
Komm näher
Deutschland 2006, Laufzeit: 97 Min., FSK 12
Regie: Vanessa Jopp
Darsteller: Meret Becker, Hinnerk Schönemann, Stefanie Stappenbeck, Marek Harloff, Heidrun Bartholomäus, Fritz Roth, Marie-Luise Schramm, Jana Pallaske
Ein Mangel an menschlicher Nähe als großes Manko im heutigen Großstadtleben findet zunehmend im deutschen Kino Niederschlag. Nach Andreas Dresen in "Sommer vorm Balkon" beschäftigt sich nun auch Vanessa Jopp in "Komm näher" mit dem Wunsch, nicht allein durchs Leben zu gehen. In drei lose miteinander verbundenen Erzählsträngen verfolgt sie verschiedene Beziehungskonstellationen rund um Einsamkeit und Nähe, Liebe und Sex.Im Alltag von David und Ali sind zwischen Kinderbetreuung für den kleinen Sohn John und Alis beruflichem Streben innige Momente der Zweisamkeit und ein Gespür füreinander verloren gegangen. Frustriert sucht David Zuflucht bei Hanna, die ihn unmissverständlich begehrt. Alis Schwester Mathilda gönnt sich den schnellen Sex mit wechselnden Männern, bis der Polizist Bronski in ihr Leben tritt, der immer so nett lächelt, wenn er spätabends anrückt, um ihre musikalische Ruhestörung zu unterbinden. Die vom Kleinkrieg mit ihrer aggressiv pubertierenden Tochter Mandy zermürbte Johanna wiederum sucht per Kontaktanzeige eine Bekanntschaft und findet im Taxifahrer Andi ein Pendant, das in ähnlichem Maße wie sie selbst mit Hemmungen zu kämpfen hat. Trotz im Grunde nur grob skizzierter Figuren gelingen Vanessa Jopp enorm aussagestarke Szenen voller sprechender Blicke und verhaltener Gesten, die im tiefen Wunsch zur Annäherung ein "Bleib fort!" signalisieren und verraten, wie sehr sich die Menschen oft selbst im Wege stehen. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein; Jopp lässt sie weitgehend offen, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass die Charaktere durch Improvisationen des (starken) Darstellerensembles entwickelt wurden und erst im Nachhinein eine Filmerzählung entstand. Nach ihrem schwungvollen Spielfilmdebüt "Vergiss Amerika" und dem eher missratenen Nachfolger "Engel und Joe" überzeugt die junge Regisseurin in "Komm näher" mit einem einfühlsamen, unsentimentalen Blick auf Versuche der Paarbildung.
(Kirsten Dyrda)

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