Da stehe ich nun also. Ich habe soeben im Chor mit 400 Menschen zweimal voller Inbrunst die erste Strophe der „Ode an die Freude“, auch bekannt als Europahymne, gesungen. Jetzt halte ich Händchen mit zwei Fremden und versuche als Glied einer Menschenkette nicht auf den Rasen zu latschen, der den Essener Hirschlandplatz umfasst. Anlass ist die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“, die seit einiger Zeit immer sonntags in mehr als 50 europäischen Städten Kundgebungen organisiert. Es wird nicht gegen etwas, sondern für ein geeintes, friedliches und solidarisches Europa der offenen Grenzen und Herzen demonstriert. Klingt kitschig, ist aber ein erhebender Moment. Keine Parolen, lediglich Menschen, die an eine Idee glauben und eine Gemeinschaft bilden. Wie nachhaltig und wirksam das ist, wird sich zeigen. Geplant sind die Demos bis zur französischen Präsidentschaftswahl.
Das Superwahljahr beeinflusst auch unser Monatsthema ZUKUNFT JETZT. Wir beschäftigen uns mit der Verfasstheit unserer parlamentarischen Demokratie und sprechen mit RENATE KÜNAST über den effektivsten Umgang mit Populisten. Ansonsten halten wir es mit Hagen Rether, der einmal sagte „Wählen gehen ist wie Zähne putzen. Wenn man es nicht macht, wird’s braun“.
Weitere Texte zum Thema lesen Sie bei unseren Partnermagazinen choices (Schwerpunkt: Basisdemokratische Bewegung; Interview mit Ekaterina Degot, Kuratorin der Akademie der Künste der Welt) & engels (Schwerpunkt: Demokratie im Digitalzeitalter; Interview mit Ex-Piratin Marina Weisband).
Vor der Wahl Montague oder Capulet stehen seit rund 400 Jahren ROMEO UND JULIA. Marius von Mayenburg inszeniert am Schauspielhaus Bochum den Klassiker zwischen Gender-Wirrwarr und Kino-Ästhetik, modernisiert und im Kern doch noch immer Shakespeare. Eine bitterböse und trotzdem humorige Dekonstruktion unserer heilen Wohlstandswelt ist Philipp Löhles neues Stück SCHLARAFFENLAND, das bei den Ruhrfestspielen Deutschlandpremiere feiern wird. Wir treffen den Autor zum Interview. Im Musiktheater im Revier ist die Oper DIE PASSAGIERIN mit einer originellen Partitur und einem exzellenten, sorgfältig dirigierten Orchester zu sehen, nach dem autobiografischen Roman der Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz-Piasecka.
Die Zeitzeugin und Autorin war auch im ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE zu Gast, wo sich ab 1.4. alles um das KUNSTWERK LEBEN dreht. Über die Verbindung von Medizin und Kulturgeschichte, Kunst als Überlebensmethode und Supermans Ursprünge im Lehm sprechen wir mit Kurator Jürgen Kaumkötter. Für die zeitlose Aktualität des Mediums Malerei steht MAKI NA KAMURA mit ihren fetzenartigen, abstrakten Farbflächen, die sich wie Collagen ineinander verzahnen. Die Schau „Steine legen, Äpfel essen“ im Osthaus Museum Hagen wird auch junge Menschen begeistern.
Begeistert sind wir auch von unserem Film des Monats DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG. Der zweite Teil von Aki Kaurismäkis Flüchtlings- und Hafen-Trilogie ist typisch melancholisch durchtränkt, konzentriert sich aber auf die hoffnungsvollen Nachrichten. Für den Roten Teppich haben wir mit David Oyelowo über seine Rolle in A UNITED KINGDOM, eigene Diskriminierungserfahrungen und den Dreh mit der eigenen Frau gesprochen.
Hier geht’s zum E-Paper.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Am Wendepunkt
Die Filmstarts der Woche
Strukturen der Lebenswelt
Carl Grossberg im Wuppertaler Von der Heydt-Museum – Kunst in NRW 05/26
Geschenkte Freizeit
Teil 1: Lokale Initiativen – Die Agentur Wake Up Communications Düsseldorf
Schrott im Museum
Ausstellung über Abfallentsorgung im Dortmunder U – Ruhrkunst 05/26
Erfolge in dürren Zeiten
7. Circus Dance Festival in Köln – Tanz in NRW 05/26
Kurz frei
Arbeit schläft nie. Auch ihre Jünger nicht – Glosse
Liebe gegen Perfektion
Uraufführung von Sarah Nemtzovs Oper „Wir“ in Dortmund – Oper in NRW 05/26
„Zurücklehnen und staunen“
Kurator Christian Höher über „Origins – Die Schönheit des Lebens“ im Wuppertaler Visiodrom – Interview 05/26
„Je länger ein Arbeitstag dauert, desto unproduktiver wird er“
Teil 1: Interview – Gewerkschafter Stephan Krull über kürzere Arbeitszeiten und gesellschaftliche Teilhabe
Haare zu lang, Röcke zu kurz
„Swinging Cologne“ von Stefan Winges – Textwelten 05/26
Vertrauen durch Bildung
Was tatsächlich gegen Arbeitslosigkeit hilft – Europa-Vorbild Dänemark
Altes Thema neu erzählt
„Picture a day like this“ an der Oper Köln – Oper in NRW 05/26
Die kleinen Erfolge feiern
Brookln Dekker in Bochum – Musik 05/26
Kein schöner Zug
Holgers letzte Worte – 05/26
Klassenkampf von oben
Teil 1: Leitartikel – CDU und SPD wenden sich gemeinsam gegen arbeitende Menschen
„Es geht vor allem um Selbstermächtigung“
Regisseur Markus Schleinzer über „Rose“ – Gespräch zum Film 05/26
„Kunst kann helfen, auf die Welt zu reagieren“
Intendant Olaf Kröck über die Ruhrfestspiele Recklinghausen 2026 – Premiere 05/26
Abstieg in die Fleischerei
„Faulender Mond“ am Essener Grillo-Theater – Prolog 05/26
„Lebensverläufe, die wenig Beachtung gefunden haben“
Kuratorin Meta Marina Beek über „Die Kids sind nicht Alright!“ im Bochumer MUT – Sammlung 05/26
Kino als Diskussionsraum
Wissenschaft, Klima und Gespräch – Vorspann 05/26
Die Hose als Freiheit
NRW-Premiere von „Rose“ im Düsseldorfer Cinema – Foyer 04/26
Reise in die 20er
Pianist Olli Mustonen im VdH-Museum und in der Historischen Stadthalle – Musik 04/26
Meeresbewohner zum Anfassen
„Zusammenstecken und Entdecken: Meerestiere“ von Abigail Wheatley – Vorlesung 04/26
Der Plan des Bösen
„Freischütz“ an der Bonner Oper – Oper in NRW 04/26
Kein Märchen von übermorgen
„1984 – Dystopie 2.0“ am Düsseldorfer Central 1 – Prolog 04/26