Blessing Bell
Japan 2002, Laufzeit: 87 Min.
Regie: Sabu
Darsteller: Susumu Terajima, Naomi Nishida, Seijun Suzuki, Rieko Shinohara, Toru Masuoka
Eine Fabrik: die Arbeiter stehen vor verschlossenen Türen. Der ebenfalls entlassene Igarashi startet einen schweigsamen Marsch durch die Stadt und begegnet dabei den unterschiedlichsten Menschen und gerät in die ungewöhnlichsten Situationen.Ruhiges, kaleidoskopisches GesellschaftsportraitEigentlich kennt man Sabu ? neben seiner Tätigkeit als Schauspieler für u.a. Takashi Miike ? vor allem als Regisseur quirliger und stilistisch wechselhafter Yakuza-Filme. Mit seinem irrwitzigen Debut "D.A.N.G.A.N. Runner" (´96) oder "Unlucky Monkey" (´98) empfahl er sich als Meister der überraschenden wie kunstvollen Abschweifung. Sein neuer Film "Blessing Bell" ist eine einzige, große Abschweifung. Insofern sind die Handlungs- und Stilbrüche hier wesentlich dezenter als in seinen früheren Filmen. Sabu selbst sagt, dass dieser Film vollkommen anders ist, als alles, was er bislang gemacht hat. Igarashi streift, nachdem ihm gekündigt wurde, ziellos durch die Straßen der Stadt. Seine Wegstrecke ist der rote Faden, an dem die kleinen Geschichten des Films aufgezogen sind. Daher macht eine Nacherzählung des Plots wenig Sinn: "Blessing Bell" erscheint mehr wie ein Episodenfilm, denn wie ein abendfüllender Spielfilm. Igarashi, engelsgleich, beeinflusst mit seiner stummen, passiven Präsenz Schicksale und führt Menschen zueinander (in einer solchen Nebenrolle ist als Hommage an Sabus großes Vorbild der Regisseur Seijun Suzuki zu sehen). Daneben ist die Ästhetik des Films das einzig verbindende Element zwischen den Szenen: Kameramann Masao Nakabori ist ein Meister des kunstvollen Bildausschnitts. Er lässt die häufig zu Stills eingefrorenen, langen Einstellungen zu einem Genuss werden. Man kann sich an den Bildern, die nicht selten wie eine Mischung der Inszenierten Fotografie eines Jeff Wall und dem überhöhtem Doku-Stil eines Andreas Gursky aussehen, kaum satt sehen. Und die Ruhe, die die Bilder ausstrahlen, lassen dem Zuschauer Zeit für kleine Meditationen zum Gesehenen.Wenn schließlich der Manierismus des schweigenden Igarashi (gespielt von Susumu Terajima mit Buster Keaton'schem 'stone face') gegen Ende des Films droht, zu penetrant zu werden, zieht Sabu die Notbremse beziehungsweise legt im wörtlichen Sinn den Rückwärtsgang ein und endet dann mit einer befreienden, so geschwätzigen wie albernen Überraschung. Alleine für diese Szene muss man den Film lieben.
(Christian Meyer)
„Es ist vertraut, aber dennoch spannend“
Schauspielerin Barbara Auer über „Miroirs No. 3“ – Roter Teppich 09/25
Am Puls der Zeit
Das 2. Unlimited-Hope-Filmfestival in Bochum und Dortmund – Festival 09/25
Weinende Wände
Das Filmtheater als Begegnungs- und Spielstätte – Vorspann 09/25
„Die Filme nehmen eine klare Haltung ein“
Direktor Jakob Gatzka über das 2. Unlimited-Hope-Filmfestival in Bochum und Dortmund – Interview 09/25
„Das Leben ist absurd, nicht der Film“
Regisseur Elmar Imanov über „Der Kuss des Grashüpfers“ – Gespräch zum Film 08/25
Sommerkino als Filmarchiv
Kollektives Gedächtnis statt Konserve – Vorspann 08/25
Kinofest-Test
Lünen als Versuchslabor für die Kinozukunft – Vorspann 07/25
Mikrodramen vs. Spielfilm
Was können Kinos gegen die Schnipselflut tun? – Vorspann 06/25
Arbeitskampf und Dekolonisation
Das IFFF 2025 in Dortmund und Köln – Festival 04/25
Amazon-Bond & beyond
007 ist zum Streaming-Start freigegeben – Vorspann 03/25
Opferbereit gegen das System
Dokumentarfilm „Algier – Hauptstadt der Revolutionäre“ im Essener KWI – Film 02/25
Früher war mehr Kino
Führung durch die Essener Ausstellung „Glückauf – Film ab!“ für trailer-Leser:innen
Aus unterschiedlichen Galaxien
Im Februar starten Biopics über Bob Dylan und Maria Callas – Vorspann 02/25
Ungeschönt aufs Leben blicken
32. blicke-Filmfestival in Bochums Endstation Kino – Film 01/25
Zwischen Helden- und Glückssuche
Die Kinotrends des Jahres – Vorspann 01/25
Schund und Vergnügen
„Guilty Christmas Pleasures: Weihnachtsfilme“ im Filmstudio Glückauf Essen – Foyer 12/24
22 Bahnen
Start: 4.9.2025
Beule – Zerlegt die Welt
Start: 11.9.2025
Kill the Jockey
Start: 18.9.2025
Miroirs No. 3
Start: 18.9.2025
One Battle After Another
Start: 25.9.2025
Das tiefste Blau
Start: 25.9.2025
Karla
Start: 2.10.2025
„Das Ruhrgebietspublikum ist ehrlich und dankbar“
Oliver Flothkötter über „Glückauf – Film ab!“ und Kino im Ruhrgebiet – Interview 12/24
Besuchen Sie Europa
Die Studie Made in Europe und ihre Folgen – Vorspann 12/24