Allmählich ebbt die Flut an Rückblicken und Schmähreden auf 2016 ab. Wort („postfaktisch“) und Unwort („Volksverräter“) des Jahres werden uns aber noch durch 2017 begleiten. Passend dazu ist US-Präsident Donald Trump (klingt noch immer wie ein richtig mieser Scherz) laut Time Magazine „Mann des Jahres“ und befindet sich mit diesem Titel in so illustrer Gesellschaft wie der von Hitler (1938) oder Stalin (1939/1942).
Vielleicht versuchen wir einfach noch einen Neustart und richten den Blick lieber auf Vogel (Waldkauz), Fisch (Flunder), Insekt (Gottesanbeterin) oder Einzeller (Choanoflagellat) des Jahres. Aber sogar hier warten Enttäuschungen: Wildtier des Jahres ist mit der Haselmaus ein Nager, der biologisch eigentlich zur Familie der Bilche gehört und ergo: eine Fake-Maus ist. Zufall?
Wenn die Realität voller Fake ist, entfliehen wir ihr doch lieber, geistig und körperlich. Dass WELTFLUCHT nicht unproduktiv sein muss, zeigt unser Monatsthema und versucht sich an einer Rehabilitation des Eskapismus. Hierzu sprechen wir mit (Reise)Blogger und Autor Patrick Hundt über das Reisen und die Rückkehr in den Alltag.
Lesen Sie weitere Texte zum Thema auch in unseren Partnermedien choices (Schwerpunkt: Karriereflucht; Interview mit Anselm Lenz vom Karriereverweigerungszentrum Haus Bartleby) und engels (Schwerpunkt: Eskapismus klassisch in Drogen oder virtuelle Welten; Interview mit Mediensoziologe Florian Muhle).
Alltäglich an den Bühnen ist auch Goethes Stehaufmännchen FAUST. Regisseur Pedro Martins Beja inszeniert am Theater Oberhausen keck der Tragödie erster Teil mit einem gymnasialen Oberstufenchor (vom Bertha-von-Suttner Gymnasium). Daruber, ob Geier oder Hedgefond-Manager die besseren Leichenfledderer sind, haben wir mit ULRICH GREB vom Schlosstheater Moers anlässlich der Premiere von Michael Crowleys „The Dead Inc. – Die Toten GmbH“ philosophiert.
Spaß am Kaputtmachen hat die in Essen lebende Autorin SANDRA DA VINA, die 2014 als erste Frau die NRW-Landesmeisterschaft im Poetry Slam gewann. Wir widmen ihr unser Literaturportrait. Portraits, vor allem von Landschaften, zeigt die Schau „Lieblingsorte – Künstlerkolonien“ im GUSTAV-LÜBCKE-MUSEUM und fuhrt uns in norddeutsche Künstlerkolonien um die Jahrhundertwende.
Zeitgenössische politische und religiöse Themen berührt unser Film des Monats THE SALESMAN, mit dem Ashgar Farhadi sowohl ein klassischer Whodunit-Thriller als auch ein Spiegel der iranischen Gesellschaft gelungen ist.
Eine Momentaufnahme der US-Gesellschaft der 1950er Jahre ist Philip Roths Roman „Empörung“. Wir sprechen mit LOGAN LERMAN, der in der gleichnamigen Kinoadaption die Hauptrolle spielt. MARIE KREUTZER, Regisseurin der österreichischen Ensemble-Komödie „Was hat uns bloß so ruiniert“, bitten wir zum Gespräch zum Film.
Vom 27.1.-11.2. beweist das Dokumentarfilmfestival STRANGER THAN FICTION auch im Ruhrgebiet dann wieder, dass die Wirklichkeit spannender und oft absurder ist als die Fiktion. Vielleicht ist das ein kleiner Trost und Plädoyer für ein Leben im Hier und Jetzt. Denn wer der Wirklichkeit für immer den Rücken kehrt, kann sie auch nicht verändern.
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