Okay
Dänemark 2002, Laufzeit: 93 Min., FSK 6
Regie: Jesper W. Nielsen
Darsteller: Paprika Steen, Troels Lyby, Ole Ernst, Nikolaj Kopernikus, Molly Blixt Egelind, Laura Drasbaek Olesen, Trine Dyrholm, Lotte Andersen, Jesper Christensen, Birthe Neumann, Henrik Prip, Benjamin Boe Rasmussen, Lars Ranthe, Mette Horn, Michael Moritzen, Casper Steffensen
Netes Vater soll seine letzten drei Lebenswochen bei seiner Tochter und deren Familie verbringen. In der neuen Umgebung blüht er jedoch auf, bringt den gewohnten Alltag gehörig durcheinander und scheint der tödlichen Krankheit ein Schnippchen zu schlagen. Pfiffig-humorvolles Familienporträt.Wer aus Dänemark bislang nur die Dogma-Filme kannte und sich mit diesen nicht so richtig anfreunden wollte, sollte sich mit Jesper W. Nielsens Film unbedingt eines Besseren belehren lassen. Die Erlebnisse der Enddreißigerin Nete (herrlich robust und dennoch nuanciert: Paprika Steen) sind von einem klugen und leisen Humor geprägt. Kim Fupz Aakesons Drehbuch ist auf wundervolle Weise gestaltet. Naheliegende, lebensechte Konflikte ergeben sich aus den veränderten Situationen heraus nach einem gut durchdachten Ursache-Wirkung-Konzept. Aus Platzgründen werden da unliebsame Kompromisse geschlossen und bei der Erziehung der Tochter vom Opa Autoritäten untergraben. Die bei uns weitgehend unbekannten Darsteller (lediglich Paprika Steen dürfte einigen aus den Dogma-Filmen in bester Erinnerung sein) statten ihre Figuren mit einer Authentizität aus, welche die Glaubwürdigkeit des Drehbuchs nur noch untermauert. In einer ebenso liebevoll erzählten Nebenhandlung erfahren wir von den Gewissenskonflikten von Netes schwulem Bruder Martin. Er hat seit seinem Coming Out vor nunmehr acht Jahren kein Wort mehr mit seinem Vater gewechselt. Als ihn nun zwei lesbische Freundinnen bitten, seinen Samen für eine künstliche Befruchtung zur Verfügung zu stellen, muss er sich sowohl seinem Vater angesichts des nahenden Todes annähern als auch seine eigene Einstellung zur Vaterrolle überdenken.Nielsens Film ist ein liebenswertes Porträt einer dänischen Familie, in deren Mittelpunkt eine selbstsicher scheinende, aber im Grunde doch von Selbstzweifeln geplagte Frau steht. Nicht nur die Kamera ist immer dicht an den Figuren, auch die Geschichte an sich stellt sie durchweg in den Mittelpunkt. So ist eine harmonische Charakterstudie entstanden, in der auch Raum für existentielle Fragestellungen um Selbstverwirklichung, Lebensinhalt und Umgang mit dem Tod bleibt. Dass bei den Beziehungsproblemen auch auf das eine oder andere Stereotyp zurückgegriffen wird, will man dem sympathischen Film nur zu gern verzeihen.
(Frank Brenner)

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