Der WDR sprach vom „Dortmunder Skandal-Gottesdienst“, als eine Predigt auf Erotik zu sprechen kam. Das geschah 2003, als Pfarrer Friedrich Laker das Hohe Lied Salomons mit ästhetischen Aktfotografien illustrierte. Sinnlichkeit in der Kirche? Ein Tabubruch! Gott will Sex nur, wenn Kinder dabei gezeugt werden. Jesus wurde gar von einer Jungfrau geboren. Wer’s glaubt, wird selig? Friedrich Laker findet, dass es höchste Zeit wird, das sperrige Vokabular biblischer Verse aus seiner metaphorischen Überfrachtung zu befreien. Gott, das ist kein Mann mit weißem Bart, der von einer Wolke aus milde lächelnd zusieht, wie wir Weihnachtsgeschenke kaufen, Stoßgebete an ihn richten oder uns unterm Tannenbaum besaufen. Gott ist alles, was die Welt zusammenhält, und deswegen zeigt Laker auch jeden Dortmund-Tatort in der Pauluskirche.
Via Computerspiel zur Geburt Jesu
Für den WDR war das ein gefundenes Fressen: Mord- und Totschlag in der Kirche! Auch Zeitungen sprangen sofort darauf an. Laker hatte bis zu diesem Tatort selten erlebt, dass seine Vorankündigungen in der Presse so beachtet wurden. Von Castrop-Rauxel bis Recklinghausen wies man auf die Veranstaltung hin. In letzter Minute musste der Pfarrer umdisponieren und die große Leinwand direkt vor dem Altar neu aufbauen, so viel Publikum fuhr zum Teil extra nach Dortmund, extra in die Pauluskirche und nicht ins Stadion oder in die Thier-Galerie, wo der Krimi auch gezeigt wurde. Von außen altehrwürdig, gibt sich das Programm im Inneren der Pauluskirche alles andere als konventionell und typisch, von Konzert mit Sektempfang bis Comedy samt Bio-Bratwürsten. Klar, dass hier auch der Gottesdienst alles andere als normal abläuft: „Talk to heaven“ ist eine Reihe, die viermal jährlich aktuelle und brisante Themen aufgreift und musikalisch, schauspielerisch, kabarettistisch inszeniert. Ein großes Team an Ehrenamtlichen trifft sich dafür im Vorfeld zu mehreren Brainstormings, findet einen roten Faden, spinnt darum selbst erdachte Geschichten, bringt diese zur Aufführung. Beim Publikum kommen die „Erlebnisgottesdienste“ so gut an, dass Laker das Konzept auf andere Veranstaltungen ausgedehnt hat. Weihnachten eignet sich da vortrefflich. Der 52Jährige schreibt dieses Jahr das 15. Theaterstück extra zum Heiligen Abend. Einstudiert wird es gerade mit jugendlichen und erwachsenen Schauspielern. Die sagenumwobene Geburt Jesu wird dabei jedes Mal unterschiedlich und jedes Mal absolut andersartig nachgespielt. Landeten letztes Jahr drei Jungs mittels eines abgefahrenen Computerspiels mitten im Stall, gerade als die Soldaten des Herodes den neugeborenen Jesus erstechen wollten (frei hinzuerfunden, könnte aber auch wahr sein!), wird es dieses Jahr zu einer heilsamen Begegnung zwischen der 16jährigen Jana und Maria kommen. Man darf gespannt sein auf den 24.12. um 14.30 Uhr.
www.pauluskircheundkultur.net
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