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Georges Braque. Erfinder des Kubismus, Installationsansicht K20, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 2021
Foto: Achim Kukulies, © VG Bild-Kunst, Bonn

Abstraktion der Geschwindigkeit

17. November 2021

Georges Braque's Kubismus in Düsseldorf – Kunst in NRW 11/21

Braque war der Stille und Bedächtige, auch in seiner Malerei. Picasso hingegen war der „Macher“, der emsig arbeitete und sich öffentlich in Szene setzte. Und so kommt es, dass Braque (1882-1963) als „Mit-Erfinder“ des Kubismus gegenüber seinem Freund Pablo Picasso in den Hintergrund tritt.

Umso notwendiger ist nun die Ausstellung seiner Malereien und Collagen, die in der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz in Düsseldorf zu sehen ist. Sie konzentriert sich auf die Jahre von 1906 bis 1914, in denen Braque, ab 1907 im Austausch mit Picasso, diese Richtung der Avantgarde sukzessive entwickelte. Aus der Luft fiel der Kubismus nicht: Er reflektiert das neue Sehen, das mit dem technischen Fortschritt einher geht, etwa den Erfindungen des Autos und des Flugzeugs, den neuen Bildtechniken des Kinos und dem Hochhausbau mit dem Ergebnis, dass die Landschaft durch Stege geometrisiert ist und die visuellen Sensationen im raschen Tempo verschmelzen.

Nachdem schon der Impressionismus Pionierarbeit für das Sehen geleistet hatte, haben Braque und Picasso, ausgehend vom Fauvismus, innerhalb weniger Jahre in mehreren Schritten ihre Collagen und ihre Malerei verwirklicht. Die Düsseldorfer Ausstellung vollzieht diese Entwicklung noch mit Gemälden von Künstlern wie Matisse, André Derain oder Cézanne nach und begleitet sie mit Text- und Zeittafeln und Filmausschnitten dieser Pionierzeit. Spannend ist die Ausstellungsarchitektur, deren Wabenstruktur der Armory Show in New York 1913 entlehnt ist, bei der der Kubismus bekannt wurde. Und dann steht man plötzlich vor Braques kubistischen Meisterwerken: nur einigen wenigen Bildern, einfach weil es nicht viele gibt. Meist handelt es sich, gehüllt in Brauntöne, um Landschaften und Stillleben, die rhythmisiert, zerschnitten, als Konturen und Schatten versetzt und neu kombiniert sind und so eine Multiperspektivität und Simultaneität initiieren, zwischen denen Buchstaben, Flaschen, Fische oder Häuser oder Musikinstrumente auftauchen, und so radikal und aufregend das selbst heute noch wirkt: entstanden sind diese Bilder vor über einem Jahrhundert.

Georges Braque | bis 23.1. | K20 Kunstsammlung NRW in Düsseldorf | 0211 838 12 04

Thomas Hirsch

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