchaus helfen, das Handy einmal komplett wegzulegen oder bei wichtigen Gesprächen auszuschalten. „Gemeinsame Absprachen mit dem Partner oder innerhalb der Familie sind hier wichtig“, so Milek. Ein Trend geht jedoch auch zum gänzlichen Verzicht. Beim „digital detox“ („digitales Entgiften“) wird über einen längeren Zeitraum komplett das Handy verbannt. Eindeutige Belege, dass dies helfe, gebe es laut Milek bisher nicht. Manche Studien legten gar einen Kompensationseffekt nahe, der die digitale Auszeit also nachholt.

Ihren Beitrag zur Forschung wollen Anne Milek und ihr Team mit der bereits 2022 begonnenen Smartphone-Studie leisten. Sie begleitet Paare über einen kurzen Zeitraum und untersucht unter anderem ihre Smartphone-Nutzung im Alltag. Für die laufende Studie werden noch teilnehmende Paare gesucht.


DIGITAL UNVERBUNDEN - Aktiv im Thema

aktiv-gegen-mediensucht.de | Der Verein Aktiv gegen Mediensucht setzt sich ein für die „Entstigmatisierung, Prävention, Vernetzung, Beratung und Therapie von Mediensucht“.
ausstellung-neuland.de | Der Expotizer der zurückliegenden Ausstellung „#neuland: Ich, wir und die Digitalisierung“ fasst spielerisch Aspekte der Digitalisierung zusammen.
caritas.de/hilfeundberatung/sucht/haeufig-gestellte-fragen-zu-medien-und-h | Ein kompakter Überblick der Caritas über Fragen zu Medien- und Handysucht.

Fragen der Zeit: Wie wollen wir leben?
Schreiben Sie uns unter meinung@trailer-ruhr.de

Leo Thomann

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Furiosa: A Mad Max Saga

Lesen Sie dazu auch:

Bloß kein Erbarmen
Intro – Digital unverbunden

Die Messenger-Falle
Teil 1: Leitartikel – Zwischen asynchronem Chat und sozialem Druck

„Häufig eine völlig falsche Vorstellung des ‚echten Lebens‘“
Teil 1: Interview – Psychologin Anna Schneider über Freundschaft in Zeiten der Digitalisierung

Kult der Lüge
Teil 2: Leitartikel – In den sozialen Netzwerken wird der Wahrheitsbegriff der Aufklärung auf den Kopf gestellt

„Das eigene Bauchgefühl hat noch nie gereicht“
Teil 2: Interview – Medienwissenschaftler Michael Seemann über Täuschungen durch KI

Wissen über KI fördern
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Kölner Wissenschaftsrunde

Champagner vom Lieferdienst
Teil 3: Leitartikel – Vom Unsinn der Debatte über die junge Generation

„Junge Menschen sind gesucht und begehrt“
Teil 3: Interview – Arbeitsmarktforscher Ulf Rinne über neue Herausforderungen bei der Berufswahl

Wer bin ich?
Teil 3: Lokale Initiativen – Johannes Wilbert begleitet Menschen bei ihrer Suche nach dem passenden Beruf

Digitalisierung für alle
Technischer Wandel und Inklusion – Europa-Vorbild: Dänemark

Gemeinsam einsam
Die Kunst, nebeneinander zu sitzen und Welten entfernt zu sein – Glosse

Lokale Initiativen

Hier erscheint die Aufforderung!