
Die Küchenbrigade
Frankreich 2021, Laufzeit: 97 Min., FSK 0
Regie: Louis-Julien Petit
Darsteller: Audrey Lamy, François Cluzet, Chantal Neuwirth
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Kulinarisch gefärbte Sozialkomödie
Köchin mit Leib und Seele
„Die Küchenbrigade“ von Louis-Julien Petit
Louis-Julien Petits vorangegangener Film „Der Glanz der Unsichtbaren“ beschäftigte sich mit den Folgen der bevorstehenden Schließung eines Tageszentrums für obdachlose Frauen. In semi-dokumentarischer Weise nahm sich der Filmemacher darin eines Personenkreises an, der ansonsten filmisch eher unterrepräsentiert ist. Sein neuer Film „Die Küchenbrigade“ mutet nun fast wie das männliche Pendant zum Vorgänger an, denn hier stehen nun eine ganze Reihe minderjähriger männlicher Migranten im Mittelpunkt, deren Chance auf einen Neuanfang zu scheitern droht.
Einmal mehr beschäftigt sich Petit also mit sozialer Ungerechtigkeit, hat nun als filmisches Gerüst aber nicht den Dokumentarfilm gewählt, sondern sich bei einem insbesondere in Frankreich beliebten Filmgenre bedient: dem Küchenfilm. Da das Auge ja bekanntlich mitisst, gibt es bereits seit vielen Jahren einen Markt für Filme, die sich auf dokumentarische oder fiktive Weise mit der Zubereitung von kulinarischen Köstlichkeiten befassen, zuletzt beispielsweise „À la carte!“ von Éric Besnard. „Die Küchenbrigade“ ist für das Genre aber ein tiefgründigerer Film, der über die visuelle Komponente weit hinausgeht und am Ende zu einem Plädoyer für das Recht auf Weiterbildung und eine Aufenthaltsgenehmigung wird.
Cathy Marie (Audrey Lamy) arbeitet als Sterneköchin im Restaurant einer bekannten Fernsehpersönlichkeit, hat deren Allüren aber satt. Auf der Suche nach einer neuen Stellung landet sie in einem Migrantenheim für minderjährige Flüchtlinge, das von Lorenzo Cardi (François Cluzet) geleitet wird. Eigentlich soll Cathy lediglich dafür sorgen, dass die 70 jungen Männer täglich satt werden, aber ihr Ehrgeiz geht weiter. Nachdem sie einige der Migranten als Helfer in der Küche engagieren konnte, weckt sie mit ihrer Begeisterung auch deren Interesse am Kochen, was ihnen langfristig dabei helfen könnte, eine Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich zu bekommen.
Zu Beginn ist „Die Küchenbrigade“ wie viele der erwähnten Küchenfilme konzipiert, in denen es um die stilvolle Inszenierung exquisit angerichteter Speisen geht und dem Publikum das Wasser im Munde zusammenlaufen soll. Doch Louis-Julien Petit schlägt schon rasch wieder den Bogen zur humorvollen Schilderung sozialer Ungerechtigkeiten. Dann räumt er den Männern der „Küchenbrigade“ mehr Raum ein als der Protagonistin, die gleichwohl durch ihre Vergangenheit einige Parallelen zum Leben der sozial benachteiligten jungen Menschen aus Entwicklungsländern aufweist. Besonders menschenverachtend ist eine Sequenz, in der die Migranten von Amts wegen geröntgt werden, um über ihr Knochenalter zu bestimmen, ob sie nicht doch schon volljährig sind und dadurch problemlos abgeschoben werden können. Nach „Der Glanz der Unsichtbaren“ ist es Petit auch hier wieder gelungen, mit den Mitteln des gewitzten Unterhaltungsfilms den Finger auf soziale Missstände zu richten, die nicht nur auf Frankreich, sondern auf viele westliche Länder in ähnlicher Form zutreffen.

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