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„Kinder wollen gute Geschichten erzählt bekommen“

30. August 2012

Mirjam Müntefering über Bücher, Lesben, Heimat, Hunde und Väter – Über Tage 09/12

trailer: Frau Müntefering, warum schreiben Sie Bücher?
Mirjam Müntefering:
Das ist eine alte Leidenschaft von mir. Seit ich sprechen kann, erzähle ich Geschichten, und als ich das Schreiben gelernt habe, habe ich sie aufgeschrieben. Ich hatte als Kind die Idee, ein Buch zu schreiben, das so eine Verbreitung hat wie die Bibel. Es sind inzwischen mehrere Bücher geworden.

Aber die Auflage der Bibel haben Sie noch nicht erreicht?

Mirjam Müntefering
Foto: Edith Weis-Henseler
Mirjam Müntefering (43) ist Journalistin, Buchautorin und Inhaberin einer Hundeschule in Hattingen.

Das müssen Sie mir jetzt doch nicht so unter die Nase reiben. Ich arbeite dran. Ich habe Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Ich habe auch Bücher für Erwachsene geschrieben. Viele Bücher spielen in der Frauen- bzw. Lesbenszene im Ruhrgebiet.

Passt das überhaupt zusammen: Lesben und Ruhrgebiet? Zunächst denkt man in Zusammenhang mit unserer Region doch an Kohle und Stahl …
Ich bin ja auch nicht ins Ruhrgebiet gezogen, weil das hier eine Hochburg für Schwule und Lesben ist. Dann wäre ich eher nach Köln oder Berlin gezogen. Das literarische Thema spielt eine Rolle, weil ich selbst mit meiner Lebenspartnerin in einer Lebenspartnerschaft lebe. Situationen aus meinem Leben haben mich dann beim Schreiben meiner Bücher inspiriert.

Sie kommen aus dem Sauerland … Ist es dort wirklich so schlimm?
Als Kind war es für mich ein absoluter Traum, da aufzuwachsen. Ich war nur draußen, im Garten, im Wald, habe Prinzessin und Ritter gespielt. Als Teenager war es nicht so einfach. Allerdings ist es als Teenager sowieso schwer, die Stadt zu lieben, in der man lebt. Als Erwachsene habe ich mich mit dem Sauerland ausgesöhnt. Es ist eine wunderschöne Landschaft. Meine Mutter und meine Schwester wohnen dort. Ich habe dort viele Verwandte. Dort sind eben meine Wurzeln.

Warum schreiben Sie Bücher für Kinder und Jugendliche?
Ich bin selbst ein bisschen Kind. Ich kann mich ganz gut einfühlen in diese Leser. Ich habe für Kinder sogar mal einen Krimi geschrieben. In „Grubenhunde“ geht es um zwei Mädchen und einen Jungen, die einer Hundefängerbande in Witten auf die Spur kommen. Ich lese dieses Buch gelegentlich in Grundschulen. Es ist faszinierend, wie die Kinder da mitgehen. Die lassen sich nicht von irgendwelchen literarisch hochtrabenden Sprachgewandtheiten einlullen. Die wollen eine gute Geschichte erzählt bekommen.

Haben Sie selbst auch einen Kinderwunsch gehabt?
Nein, ich bin gerne in meiner Tanten-Rolle aufgegangen, war aber auch immer froh, wenn ich die Kinder abends wieder abgeben konnte. Wir haben übrigens gerade ein Ferienkind zu Gast, einen schwarzen Labrador.

Warum finden Sie Hunde eigentlich so toll?
Hier bei mir sitzen drei Hunde, einer mir zu Füßen, einer im Sessel, das Ferienkind brav im Körbchen. Diese Tiere verbreiten eine angenehme Atmosphäre von Gemütlichkeit und Wohlbehagen. Wenn ich mit den Hunden unterwegs bin, merke ich, dass Hunde keine Gedanken an das Gestern oder an das Morgen verschwenden. Sie leben im Hier und Jetzt. Zen-Mönche meditieren ihr Leben lang, um so eine innere Haltung zu erlangen. Die Tiere haben sie einfach.

Aber Hunde müssen Ihrer Meinung nach auch zur Schule?
Ich habe im Jahr 2000 meine Hundeschule in Hattingen eröffnet. Sie ist aber eher eine Schule für Menschen mit Hund. Wir zeigen den Leuten, wie sie ihre Hunde besser erziehen können und ihre Hunde besser verstehen. Ich habe mich auf die Zielobjektsuche spezialisiert. Das muss man sich in etwa so vorstellen, wie Diensthunde beim Zoll nach Drogen oder Sprengstoff suchen – nur dass die Hunde bei uns eben Alltagsgegenstände wie einen Kugelschreiber suchen. Unsere Familienhunde sind ja größtenteils arbeitslos, sind als Jagdhunde oder Hütehunde gezüchtet und sollen nun nur noch dekorativ sein. Aber Hunde, die nicht ausgelastet sind, denken sich leicht Sachen aus, die uns Menschen nicht immer in den Kram passen. Das kennt man ja von Jugendlichen. Wenn die nichts zu tun haben, stehen die vor dem Supermarkt rum und pöbeln irgendwelche Omis an.

Sind Hunde bessere Menschen?
Nein, Hunde sind häufig genau wie Menschen Opportunisten. Es gibt aber durchaus bei Hunden auch altruistisches Verhalten. Aber das haben Menschen ja auch.

Reizt Sie das Thema Tier auch literarisch?
Natürlich, jetzt erscheint mein neuer Roman „Siebter“. Eine Geschichte um Liebe und Freundschaft – aber aus der Sicht von Saatkrähen. Rabenvögel werden leicht dämonisiert, gelten als Galgenvögel, als Todesboten. Ich zeige in dieser spannenden Geschichte, wie sie wirklich sind, sehr soziale und hochintelligente Lebewesen.

Letzte Frage: Nerve ich Sie, wenn ich Sie auf Ihren Vater anspreche?
Es ist immer die Frage des Subjekts und des Objekts. Wenn mich jemand mit den Worten anspricht „Sind Sie die Tochter?“, dann finde ich das schon nervend. Wenn mir aber jemand sagt: „Ach, der Franz ist Ihr Vater“, dann kann ich damit leben. Ich möchte sichergehen, dass ich nicht nur als Tochter gesehen werde. Ich bin Filmwissenschaftlerin, habe eine Hundeschule, habe in 14 Jahren mehr als 20 Romane und Sachbücher geschrieben und gebe für Geschichtenbegeisterte Schreibworkshops. Reicht das nicht, um als Person wahrgenommen zu werden?

Interview: Lutz Debus

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